Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Mutmaßlicher Mord Seehofer zum Fall Lübcke: Rechtsextremismus wahrscheinlich, Ermittlungen offen

Die Ermittlungen im Fall des erschossenen Walter Lübcke gehen weiter. Innenminister Seehofer betont: Man blicke bei der Aufklärung in alle Richtungen.
Update: 18.06.2019 - 15:41 Uhr Kommentieren
Die Biografie des Verdächtigen lege einen rechtsextremistischen Hintergrund nahe, sagte Seehofer auf der Pressekonferenz. Quelle: AFP
Horst Seehofer, Holger Münch und Thomas Haldenwang

Die Biografie des Verdächtigen lege einen rechtsextremistischen Hintergrund nahe, sagte Seehofer auf der Pressekonferenz.

(Foto: AFP)

Berlin Bundesinnenminister Horst Seehofer und die Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Bundeskriminalamtes, Thomas Haldenwang und Holger Münch, stellten an diesem Dienstagmittag den Ermittlungsstand im Fall des getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke vor. Laut Seehofer gebe es derzeit keine Hinweise auf Komplizen oder eine terroristische Organisation.

Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege die Biografie des Verdächtigen nahe, sagte Seehofer. Als Tatmotiv könne derzeit nichts ausgeschlossen werden. „Ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar.“ Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Er steht unter dringendem Verdacht, Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet zu haben.

Die Bundestagsparteien haben sich derweil geschlossen für eine Sondersitzung zum Mordfall Walter Lübcke ausgesprochen. Nachdem Grüne, Linke und FDP die Vorsitzende des Innenausschusses, Andrea Lindholz (CSU), gemeinsam aufgefordert hatten, eine solche Sitzung einzuberufen, kam am Dienstag auch ein entsprechender Vorstoß von Union und SPD. Darüber hatte zuerst die „Welt“ berichtet.

In ihrem Schreiben an die Vorsitzende bitten die Koalitionspartner um eine Teilnahme des Generalbundesanwalts. Er hatte die Ermittlungen wegen des mutmaßlich rechtsextremen Motivs des Tatverdächtigen übernommen. Außerdem sollen Vertreter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, des Bundeskriminalamtes sowie der hessischen Ermittlungsbehörden Rede und Antwort stehen. Auch der AfD-Innenpolitiker Martin Hess hatte sich für eine Sondersitzung ausgesprochen.

Die Fraktionen von SPD und FDP im hessischen Landtag haben für kommende Woche ebenfalls eine Sondersitzung des Innenausschusses zum Fall Lübcke beantragt. „Wir sind sehr irritiert darüber, dass wir alles der Presse entnehmen und nicht die Informationen direkt vom Innenminister erhalten“, sagte die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser in Wiesbaden. Die Fraktionen wollen herausfinden, welche Informationen zum Tathintergrund vorlagen und ob der Verdächtige Stephan E. den Verfassungsschutzbehörden bekannt war.

Der Tatverdächtige im Mordfall Lübcke ist nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz in den vergangenen Jahren aber nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten. Der Mann habe eine Art rechtsextremistische Karriere vor allem in den 1980er und 1990er Jahren begonnen, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang am Dienstag in Berlin.

Seit dieser Zeit sei er auch auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen. Zuletzt sei er aber „eher in der Hintergrund der Beobachtung getreten“. Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag in Untersuchungshaft. Dennoch: Nach Angaben des Bundeskriminalamts schon durch viele Straftaten auffällig geworden. Der mutmaßliche Täter habe eine „lange Latte von Straftaten“, sagte BKA-Präsident Münch.

Der Verdächtige im Mordfall Walter Lübcke war Mitglied in einem nordhessischen Schützenverein. Stephan E. habe dort aber nur mit dem Bogen geschossen und keinen Zugriff auf Feuerwaffen gehabt, sagte Reiner Weidemann, Vorsitzender des Schützenclubs 1952 Sandershausen. Der Schützenverein liegt in Niestetal-Sandershausen, einem Vorort von Kassel.

Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen und Hintergründe der Tat seien noch nicht aufgeklärt, sagte Innenminister Seehofer. Die Hintergründe seien noch nicht vollends aufgeklärt. Die Tatwaffe ist nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bislang noch nicht gefunden worden

Seehofer verurteilte die Tat als schrecklich und als Alarmsignal. Rechtsextremismus sei eine Gefahr „für unsere freiheitliche Gesellschaft“.

Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Er soll Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet haben.

Mehr: Siemens-Chef Joe Kaeser hat mit einem Tweet zum Fall Lübcke danebengelegen. Und sich umgehend für seinen Fauxpas entschuldigt. Damit sollte es gut sein.

Seehofer bezeichnet rechtsextremistischen Anschlag auf Lübcke als „Alarmsignal“

  • rtr
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Mutmaßlicher Mord - Seehofer zum Fall Lübcke: Rechtsextremismus wahrscheinlich, Ermittlungen offen

0 Kommentare zu "Mutmaßlicher Mord: Seehofer zum Fall Lübcke: Rechtsextremismus wahrscheinlich, Ermittlungen offen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote