Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies NRW verhängt Lockdown über die Kreise Gütersloh und Warendorf

Zunächst bis Ende Juni gelten wieder strikte Kontaktbeschränkungen und Verbote in der Region. Der CDU-Politiker hofft, so das Infektionsgeschehen einzudämmen.
23.06.2020 Update: 23.06.2020 - 16:00 Uhr Kommentieren

Laschet verhängt Lockdown über Gütersloh bis vorerst 30. Juni

Berlin, Düsseldorf Als Armin Laschet sich vor zwei Tagen in Gütersloh nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies ein Lagebild verschaffte, hielt er einen regionalen Lockdown noch nicht für geboten. Am Dienstag hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident seinen Kurs nun geändert und weitreichende Alltagsbeschränkungen in dem Landkreis mit rund 370.000 Einwohnern angekündigt.

„Das, was wir hier machen, hat es in Deutschland noch nicht gegeben“, sagte Laschet. Ihm sei klar, dass die erneuten Maßnahmen eine große Belastung für die Bevölkerung seien. Deshalb würden die Einschränkungen auch zunächst nur befristet bis Ende Juni gelten. Sollte es das Infektionsgeschehen zulassen, könnten sie danach wieder gelockert werden.

Im Kreis Gütersloh und auch im angrenzenden Kreis Warendorf gelten wieder die Kontaktbeschränkungen, wie sie erstmalig im März verhängt worden waren. Am Dienstagnachmittag gab NRW-Gesundheitsminister Karl Laumann bekannt, dass die Maßnahmen nicht nur für einen Teil, sondern für den kompletten angrenzenden Kreis Warendorf gelten.

Sport in geschlossenen Räumen wird verboten, zahlreiche Kulturveranstaltungen können in den beiden Kreisen nun nicht mehr stattfinden. Fitnessstudios würden im Kreisgebiet ebenso geschlossen wie Kinos und Bars, kündigte Laschet an. Schulen und Kitas im Landkreis Gütersloh waren bereits geschlossen worden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Grund für den Schritt ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück haben sich mehr 1550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

    Die Produktion des Betriebs ist eingestellt. Die Mitarbeiter sind unter Quarantäne gestellt, die auch mithilfe der Polizei überwacht werden soll.

    Grafik

    Die Einhaltung der Quarantäne-Maßnahmen gestaltet sich seit Tagen sehr schwierig. Die Landesregierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, schilderte Laschet.

    Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

    Das Zentrum des Corona-Ausbruchs bei Tönnies liege in der Fleischzerteilung, sagte Laschet. In dieser Abteilung gebe es die meisten Infizierten. Bis zum 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe. Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene Infektionen.

    Die Behörden würden die Tests in der Bevölkerung massiv ausweiten, betonte der Regierungschef. Alle Bürger des Kreises hätten ab diesem Dienstag die Möglichkeit, sich kostenlos testen zu lassen. Es werde eine repräsentative Testung für den Kreis durchgeführt, sagte Laschet.

    Der Ministerpräsident warnte davor, Menschen aus dem Kreis Gütersloh nun unter „Pauschalverdacht“ zu stellen oder sie zu „stigmatisieren“. Er bezog sich dabei auf Berichte, wonach Menschen aus dem Kreis Gütersloh an Urlaubsorten zur Abreise aufgefordert worden seien. So ist es einem Ehepaar auf der Insel Usedom ergangen.

    Ansteckungsrate in Deutschland gestiegen

    Auf die Frage, was der erneute Lockdown für die anstehende Urlaubssaison bedeutet, äußerte sich der Ministerpräsident ausweichend. Die Maßnahmen beinhalteten zwar kein Ausreiseverbot, sagte er mit Blick auf die Schulferien, die in Nordrhein-Westfalen an diesem Samstag beginnen.

    Seine Aussagen blieben aber in diesem Punkt ungenau. Einerseits sagte der CDU-Politiker auf eine Frage, ob Bewohner des Kreises Gütersloh in den Urlaub fahren könnten, das sei möglich. Zugleich „appellierte“ Laschet aber an die Bewohner, den Kreis nicht zu verlassen. „Das wird auch kontrolliert werden.“

    Der Chef des Robert Koch-Institut (RKI), Lothar Wieler, setzt bei massenhaften Infektionen wie bei den Tönnies-Beschäftigten großes Vertrauen in die lokalen Behörden. Über Maßnahmen zur Viruseindämmung müsse vor Ort entschieden werden, sagte er am Dienstag in Berlin, noch bevor Laschet den Lockdown verkündet hatte.

    Es gebe eine Faustregel, ab welchen Infektionszahlen strengere Sicherheitsvorkehrungen gelten sollten. Im Kreis Gütersloh sei schnell gehandelt worden.

    Der Corona-Hotspot in Gütersloh hat mit dazu geführt, dass auch die Ansteckungsrate in Deutschland stark gestiegen ist. Der sogenannte R-Wert sei zuletzt auf über zwei gestiegen sei, sagte Wieler. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Schnitt mehr als zwei weitere Menschen ansteckt.

    Da aber insgesamt die Zahl der Neuinfektionen weiter relativ gering sei, dürfe dies nicht überbewertet werden. Aus 137 Kreisen sei in den vergangenen Wochen überhaupt kein neuer Fall gemeldet worden.

    Auch Laschet zeigte sich optimistisch, dass es gelingt, das Infektionsgeschehen im Kreis Gütersloh einzugrenzen. Ende Juni werde man sehen, ob Lockerungen möglich seien.

    Der Chef der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, Thomas Kutschaty, kritisierte den „Schlingerkurs“ des Ministerpräsidenten. „Armin Laschet vollzieht wieder eine Kehrtwende“, sagte er der „Rheinischen Post“.

    Noch am Sonntag habe er von einem Lockdown nichts wissen wollen. Jetzt müsse er sich wieder selbst korrigieren. „Der Lockdown ist die einzig richtige Entscheidung zum Schutz der Gesundheit der Menschen“, sagte Kutschaty.“ Aber sie kommt mal wieder zu spät.

    Mit Agenturmaterial

    Mehr: Clemens Tönnies ist der perfekte Sündenbock - ein Kommentar.

    Startseite
    Mehr zu: Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies - NRW verhängt Lockdown über die Kreise Gütersloh und Warendorf
    0 Kommentare zu "Nach Corona-Ausbruch bei Tönnies: NRW verhängt Lockdown über die Kreise Gütersloh und Warendorf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%