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Nach Razzien Seehofer verbietet Rockergruppe Bandidos West Central

Die Kutten der Rocker sind laut Innenministerium nicht nur Kleidungsstücke. Die Aufnäher auf diesen würden auch Abzeichen – und damit Straftaten – symbolisieren.
12.07.2021 - 06:58 Uhr 2 Kommentare
Horst Seehofer verbietet Rockergruppe Bandidos West Central Quelle: Reuters
Horst Seehofer

Der Innenminister veröffentlichte die Verbotsverfügung am Montag in Abstimmung den zuständigen Ministerien.

(Foto: Reuters)

Berlin Die vor allem im Westen Deutschlands aktive Rockergruppe „Bandidos MC Federation West Central“ ist ab sofort verboten und aufgelöst. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) veröffentlichte die Verbotsverfügung am Montag in Abstimmung mit den Innenministern von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz, wie das Ministerium mitteilte.

In diesen vier Bundesländern sowie in Thüringen hatten fast 1800 Polizeibeamte Anfang Juli Vereinshäuser und Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppierung durchsucht. Dabei wurden unter anderem Waffen, Munition, Drogen, Motorräder, Speichermedien und größere Mengen Bargeld sichergestellt.

Die Ermittler gewannen durch die Auswertung der Funde außerdem zusätzlichen Einblick in die Struktur der Gruppierung. Mitgenommen wurden auch Westen mit Abzeichen, sogenannte Kutten.

Nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums geht es der Rockergruppe, die ihren Schwerpunkt in NRW hat, nicht, wie in den Statuten des Vereins behauptet, vor allem um gemeinsames Motorradfahren.

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Standort erkennen

    Zweck der „Bandidos MC Federation West Central“ und ihrer nun ebenfalls verbotenen Teilorganisationen sei es vielmehr, „einen territorialen und finanziellen Machtzuwachs innerhalb der Rockerszene anzustreben und entsprechende Ansprüche regelmäßig auch mit Gewalt, insbesondere gegenüber anderen Rockergruppierungen in seinem regionalen Einflussgebiet durchzusetzen“.

    Patches als Abzeichen

    So hatte etwa Anfang 2019 eine Schießerei in der Kölner Innenstadt für Entsetzen gesorgt. Der Schusswechsel war wohl Teil des Machtkampfes zwischen „Bandidos“ und Rockern von den „Hells Angels“.

    Dass Straftaten durch die „Bandidos MC Federation West Central“ nicht nur geduldet, sondern auch gefördert und belohnt wurden, lässt sich laut Bundesinnenministerium auch daran ablesen, „dass es verschiedene Aufnäher („Patches“) des Vereins gibt, die an Mitglieder verliehen werden, die Straftaten im Sinne des Vereins verübt haben“. Zu den verübten Straftaten zählten schwere Körperverletzung sowie versuchte und vollendete Tötungsdelikte.

    Das Ministerium verwies auf den Prozess vor dem Landgericht Hagen gegen mutmaßliche Führungsmitglieder der Gruppierung sowie gegen führende Mitglieder eines bereits verbotenen „Chapters“ der Bandidos aus Hagen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung.

    Die Rocker hatten in Nordrhein-Westfalen zuletzt versucht, sich juristisch gegen Verbotsverfügungen von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zur Wehr zu setzen. Nach den Durchsuchungen Anfang Juli waren auch in Hessen Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet worden.

    Laut Bundesinnenministerium wurde der „Bandidos MC“ 1966 im US-amerikanischen Texas gegründet und ist in Deutschland seit 1999 vertreten.

    Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Jahr ein verschärftes „Kuttenverbot“ für kriminelle Rocker bestätigt. Motorradclubs müssen es nach der Entscheidung hinnehmen, dass die Logos verbotener Gruppen nicht von anderen Rockern in leicht abgewandelter Form getragen werden dürfen. Die Karlsruher Richter wiesen drei Klagen gegen das 2017 verschärfte „Kuttenverbot“ ab.

    Mehr: Anna-Lena Hodenberg: „Digitale Gewalt ist die größte Gefahr für unsere Demokratie“

    • dpa
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    2 Kommentare zu "Nach Razzien: Seehofer verbietet Rockergruppe Bandidos West Central"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Und seine Amtskollegen in Wiesbaden haben auch alles in Hessen im Griff.

      PROBLEMVIERTEL IN FRANKFURT:
      Dealer, Schießereien und die besten Manti

      Das Frankfurter Allerheiligenviertel, zwischen Ostend und Innenstadt, steht seit Monaten in den Schlagzeilen. Ein Bandenkrieg setzt den Anwohnern zu. Doch das ist längst nicht das einzige Problem im Viertel.

      Keine Minute dauert es, bis der Erste einen anquatscht. Breitbeinig sitzt der Mann auf einem klapprigen Stuhl vor dem Dönerimbiss, die Maske unterm Kinn, das Smartphone im Schoß. „Alles klar?“, fragt er. Und dann gleich hinterher: „Brauchst du was?“

      Dass man im Allerheiligenviertel problemlos an weiche Drogen kommt, an Haschisch und Marihuana, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Und auch die Dealer machen keinen Hehl daraus, warum sie hier auf der Straße stehen. Ihren Geschäften können sie in der Handvoll Gassen zwischen Zeil und Battonnstraße, zwischen Konstablerwache und Langer Straße, ziemlich ungestört nachgehen.

      Und die Wahrheit ist: Es interessiert schon lange niemanden mehr. Wie gesagt niemanden.

    • Wer war denn da früher aktiv?

      Die Bandidos, Hell Angels, Boxclub Osmanen Frankfurt-Dreieich oder die ganzen Familienclans?

      Zumindest dauert es Jahrzehnte und man wartet in der Politik solange bis das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

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