Nach „Tarifpause“-Beschluss SPD und Grüne attackieren Karstadt-Investor Berggruen

Dass Karstadt mit einer Tarifpause Millionen an den Gehältern der Mitarbeiter sparen will, erzürnt die Politik. Insbesondere Investor Berggruen bekommt sein Fett ab. SPD und Grüne sehen jetzt die Bundesregierung am Zug.
16 Kommentare
Nicolas Berggruen. Quelle: dpa

Nicolas Berggruen.

(Foto: dpa)

BerlinDie vom Warenhauskonzern Karstadt angekündigte zweijährige „Tarifpause“ sorgt für massive Empörung in der Politik. Auf Kritik stößt vor allem Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Soziale Marktwirtschaft bedeute Tarifautonomie und Tarifbindung. „Wenn Karstadt hier jetzt ausschert, ist das verantwortungslos und unfair gegenüber der Belegschaft“, sagte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, Handelsblatt Online.

Stegner fordert von der Leyen, die sich einst massiv für Berggruen als Investor einsetzte, zum Handeln auf. „Frau von der Leyen ist gerade nach der Vorgeschichte in der Pflicht, zugunsten der Karstadt-Beschäftigten Flagge zu zeigen.“ Aber für die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gelte ja „sozial ist, was Arbeit schafft“. „Wir Sozialdemokraten sagen dagegen, sozial ist, was gute Arbeit schafft. Das ist der Unterschied.“

Dass die Beschäftigten des Warenhausriesen in der laufenden Tarifrunde nicht auf Lohnerhöhungen setzen können, teilte der Konzern am Montag mit. Karstadt lege eine „Tarifpause“ ein, „künftige Entwicklungen der Tarifverträge des Einzelhandels werden auf Arbeitsverhältnisse der Karstadt-Gruppe keinen Einfluss haben“, teilte der Konkurrent der Metro-Tochter Kaufhof mit. Alle bisher geltenden tariflichen Bestimmungen sollten aber in Kraft blieben. Der nun angekündigte Ausstieg aus der Tarifbindung sei für die „vollständige Gesundung“ des Unternehmens nötig, hieß es zur Begründung.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Entscheidung als einen „Skandal“. Es handele sich um eine weitere Fehlentscheidung des Karstadt-Managements, sagte eine Verdi-Sprecherin. Die Beschäftigten des Warenhauskonzerns hätten in der Vergangenheit bereits zahlreiche Belastungen auf sich genommen, um einen Beitrag zur Sanierung zu leisten.

Grüne: Berggruen outet sich als „knallharter“ Investor
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nach „Tarifpause“-Beschluss - SPD und Grüne attackieren Karstadt-Investor Berggruen

16 Kommentare zu "Nach „Tarifpause“-Beschluss: SPD und Grüne attackieren Karstadt-Investor Berggruen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wann kommt die LOHN-PAUSE ???

  • Ich habe natürlich keine Ahnung, wovon ich hier schreibe.

  • Wenn zwei Jahre auf Lohnsteigerungen verzichtet wird, alles andere aber bleibt, was ist daran o schlimm?
    Besser mal zwei Jahre keine Erhöhung, aber mein Arbeitsplatz bleibt.
    Und so eine Aussage von dieser Schröder-Köpf, dass sie nicht mehr dort einkaufe, zeigt doch, mit was für Kleinhirnen so manche behaftet sind
    Bessr wäre es doch wohl, jetzt erst recht dort einzukaufen, um den Laden wieder ans Laufen zu bringen und die Arbeitsplätze zu stärken
    Und vielleicht sollte so mancher mal übrlegen ob er denn unbedingt bei Zalondo oder Amazon kaufen muß, wo Hungerlöhne bezahlt werden.
    Diese Empörung jetzt ist auch viel Heuchelei

  • Ergänzung zu meinem Kommentar vom 15.05.2013, 05:59 Uhr:

    Der Arbeitsplatz ist also ein positives „Abfallprodukt“, das bei entsprechenden Betriebsgründungen anfällt. Es gibt keine wie auch immer geartete „moralische Verpflichtung“ einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, geschweige denn ihn um jeden Preis zu erhalten, wenn etwa der Fortbestand des Unternehmens gefährdet sein sollte.

  • Die Kritiker des Konsolidierungskurses von Karststadt-Investor Berggruen sind ja nicht dumm, nein…sie wollen nicht verstehen: ihre Ballonmützenideologie, ihre KPD-Wurzeln verhindern das seit mehr als hundert Jahren. In ihren früheren „Konsum“Einzelhandelsbetrieben herrschten für deren Angestellte eher vergleichsweise schlechte Arbeitsbedingungen und das Management war so dürftig, dass sie letztlich geschlossen werden mußten. Das hat unsere Gewerkschaftsführer nicht daran gehindert, mit ihrem Löuis Vuitton Koffer herumzurennen und Insidergeschäfte zu machen (Steinkühler!) Bei Opel Bochum hatten wir das gleiche Spiel: die gewerkschaftlich gesteuerte Verblendung der dortigen Betriebsräte hackte kurzentschlossen die Hand ab, die sie bislang gefüttert hatte. Ergebnis: der Laden wird jetzt früher dichtgemacht. Der Gründer eines Unternehmens stellt nicht Leute ein, weil er Arbeitsplätze schaffen will. Er stellt diese Leute ein, weil er die anfallende Arbeit nicht alleine bewältigen kann. Er schließt deshalb mit den in Frage kommenden Arbeitnehmern einen Vertrag, mithin ein zweiseitiges Willensgeschäft ab. Diese geschlossene Vereinbarung verpflichtet den Arbeitnehmer zu einer definierten Arbeitsleistung in einem festgelegten Bereich des Betriebes während eines klar umrissenen Zeitraums. Entfällt für einen der beiden Vertragspartner diese Geschäftsgrundlage teilweise oder ganz, dann werden sie sich trennen. Voraussetzung für die Kontinuität eines Arbeitsverhältnisses ist aber allemal und zuvorderst…dass der Laden läuft.

  • Langsam, langsam Leute. Karstadt hat nur mitgeteilt, das sie in schwierigen Zeiten die Löhne nicht erhöhen. Es bleibt also der Status Quo erhalten, was in der heutigen Zeit im Handel schon garnicht mal schlecht ist.

    Wir leben nunmal im Zeitalter von Discountern und Internet. Dort werden teilweise wesentlich schlechtere Löhne gezahlt als bei Karstadt.

    Also alle mal den Ball flach halten.

  • Vielleicht würde es mehr helfen, wenn SPD und Grüne mal bei Karstadt einkaufen würden? Gesehen bei Karstadt, gekauft bei Amazon - oh Gott, man ist ja so genial!

  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Bei amazon bestell ich jedenfalls nix!

  • Dieses scheinheilige Pack von SPD und Grünen spucken immer große Töne und dann war`s. Siehe Opel Bochum.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%