Nach Fall Prokon Bundesregierung will Anlegerschutz verbessern

Die Bundesregierung zieht aus dem Fall Prokon Konsequenzen und möchte die Bafin mit mehr Befugnissen ausstatten. Die Finanzaufsicht dürfte den Plänen nach künftig gefährliche Anlageprodukte vom Markt nehmen.
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Werbung für Prokon: Die drohende Insolvenz ruft die Bundesregierung auf den Plan. Quelle: dpa

Werbung für Prokon: Die drohende Insolvenz ruft die Bundesregierung auf den Plan.

(Foto: dpa)

BerlinDie Politik will aus dem Debakel um den Windkraftbetreiber Prokon Konsequenzen ziehen. „Die aktuelle Debatte um Prokon zeigt, dass der Verbraucherschutz im Bereich des Finanzmarkts gestärkt werden muss“, sagte Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerium, dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). „Die Finanzaufsicht Bafin sollte möglichst schnell in die Lage versetzt werden, Finanzprodukte zu verbieten oder den aktiven Vertrieb zu untersagen, sofern diese die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen“, sagte der SPD-Politiker.

74.000 Anleger haben dem Unternehmen in den vergangenen Jahren 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechtskapital anvertraut. Jetzt könnte Prokon vor der Insolvenz stehen. Ein Großteil des Genussrechtskapitals wäre damit akut gefährdet.

Prokon hatte viel Werbeaufwand betrieben, um Anleger mit Renditen von bis zu acht Prozent zu locken. Die Finanzaufsicht Bafin hatte keine Handhabe, weil sie nach der gegenwärtigen Gesetzeslage die Wertpapierprospekte von Anbietern des sogenannten grauen Kapitalmarkts nur formal prüfen darf. „Ich denke, es spricht viel dafür, dass kein Finanzprodukt und kein Finanzvertrieb von der Regulierung ausgenommen wird“, sagte Kelber.

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15 Kommentare zu "Nach Fall Prokon: Bundesregierung will Anlegerschutz verbessern"

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  • Jetzt müssten diese Kommentare auch mal von den Politikern gelesen werden ,welche sich jetzt zum Robin Hood der armen Verbraucher hochstilisieren. Es gibt bereits genug Reglementierung. Und der "böse" Vermittler war diesmal auch außen vor. Es lebe die freie Selbstbestimmung!

  • Verehrte Redaktion, ich finde es bedauerlich und unverständlich, dass ein Blatt dieses Kalibers sich so unreflektiert an der Thematik beteiligt. Insbesondere unverständlich, dass ein Rechtsanwalt, der -wie oft bei sogenannten Anlegerschützern zu beobachten - offensichtlich nur mäßig über das gegenwärtige Regulierungstregime unterrichtet ist, bei Ihnen aber gleichwohl eine Werbeplattform bekommt. Die meisten von dem "Experten" geforderten Änderungen sind entweder längst Gesetz/Verordnung oder stellen einen so tiefen Eingriff in die ökonomischen Dispositionen dar, dass man sie mit Verlaub nicht verantworten kann, will man ein Mindestmaß an Autonomie behalten. Wer über Erfahrungen mit den Aufsichtsbehörden und speziell der BaFin verfügt, weiß genau, dass durch die Ausweitung von deren Kompetenz nur Bürokratieminster, aber kein zusätzlicher Schutz geschaffen wird. Ich erinnere: Lehmann Broth., IKB, HSH Nordbank sind nur ein kleiner Auszug aus der Liste der vollüberwachten Marktakteuere. Anstatt zu erkennen, wo die systemischen Risiken herkommen, wird auf die kleinen Marktteilnehmer eingeschlagen, die vielleicht im Einzelfall riskante Produkte vermitteln, aber niemals ein Systemrisiko darstellen. Das Thema PROKON - in der Branche seit Jahren bekannt - ist kein Regulierungsproblem. Vielmehr ein triviales Problem einer fehlenden Fristenkongruenz in der Finanzierung.
    Im Übrigen waren Strukturvertriebe nie in den PROKON-Vertrieb involviert. Also bitte besser recherchieren!

  • Und auch von mir die Frage: welcher mündige Investor gibt einem Unternehmen seine gesamten Ersparnisse ohne ein Stimmrecht, ohne irgendeine Sicherheit? Die Genussrechte sind ohne einen Vertrieb direkt von Prokon verkauft worden.
    Es braucht keine Vermittler: weil Gier frist Hirn.
    Des weiteren sollte man auch mal genau auf den Werdegang dieser Insolvenzandrohung achten. Die Medien sind hier nicht unmassgeblich an der Entwicklung der Dinge bei Prokon verantwortlich.
    Und noch etwas, auch dieses Blatt hebt immer gern den Finger und schreit laut auf wenn ein Skandal zu vermarkten scheint. Auf aber genau dieser Seite schaltet es Werbung für wahrhaft dubiose Anlageprodukte.

  • Eine Anmerkung für die Redaktion:
    Das übliche Setup zu dem Thema: Warum hat der Anleger diese bösen Kapitalanlagen eigentlich gekauft, wäre doch: Provisionsgieriger Berater verkauft unternehmerisches Investment an 85jährige Rentnerin. Wer hat den armen Verbraucher denn hier verführt? Einen solchen Vertrieb über Banken und andere Finanzdienstleister hat hier nicht gegeben. Ich würde es wirklich sehr begrüßen, wenn Sie sich einmal mit dem Verhalten, den Motiven, der fehlenden Ausbildung von Verbrauchern in Fragen der Kapitalanlage beschäftigen.

  • Hallo CR_Cie,

    mir scheint hier wieder eine allgemeine Schelte vorzuliegen. Bei Bezeichnungen wie Struki-Buden frage ich mich, wird da auch nachgedacht, bevor so ein Begriff verwendet wird? Wo auf der Welt gibt es denn ein unstrukturiertes Unternehmen?
    Auf der anderen Seite: Wo bleibt denn die Selbstverantwortung der Anleger? Jeder will mündiger Bürger sein. Aber bitte ohne Verantwortung für das eigene Verhalten und die Entscheidungen. Da Bitteschön soll der Staat, sprich die Allgemeinheit die eigenen Fehler (Dummheit) bezahlen. Ja geht´s denn noch? Zensur und Regulierung, Entmündigung.....was passt noch in die Reihe?

  • Da wird wie immer alles über einen Kamm geschoren. Kapitalanlageprodukte werden verteufelt, umlagefähige Systeme in den Himmel gehoben und vermeintliche Rentenzuschüsse bei 35 oder 40jähriger sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung als erstklassige Leistung verkauft. Wie mein Vorredner schon sagte. Verlogene Politikerbande. Sippenhaftung für marode Banken und Staaten ist da kein Thema. Wo bleibt da der Verbraucherschutz! Oder ist wohl hier eher von Banken- und Lobbyisten - Schutz die Rede. Das kann alles nicht wahr sein.
    Renten- und/oder Lebensversicherungen führen direkt über den Weg der Inflation und niedrigen Erträgen bei hohen Kosten zu Verlusten. Da mault offenbar keiner. Wer höhere Erträge erzielen möchte, muss ein höheres Risiko eingehen. So einfach ist das. Und ich muss mich schon wundern, dass jedem dieser Anleger von Prokon die Mündigkeit abgesprochen wird, wenn gleichzeitig zu lesen ist, dass diese Anleger weiterhin ihr Kapital dort belassen und sogar nach investieren. Selbstheilende Wirkung und Regulierung. Denn nur die die Presse und Politik schlachtet wieder einmal alles zu ihren Gunsten aus und lässt die Anlagebranche wieder einmal schlecht aussehen, obwohl wir hier von Kunden sprechen, die durchaus bereit waren ein höheres Risiko einzugehen um eben auch höhere Erträge zu erzielen.

  • Die typisch deutsche Reaktion. Die Lust oder Gier an der Rendite von 8 %, die einen bei den Freunden als taffen Geldanleger mit grüner Ader auftrumpfen lässt, gepaart mit einem sensationellen Verdrängungsmechanismus, was die ganz natürlichen Risiken unternehmerischer Investitionen angeht - nur dafür gibt es aktuell 8 % p.a. Und die Pressevertreter kommen dann in diesen anderen, aber auch typischen Mechanismus: Wenn ich schon zu blöd bin eine erwachsene Entscheidung zu treffen, dann muss der Staat mich doch irgendwie vor meiner Dummheit schützen - Betrug, Betrug. Und das steht dann sogar noch in der Zeitung. Die Bundesregierung hatte 2013 im übrigen sehr aktiv darüber nachgedacht, die ganze Energiewende mit Genussrechten ab 500 EUR von privaten Haushalten finanzieren zu lassen und dies auch in diversen Medien diskutiert. Genussrechte beteiligen den Kapitalanleger am Ergebnis des Unternehmens, dem er die Gelder zur Verfügung stellt. Macht das Unternehmen Gewinne gibt es Erträge, macht das Unternehmen Verluste oder Konkurs, dann nicht. Finde ich ziemlich einfach zu verstehen.

  • Hat im BMJV schon einmal jemand Art. 32 des MiFIR-Entwurfs gelesen (etwa hier: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2011:0652:FIN:DE:PDF)?

  • Die Politik will...Konsequenzen ziehen. Da lachen ja die Hühner! Der Herr Staatsekretär hat nicht nur keine, sondern überhaupt gar keine Ahnung was für einen Unsinn er da verzapft... "die Finanzmarktstabilität gefährdet" was soll denn das? Das kann ein einzelnes Finanzprodukt gar nicht...und unverhältnismäßig hohe Risiken??? Beim Genußrecht kann maximal das eingesetzte Geld verloren gehen...das ist beim Lottospielen, wo der Staat kräftig abschöpft, regelmäßig der Fall. Bei Optionen oder GbR- Anteilen, die auch noch zum Nachschuss verpflichten, wenn der Einsatz weg ist, mag das Risiko unverhältnismäßig sein...aber da will man lieber eine Finanzmarkttransaktionssteuer einführen...und mitverdienen...ich kann nur sagen: verlogene Politiker-Bande.

  • Zuerst müssen wir mal die Zersplitterung der Regulierung und des Verbraucherschutzes in Deutschland im Finanzbereich aufheben und eine zentrale Regulierungsbehörde mit richtigen Zähnen schaffen. Wer schonmal versucht hat (wie ich) einem unlauteren Finanzvertrieb, der in Deutschland nicht zugelassene Produkte vertreibt, den Vertrieb untersagen zu lassen, der kann das Lied vom Buchbinder Wanninger mit mir singen. Gewerbeamt, IHK (§34 D und 34F GewO), BaFin - alle weisen mit dem Finger auf die Zuständigkeit der anderen. Und echte Strafen werden auch nicht verhängt, wie es die Britische FCA (früher FSA) oder die amerikanische SEC tun. Warum hat der AWD sehr früh sein tun in England wieder eingestellt - wegen einer Millionen-Strafe für Falschberatung bei Altersvorsorge. AWD und ähnliche Struki-Buden wäre auch bei uns schon lange vom Markt, wenn ihr Tun mit der nötigen Härte verfolgt und geahndet würde. So müssen sie nix fürchten, auch weiterhin.

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