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Nach EuGH-Urteil Personalmanagerin bezeichnet Zeiterfassungspflicht als antiquiert

Katharina Herrmann, Präsidiumsmitglied im Bundesverband der Personalmanager, spricht über drohende neue Bürokratie nach dem EuGH-Urteil zur Zeiterfassung.
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Personalmanagerin Katharina Herrmann glaubt, dass Arbeitnehmer vor allem Flexibilität wünschen. Quelle: Burda
Katharina Herrmann

Personalmanagerin Katharina Herrmann glaubt, dass Arbeitnehmer vor allem Flexibilität wünschen.

(Foto: Burda )

Berlin Der Europäische Gerichtshof zwingt die Bundesregierung, die Arbeitszeiterfassung neu zu regeln. Das Urteil sei „wie aus der Zeit gefallen“, kritisieren Arbeitgeberverbände. Und auch Katharina Herrmann, Personalmanagerin beim Burda-Verlag sieht in der neuen EU-Vorgabe eine Einschränkung der flexiblen Arbeitszeiten für Angestellte.

Frau Herrmann, wie hat Ihr Verband das EuGH-Urteil zur Erfassung der Arbeitszeit aufgenommen?
Es hat für Wirbel gesorgt, denn wir waren sehr überrascht, dass die zeitgemäße, flexible Arbeitszeitgestaltung offenbar bald der Vergangenheit angehören soll.

Ist das denn wirklich so?
Das wissen wir noch nicht, weil wir zunächst auf die nationale Gesetzgebung vertrauen. Aber die Pflicht zur Zeiterfassung, die bestimmt in den Industriebetrieben des 19. Jahrhunderts eine große Errungenschaft war, halten wir für antiquiert.

Welchen Spielraum hat denn der Arbeitsminister?
Er könnte branchenspezifische Lösungen finden oder nach Unternehmensgröße und -art differenzieren. Er sollte aber keinesfalls damit neue bürokratische Hürden errichten und Arbeitsmodelle kaputt machen, die die Ansprüche von vielen Arbeitnehmern reflektieren.

Was meinen Sie?
Die Hoheit über die Arbeitszeitgestaltung ist ein wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Arbeitgebers. Arbeitnehmer wünschen Flexibilität, zum Beispiel bis nachmittags im Büro zu arbeiten, dann die Kinder abzuholen und sich abends noch mal ins Homeoffice zu setzen.

Aber müsste nicht gerade in solchen Fällen die Zeit erfasst werden, um Entgrenzung vorzubeugen?
Darum sollte sich die Führungskraft ob mit oder ohne Zeiterfassung ohnehin kümmern. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gilt auch heute schon.

Kann der Arbeitgeber die Zeiterfassung künftig noch an den Arbeitnehmer delegieren?
Das wäre zwar ideal, wird aber nicht überall funktionieren. Nicht jeder arbeitet zum Beispiel am Computer und kann eine Excel-Liste führen. Wir werden also in vielen Fällen neue Systeme einführen müssen, und damit haben wir dann den bürokratischen Aufwand.

Zeit lässt sich heute einfach per Smartphone-App erfassen...
Der Einsatz dieser Technologie hat aber auch seine Kehrseiten, denn damit werden datenschutzrechtliche Fragen aufgeworfen.

Erwarten Sie, dass die Regierung jetzt auch die Arbeitszeitflexibilisierung anpackt?
Auf jeden Fall, das muss im Paket kommen, zum Beispiel wenn wir die Wochenarbeitszeit betrachten. Wir brauchen dringend eine gesamtgesellschaftliche Lösung.

Mehr: Seit einer Woche müssen Unternehmen in Spanien die Arbeitszeit aller Mitarbeiter dokumentieren. Wie sie das tun, hat der Gesetzgeber allerdings offen gelassen.

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