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Nach Datenklau Große Koalition nimmt WhatsApp ins Visier

Der Bundesdatenschützer kritisiert WhatsApp und löst damit eine Debatte aus. Vertreter von CDU und SPD fordern schärfere Vorgaben für den Messenger.
14.01.2019 - 12:04 Uhr 1 Kommentar

Berlin Nach dem massiven Online-Angriff auf hunderte Prominente zweifeln Politiker an der Sicherheit von Nachrichten-Apps. WhatsApp etwa gehört weltweit zu den am meisten genutzten Nachrichten-Apps überhaupt. Im Zuge des Datenklaus spielte der Messenger-Dienst eine unrühmliche Rolle.

Per WhatsApp wurden die publik gemachten Mobilnummern der Grünen-Chefs Annalena Baerbock und Robert Habeck weiterverbreitet – inklusive eines Aufrufs zum Telefonterror. Die beiden erhielten daraufhin viele Drohanrufe und beleidigende SMS, wie der „Tagesspiegel“ kürzlich berichtete.

Selbst nachdem der Datendiebstahl aufgeflogen ist und die Links zu den Daten nicht mehr zugänglich sind, ist die Gefahr noch nicht gebannt. Es sei davon auszugehen, „dass bereits Kopien heruntergeladen wurden und beispielsweise über WhatsApp oder andere offen zugängliche Internetseiten weiterverbreitet worden sind“, erklärte das Bundeskriminalamt (BKA) in einem Schreiben an die Abgeordneten des Bundestags.

Ausgerechnet WhatsApp: Die Facebook-Tochter steht schon länger in der Kritik. Zwar verschlüsselt die App Nachrichten. Allerdings nimmt sich WhatsApp seit einer Änderung der Nutzungsbedingungen im Jahr 2016 das Recht, Informationen wie den Profilnamen, das Profilbild und die Handynummer auszuwerten und innerhalb der Unternehmensgruppe weiterzuverwenden. Angesichts des jüngsten Hackerangriffs halten das Politiker der Großen Koalition für hochproblematisch.

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    Der SPD-Politiker und Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hatte erklärt, keine Nachrichten-Apps wie WhatsApp zu benutzen, „wo man für die volle Funktionalität seinen gesamten Kontaktordner anbieten muss“. Andere wollen nicht so weit gehen wie Kelber.

    So hält der CDU-Digitalpolitiker Thomas Jarzombek wenig von indirekten Empfehlungen. „Ich halte es nicht für schlau, wenn der neue Datenschutzbeauftragte die Nutzer verunsichert, ohne Lösungen anzubieten“, sagte Jarzombek dem Handelsblatt. „Viele Anwender wünschen sich klare, aber auch realistisch umsetzbare Hinweise. Dieser gehört nicht dazu.“

    Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, hält Kelbers Kritik an WhatsApp zwar grundsätzlich für berechtigt. „WhatsApp ist aber auch ein Beispiel dafür, dass sich viele Nutzerinnen und Nutzer bei einem Diensteanbieter gefangen fühlen“, sagte Zimmermann dem Handelsblatt.

    Viele alltägliche Angelegenheiten – von der Kindergartengruppe bis zur Fußballmannschaft – würden über diesen Messenger organisiert. „Wer da rausgeht, bekommt vieles nicht mehr mit“, so Zimmermann. „Deshalb ist es zwingend notwendig, dass wir Datenschutz und Sicherheit bei bestehenden Plattformen besser durchsetzen.“

    CDU-Politiker Jarzombek fordert, die „Mindeststandards für Login-Sicherheit“ verbindlich zu erhöhen. „Am liebsten mit einer Eigeninitiative der Industrie, im Zweifelsfall aber auch über gesetzliche Auflagen im Rahmen eines erweiterten IT-Sicherheitsgesetzes.“ Notwendig sei überdies eine „Interoperabilität“ von Messengern gesetzlich vorzuschreiben.

    Damit müsste sich der Dienst für andere vergleichbare Angebote öffnen. „Erst dann haben viele Nutzer die praktische Möglichkeit, andere, sicherere Messenger als WhatsApp zu nutzen.“ Denn WhatsApp-Nutzer könnten dann, so der Gedanke, auch mit den Nutzern von einem anderen Anbieter kommunizieren.

    Viele Mitglieder der Bundesregierung tendieren durchaus in diese Richtung. Zumindest denkt auch die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Katarina Barley (SPD), dass Messengerdienste wie WhatsApp zur Interoperabilität „qua Gesetz gezwungen“ werden müssten. Dafür müsse der Dienst seine Schnittstellen öffnen, sagte die Ministerin im vergangenen Jahr der „Zeit“.

    Dann könnten Kunden zu Angeboten wechseln, „die bessere Datenschutzstandards haben, und könnten trotzdem in ihrer WhatsApp-Gruppe bleiben“, so Barley. Eine solche Regulierung von Messengerdiensten solle „idealerweise auf europäischer Ebene“ erfolgen, fügte die SPD-Politikerin hinzu. „Das ist beim Mobilfunk möglich und das ist auch bei diesen Systemen möglich.“

    Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller plädiert dafür, den Druck auf WhatsApp hochzuhalten. Von einer Abkehr von WhatsApp hält er wenig. „Für Millionen normale Nutzer ist das Verlassen von WhatsApp – bei aller berechtigter Kritik – keine realistische Empfehlung, weil sie so mit ihrer Familie und Freunden kommunizieren“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dem Handelsblatt.

    „Darum ist es wichtiger, dass die Datenschützer und Gerichte für rechtskonformes Verhalten von WhatsApp sorgen und datenschutzfreundliche Alternativen bekannter werden.“ Der VZBV verklage deshalb immer wieder soziale Medien wie WhatsApp oder Facebook.

    Unabhängig davon sieht Müller die Internetdienste-Anbieter selbst in der Pflicht, für mehr Sicherheit auf ihren Plattformen zu sorgen. „Digitale Unternehmen müssen umgehend selber bessere Passwörter und Authentifizierungsmechanismen anbieten oder rechtlich dazu verpflichtet werden.“

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    1 Kommentar zu "Nach Datenklau: Große Koalition nimmt WhatsApp ins Visier"

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    • bitte, liebe Politikerinnen und Politiker, informieren Sie sich bei Ihren Kindern, wie schnell eine ganze Gruppe zu einem anderen Chat wechseln kann;
      bitte, nehmen Sie sich eine Minute Zeit für eine Internetsuche nach sicheren Messengern mit gleichem Leistungsumfang;
      Bitte reduzieren Sie Regularien und fördern Sie Start-Ups und Unternehmertum. Das wird die Probleme eher lösen. Noch mehr Regeln wird die Leute das selber Denken noch mehr einstellen lassen.

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