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Trauer um Walter Lübcke

Der Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten wird vom Generalbundesanwalt untersucht.

(Foto: dpa)

Mutmaßlicher Mord Fall Lübcke: Ermittler gehen von rechtsextremistischem Hintergrund aus

Der Tatverdächtigte soll eine Verbindung zur rechtsextremen Szene gehabt haben. Die Opposition fordert eine Sondersitzung des Innenausschusses.
Update: 17.06.2019 - 16:17 Uhr 2 Kommentare

Kassel, Karlsruhe Im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gehen die Ermittler von einem „rechtsextremistischen Hintergrund“ aus. Grundlage seien das Vorleben und frühere Äußerungen des festgenommenen 45-jährige Mannes, der dringend tatverdächtig sei, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Montag in Karlsruhe. Laut „Zeit Online“ soll er 1993 einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim im hessischen Hohenstein-Steckenroth verübt haben.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird gegen den Mann wegen eines Tötungsdelikts mit politischem Hintergrund ermittelt. Spezialeinheiten hatten ihn am frühen Samstagmorgen in Kassel gefasst, er sitzt seit Sonntag unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Das genaue Motiv ist aber weiterhin unklar. Die Bundesanwaltschaft wollte am Montagnachmittag eine Erklärung abgeben.

Der 65-jährige Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha bei Kassel entdeckt worden. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf und starb wenig später im Krankenhaus. Seither ermittelt eine mittlerweile 50-köpfige Sonderkommission. Nach dem Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung starb Lübcke an einem Schuss aus kurzer Distanz.

Der Regierungspräsident war in der Vergangenheit wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden. Er hatte sich 2015 auf einer Informationsveranstaltung gegen Schmährufe gewehrt und gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen.

Zu den Gründen für die Übernahme der Ermittlungen wollte sich die Sprecherin der Bundesanwaltschaft nicht äußern. Der Generalbundesanwalt verfolgt Taten terroristischer Vereinigungen. Ermittlungen gegen Einzeltäter kann er aber dann übernehmen, wenn dem Fall wegen des Ausmaßes der Rechtsverletzung und der Auswirkungen der Tat „besondere Bedeutung“ zukommt.

Generalbundesanwalt ermittelt im Fall des erschossenen Walter Lübcke

Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb unter Berufung auf Ermittlerkreise, da man nicht ausschließen könne, dass eine rechtsextreme Bande am Werk sei, sei Karlsruhe der richtige Ort. „Wir haben aus den Fällen NSU und Amri gelernt“, wurde ein Ermittler zitiert. Im Fall der Terrorzelle NSU war der rechtsextreme Hintergrund der Morde erst spät erkannt worden, im Fall des islamistischen Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, hatte es keine reibungslose Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden gegeben.

Die Festnahme des Verdächtigen in Kassel geht nach Angaben der hessischen Ermittler auf eine DNA-Spur zurück, die zu einem Treffer in einer Datenbank führte. Laut „Süddeutscher Zeitung“ liegen über den 45-Jährigen polizeiliche Erkenntnisse über Landfriedensbruch, Körperverletzung und Waffenbesitz vor.

Der Mann soll nach einem Bericht von „Zeit Online“ 1993 einen Anschlag auf ein Asylbewerberheim in Hohenstein-Steckenroth verübt haben. Damals war ein brennendes Auto an der Unterkunft im Rheingau-Taunus-Kreis gerade noch rechtzeitig gelöscht worden, bevor der selbst gebastelte Sprengsatz auf der Rückbank detonieren konnte.

Bei dem damals festgenommenen 20-Jährigen habe es sich um den Mann gehandelt, der nun unter Mordverdacht stehe. Er sei damals zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Eine Bestätigung der Ermittler war dafür zunächst nicht zu bekommen.

Hassbotschaften im Netz

Nach Informationen des „Spiegels“ soll der Verdächtige zumindest in der Vergangenheit auch im Umfeld der hessischen NPD aktiv gewesen sein. Vor zehn Jahren sei er auch an Angriffen von Rechtsradikalen auf eine Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai 2009 in Dortmund beteiligt gewesen. Er sei damals wegen Landfriedensbruchs zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Seither sei er nicht mehr als extremistisch aufgefallen, berichtete der „Spiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Nach Lübckes Tod hatten hasserfüllte und hämische Reaktionen aus der rechten Szene im Internet für Empörung gesorgt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte sie „zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig“ genannt.

Die Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hofften nun, dass so schnell wie möglich geklärt werde, wer Lübcke warum erschossen habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Davon abgesehen kann man dem Bundespräsidenten nur zustimmen, der neulich sagte, dass die zahlreichen rechtsextremistischen Hasskommentare im Netz nach dem Tod von Herrn Lübcke abstoßend und widerwärtig waren“.

Grüne, FDP, Linke und AfD im Bundestag forderten eine Sondersitzung des Innenausschusses. Die CDU/CSU zeigte sich dazu bereit. „Der Fall Lübcke ist sehr ernst“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg, der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Dienstag). „Einer Erörterung des Falles im Innenausschuss stehen wir aufgeschlossen gegenüber - auch schon in der kommenden Woche.“

Mehr: Die CDU diskutiert nach Hasskommentaren im Fall Lübcke über Regeln und Deutschlands kulturelle Identität.

  • dpa
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2 Kommentare zu "Mutmaßlicher Mord: Fall Lübcke: Ermittler gehen von rechtsextremistischem Hintergrund aus"

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  • Aha, Sie kennen sich scheinbar aus, wie das in unserem Rechtswesen läuft; Lynchjustiz ist ein großes Wort; da sollte man doch vorsichtiger mit umgehen. Wir sollten erst einmal abwarten, was die weiteren Ermittlungen ergeben. Auf jeden Fall scheinen Sie sehr tendenziös zu kommentieren.

  • OH, DNA ... dann ist der Fall ja ruckzuck gelöst. Wozu dann noch 50 Ermittler? Wo wurde die DNA denn gefunden? Was wenn ich von jemandem etwas Haut abkratze oder Haare aufsammle und diese dann dorthin lege? So kann ich schön ablenken. Beweise, Beweise... oder doch nur Indizien? Wird nun weiter in alle Richtungen ermittelt? Oder haben wir nun eine Lynchjustiz nach dem Motto, DER könnte passen, Fall gelöst?

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