Nach „spickmich.de“-Urteil Lehrerverband attackiert Bundesverfassungsgericht

Dass Lehrer es sich nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe gefallen lassen müssen, wenn sie im Internet von Schülern benotet werden, empört den Deutschen Lehrerverband. Verbandspräsident Kraus sprach von einer ärgerlichen Entscheidung zu Lasten der Pädagogen.
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Logo des Internetportals spickmich.de: Lehrerbeobachtung sorgt für Empörung. Quelle: dpa

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DÜSSELDORF. „Ich halte dieses Urteil nicht nur für ärgerlich, sondern auch für rechtlich höchst bedenklich“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online. „Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, dass das Bundesverfassungsgericht die Persönlichkeitsrechte von Lehrern einer aus der Anonymität heraus praktizierten Internet-Beurteilung von Lehrern durch Schüler unterordnet.“

Unverhältnismäßig sei auch, dass Lehrer zwar gegenüber ihren Schülern an „strengste Vorgaben“ des Persönlichkeits- und Datenschutzes gebunden seien und nicht die geringste Information über Schüler an Dritte oder gar an die Öffentlichkeit geben dürften, umgekehrt aber für Schüler nichts Entsprechendes gelte. „Im Übrigen ist es höchst fragwürdig, wenn Schülern qua Gerichtsurteil attestiert wird, sie könnten Urteile über Lehrer abgeben“, sagte Kraus. „Erfahrungsgemäß sind nämlich gerade jüngere Schüler aber gar nicht in der Lage, ihre Lehrer halbwegs objektiv einzuschätzen.“

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch die Verfassungsbeschwerde einer Lehrerin gegen die Internetseite spickmich.de abgewiesen. Die Pädagogin aus Nordrhein-Westfalen hatte versucht, ein zugunsten des Portals ergangenes Urteil des Bundesgerichtshofs anzufechten. Der BGH hatte im Juni 2009 die Lehrerbenotungen für zulässig erklärt, da sie weder schmähend noch beleidigend seien. Auf spickmich.de können registrierte Schüler ihre Lehrer nach verschiedenen Kriterien bewerten, wie etwa Fachkompetenz oder Humor. (AZ: 1 BvR 1750/09)

Kraus sagte dazu: „Für das Schulklima ist dieses Urteil nicht förderlich.“ Besser wäre es, wenn Schüler oder Klassen ihre Kritik an Lehrern im offenen Dialog vorbrächten. „Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Erziehung zur Zivilcourage“, sagte der Lehrerverbandspräsident. „Vergröberte und verengte Internet-Urteile über Lehrer sind, zumal solche Urteile beliebig manipulierbar sind, überhaupt nicht hilfreich.“

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13 Kommentare zu "Nach „spickmich.de“-Urteil: Lehrerverband attackiert Bundesverfassungsgericht"

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  • @ Dr. Mabuse (12)

    „..........dann ist es doch nicht mehr als recht und billig, wenn die betroffenen, nämlich die Schüler, die bewertung vollziehen.
    Wer ein guter Leherer ist, wird unterm Strich auch bestimmt gut bewertet werden. Und wem es nicht passt, der kann sich ja (leider) auf seinem beamtenstatus ausruhen.“

    Wer ist denn ein „guter Lehrer“ in den Augen der meisten Schüler? Hat in erster Linie nichts mit dem beamtenstatus zu tun.

    in den Augen der überwiegenden Zahl der Schüler und deren Eltern sind Lehrer, die gute Noten verteilen, die beliebtesten. Sie gehen damit allen Schwierigkeiten z.b. bei Elternabenden aus dem Weg. Die Masse ihrer Schüler bekommt befriedigend, wer gar nichts weiß ausreichend, die wirklich guten Schüler, die nicht nur auswendig lernen, sondern nachhaltig lernen und sich somit Wissen aneignen, werden über befriedigend diszipliniert und resignieren irgendwann. Diese Lehrer würden mit Sicherheit die Toplisten anführen. Diejenigen, die von Schülern den Stoff verlangen und Referate, die aus dem internet stammen schlecht bewerten, sind die unbeliebten, auch bei den Eltern, sie würden am Ende der bewertungsleiter stehen.

    Nebenbei, welche Motivation verlangen Sie von einem Lehrer, der seit 30 Jahren vor den Klassen steht und bestenfalls 3 von 24 Schülern im Unterricht erreicht? Die 3 sind die Schüler, die sich für den Unterricht interessieren, der Rest wärmt den Stuhl und lernt für jede Klausur auswendig, Wissen = 0.

  • Dass das Urteil einigen Lehrern nicht passt, mag sein. Dem Verbandspräsidenten Kraus steht es aber nicht zu, das höchstrichterliche Urteil zu kritisieren. Der Mann meint wohl, sr stünde mit seiner beamtenarroganz über dem Gericht.
    im überigen ist es ein offenes Geheimnis, dass gerade der beamtenstatus für die Qualität der Lehrer höchst kontraproduktiv ist. Deshalb werden wir auch im PiSA Vergleich nicht besser. Wenn schon Lehrer nicht objetiv bewertet und ggf. auch gekündigt werden kann, dann ist es doch nicht mehr als recht und billig, wenn die betroffenen, nämlich die Schüler, die bewertung vollziehen.
    Wer ein guter Leherer ist, wird unterm Strich auch bestimmt gut bewertet werden. Und wem es nicht passt, der kann sich ja (leider) auf seinem beamtenstatus ausruhen.
    ich finde, das Urteil geht absolut in Ordnung.

  • Diese beleidigte Attitüde der Lehrer zeigt vorallem, das sie es überhaupt nicht gewohnt sind kritisiert zu werden. Und Kritik haben Lehrer nicht zu fürchten weil Eltern sich nicht trauen Lehrer oder das System ´Schule´ zu kritisieren, denn damit gefährden die positive beurteilung ihrer Kinder. Das Pisa grüßen lässt ist auch eine Folge davon..

  • Das bundesverfassungsgericht hat missachtet, dass mindestens die beamteten Lehrer gegenueber ihren Dienstherren in einem besonderen Treueverhaeltnis stehen. Diesem Verhaeltnis entspricht eine eine korrespondierende Schutzpflicht der diese Lehrer beschaeftigenden Laender der bundesrepublik Deutschland, die das Gericht bei seiner Entscheidungsfindung nicht beachtet hat.

  • Also nach meinen Erfahrungen ist das gesamt urteil aus allen Schüler-urteilen Skalpell scharf gerecht! ehrlich, ich mach immerwieder feedback runden nach einigen Unterrichtsstunden und jeder Schüler darf mich, meinen unterricht usw. benoten und Vorschläge machen was er/sie sich wünscht oder noch braucht.
    ist obendrein eine sehr klare sache ob und was vom Stoff und dem unterrichtsstil angekommen ist. Und denn nicht weinen sondern einfach flexibel andere methoden medien usw wählen. Wichtig dabei ist aber : Die Schüler urteilen ihrem Gewissen verpflichtet und möglichst positiv formuliert.
    da haben alle spaß und bekommen was sie brauchen!

  • "Erfahrungsgemäß sind nämlich gerade jüngere Lehrer aber gar nicht in der Lage, ihre Schüler halbwegs objektiv einzuschätzen."

    Warum wollen Lehrer das nicht aushalten was sie den Schülern antun? Der Mensch ist subjektiv. Die Lehrer ziehen sich doch nur ein Deckmäntelchen der Objektivität an.

  • Das Urteil wirft ein schlechtes Licht auf unsere Justiz. Anonyme bewertungen ins Netz gestellt, egal über wen, schadet beiden bezugsparteien und zwar denen die sie einstellen, und denen die beurteilt werden. Zum Thema Schule: in jeder Schule gibt es Vertrauenslehrer, Klassensprecher, Elternbeirat. Sicherlich muss es möglich sein, Konflikte innerhalb der gegebenen Möglichkeiten auszuräumen. Das Lehrerstudium sollte mehr pädagogische Komponenten enthalten. Auf den Lehrern herumzuhacken genau wie auf Polizisten und Soldaten sollte der Vergangenheit angehören. Anerkennung und Wertschätzung der Gesellschaft lassen zu wünschen übrig. Schade!
    Nur zur info: ich gehöre keiner der genannten berufsgruppen an.

  • O. Engels

    Sollte wirlich einer das Portal Fair Play schaffen, - einb oeffenlich zugaengliche Gewissen fuer Gewissenlose.

    Vergessen Sie nicht die Gruppe der Gangster im schwarzen und weissen Frack!

    Anwaelte, Politiker, banker, behoerden, Aerzte, Unternehmer usw.

  • Welche Lebenserfahrungen haben Lehrer? Sind sie im Umgang mit Menschen geschult? Nein, sie haben, lediglich durch ihr Studium unterbrochen, die Seite in der Klasse gewechselt und machen zum großen Teil das nach, was ihnen ihre Lehrer vorgelebt haben. Zur Ehrenrettung sei gesagt, es gibt noch die Lehrer, die sich um Objektivität mühen, leider sind sei in der Minderheit und müssen sich in vielen Kollegien unverschämte Kritik gefallen lassen. Auswahlkriterien um Lehrer werden zu dürfen fehlen, denn die Mehrzahl der Lehrkräfte ist ein Fehlbesetzung zum Schaden der Kinder und der Zukunft dieses Landes.

  • Alle die sich über das Urteil aufregen haben entweder vergessen wie es in der Schule war und/oder sind selbst Lehrer.

    ich bin auch schon seit 30jahren aus der Schule raus. Und ich habe es nicht vergessen.

    Wer Probleme mit einem Lehrer offen ansprach kassierte wenn er Glück hatte nur bei diesem Lehrer eine schlechtere benotung. Wenn er Pech hatte wurde er als Aufmüpfig abgestempelt. Klar, die Lehrer sehen das natürlich anders und die Politik auch aber wer mal die Augen aufmacht sieht das es heute immer noch so ist.

    Auch heute noch sind die Kinder/Schüler den Lehrern hilflos ausgeliefert. Und es gibt kein verengteres Urteil als eine Sechs aufgrund von persönlicher Abneigung weil der Schüler es gewagt hat den Unterricht zu kritisieren oder den Lehrer zu verbessern.

    Und jetzt bekommen die Schüler mal die Möglichkeit zu kritisieren und zwar so das sie nicht sofort abgestraft werden - Sie bekommen die Möglichkeit das Recht auf Meinungsfreiheit zu nutzen - und ihnen soll es verboten werden?!

    Die Lehrer die zu viele schlechte Noten bekommen haben sollten die Kritik mal annehmen und nachdenken statt sich als Perfekt zu sehen.

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