Nach Sprengstoff-Fund in Chemnitz Terrorverdächtiger plante wohl Anschlag auf Berliner Flughafen

Der in Sachsen gefasste Terrorverdächtige hatte Kontakte zur Extremistenmiliz Islamischer Staat. Die Behörden werten seine Festnahme als großen Erfolg – obwohl sie erst im zweiten Anlauf glückte.
Update: 10.10.2016 - 21:32 Uhr 33 Kommentare

Der Schrecken ist vorbei - mutmaßlicher Terrorist gefasst

DresdenMit der Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen in Leipzig ist offenbar ein größerer Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland verhindert worden. Der 22-jährige Syrer Dschaber al-Bakr habe konkrete Pläne verfolgt und Vorbereitungen getroffen, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig am Montag. Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz wollte der Verdächtige wohl einen Flughafen in Berlin attackieren.

„Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Montag der ARD.

Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprächen für einen „IS-Kontext“, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes (LKA), Jörg Michaelis. Die sichergestellten 1,5 Kilogramm Sprengstoff sind wohl identisch mit dem, den IS-Terroristen in Frankreich und Belgien verwendet haben.

„Die Ermittlungen zeigen, dass solche Taten, wie wir sie in Frankreich und Belgien gesehen haben, auch in Deutschland nicht auszuschließen sind“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Es herrsche eine „unverändert hohe Bedrohungslage durch den internationalen Terrorismus“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss zur Terrorabwehr auch Gesetzesverschärfungen nicht aus. „Wir müssen alles Menschenmögliche tun, notfalls dann auch die Gesetze verändern, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.“

Wegen der besonderen Bedeutung des Falles übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Al-Bakr wird der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verdächtigt. Nach Verkündung des Haftbefehls durch einen Amtsrichter am Montag in Dresden befindet er sich in Untersuchungshaft.

Der 22-Jährige war in der Nacht in Leipzig festgenommen worden. Zwei Syrer hatten ihn nach eigenen Angaben in einer Wohnung im Nordosten der Stadt überwältigt, gefesselt und der Polizei übergeben. „Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen“, sagte einer von ihnen dem Sender RTL. „Wir haben ihm gesagt, du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei.“ Sein Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben. Daraufhin sei er mit einem Foto von Al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren. „Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht - gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat“, sagte Mohammed A.

Merkel dankte dem Syrer, dessen Hinweis zur Festnahme geführt habe. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) lobte ihn als „mutigen und verantwortungsbewussten“ Mitbürger.

Maaßen zufolge ging im September beim Verfassungsschutz ein Hinweis auf IS-Anschlagsplanungen gegen die Infrastruktur in Deutschland ein, am vergangenen Donnerstag sei es schließlich gelungen, Al-Bakr zu identifizieren. Bei der daraufhin eingeleiteten Observierung sei festgestellt worden, dass er Heißkleber gekauft habe. „Und unverzüglich haben wir dann alle Maßnahmen in Bewegung gesetzt, damit ein Zugriff erfolgte, weil wir davon ausgingen: Dies kann im Grunde genommen die letzte Chemikalie sein, die für ihn notwendig war, um eine Bombe herzustellen“, so Maaßen in der ARD.

Die Fahndung nach Al-Bakr hatte die Sicherheitsbehörden nach einem missglückten Zugriff am Samstagmorgen in Chemnitz das ganze Wochenende in Atem gehalten. Nach einem Hinweis der Bundesamtes für Verfassungsschutz sollte ein Spezialeinsatzkommando den Verdächtigen in einer Wohnung im Chemnitzer Stadtteil Kappel festnehmen. Das klappte aber nicht, ein verdächtiger Mann entkam trotz eines Warnschusses der Beamten. Ob es sich bei dem Mann um Al-Bakr handelte, sei noch unklar, so LKA-Chef Michaelis.

In der Wohnung fanden die Beamten 1,5 Kilogramm eines hochexplosiven Sprengstoffs. „Die vor Ort befindlichen Spezialisten des Landeskriminalamtes schlussfolgerten, dass es sich hierbei um TATP handeln könnte“, sagte Michaelis. „Diese Art würde dem verwendeten Sprengstoff bei den Attentaten von Paris und Brüssel entsprechen.“ Außerdem seien Metallteile wie Muttern und zwei Zünder entdeckt worden.

Der 33 Jahre alte Wohnungsmieter wurde als möglicher Komplize in Untersuchungshaft genommen. Den Angaben zufolge ist Khalil A. wie Al-Bakr als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, aber erst Ende November 2015. Im Juli sei er aus Nordrhein-Westfalen nach Sachsen gezogen, sagte Ulbig. Al-Bakr war im Februar 2015 über München nach Chemnitz gelangt, seit März lebte er im nordsächsischen Eilenburg.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Nach Sprengstoff-Fund in Chemnitz - Terrorverdächtiger plante wohl Anschlag auf Berliner Flughafen

33 Kommentare zu "Nach Sprengstoff-Fund in Chemnitz: Terrorverdächtiger plante wohl Anschlag auf Berliner Flughafen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

  • Die deutsche Erfahrung ist doch, dass die psychisch Geschädigten des 1. Weltkrieges, dann zugedröhnt und mystifiziert den 2. Weltkrieg vom Zaun gebrochen haben! Das brauch ich wirklich nicht nochmal!

    Wer war den das ?

  • Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

  • Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

    Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof.

  • Jeder Zugriff durch unsere Sicherheitsbehörden vor einem großen Knall ist ein Gottesgeschenk für die Kanzlerin. Aber man sieht hier mal wieder, der wichtigste und beste Kommissar heißt Kommisar Zufall.

  • @Ramseyer

    Das ist so einer der Punkte, wo mir extrem der Hut hochgeht. Deutschland und Europa hatte alle notwendigen Gesetze. Dann hebelt die Kanzlering die Gesetze aus (weil sie meint sie könne das) und dann entsteht das Chaos und dann werden hektisch die Gesetze oder Grundrechte geschliffen. Beispiel: sichere Herkunftsstaaten Nordafrika. Natürlich gibt es Dinge in Nordafrika, die Asylgrund sind. Wenn wir das Recht angewendet hätten, hätten wir das auch durchgehalten. Dann schreit Angie: kommt alle. Und plötzlich ist Nordafrika sicher..... Chaos!

  • @Caruso
    Wieso provozieren, er hat seine Meinung, ich meine, wir haben sie ausgetauscht.

    @Dresdnerin
    Sie pauschalisieren jetzt genauso wie die extreme Rechte, nur in die andere Richtung. Wenn sie 1 Mio aus 35 Mio nach über 5 Jahren brutalen Bürgerkrieg aufnehmen, bekommen Sie einfach ein statistisches Mittel dieser 35 Mio. Dann betrachten Sie bitte alle wissenschaftlichen Arbeiten zu Auswirkungen von Kriegen auf die Bevölkerung, und dann glaube ich können Sie das nicht mit Einzelfällen, die es überall gibt, gleichsetzen.
    Zudem: ich zweifle an, dass die Mehrheit der Menschen das will und möchte noch einmal auf meine Frage in Sachen Willkommenskultur hinweisen: mit eigenem Geld will das komischerweise keiner machen. Zudem sind die Menschen überhaupt nicht gefragt worden ob sie das wollen und das geltende Recht ist ausgesetzt worden. Insofern wackelt hier der Rechtsstaat und die Demokratie! Ein menschenwürdiges Dasein, wie wir es heute verstehen, ist immer das Ergebnis einer kulturellen Leistung der Gesellschaft. Das ist ein schwieriger Weg, aber das hat auch jede Kultur selbst zu leisten. Mal abgesehen davon, dass in diesem Sinne Kriegsflüchtlinge sehr gefährlich sind! Die deutsche Erfahrung ist doch, dass die psychisch Geschädigten des 1. Weltkrieges, dann zugedröhnt und mystifiziert den 2. Weltkrieg vom Zaun gebrochen haben! Das brauch ich wirklich nicht nochmal!

  • Die Kanzlerin aus Niger, zu dem gefasstem Terrorverdächtigem: "Wir müssen alles Menschenmögliche tun, notfalls dann auch die Gesetze verändern, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten."

    Bei allem Wohlwollen spricht hier doch sehr viel Naivität oder nennt man das in politischen Kreisen "Politik auf Sicht" ?

  • Warum sind seit Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich mehr Zuwanderer denn je gekommen?

    Frau Sabrina Dresdnerin

    Die FPÖ ist nicht in der Regierung.

  • Die Kanzlerin hat sich schon bei den Syrern bedankt die den Mut hatten zuzugreifen ! Der Rest war dann Routine für die Ordnungskräfte !

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%