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Nach Thomas-Cook-Pleite Verbraucherschützer fordern Absicherungsfonds für Reiseveranstalter-Pleiten

Die Bundesregierung will Pauschalurlauber besser vor Pleiten ihrer Reiseveranstalter schützen. Verbraucherschützer empfehlen einen Auffangfonds nach dem Vorbild Dänemarks.
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Das Traditionsunternehmen hat vor gut einem Monat Insolvenz angemeldet und den Betrieb sofort eingestellt. Quelle: AFP
Thomas Cook

Das Traditionsunternehmen hat vor gut einem Monat Insolvenz angemeldet und den Betrieb sofort eingestellt.

(Foto: AFP)

Berlin Nach der Insolvenz von Thomas Cook werden Forderungen nach stärkeren Sicherungsnetzen laut, um Pauschalurlauber besser vor Kosten durch abgesagte Reisen zu schützen. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) brachte die Idee eines neuen Auffangfonds für Insolvenzschäden ins Spiel.

Für den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) gehen die Überlegungen in die richtige Richtung. Allerdings legen die Verbraucherschützer Wert darauf, dass dann insbesondere die Reiseveranstalter in die Pflicht genommen werden und nicht die Reisenden.

„Ein Fondsmodell, wie es beispielsweise in Dänemark praktiziert wird, kann eine gute Absicherung bieten“, sagte die Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim VZBV, Marion Jungbluth, dem Handelsblatt. In Dänemark sei ein sogenannter „Reisegarantiefonds“ gesetzlich vorgeschrieben. Pro verkaufte Pauschalreise werde ein bestimmter Betrag in einen Fonds eingezahlt, erläuterte Jungbluth.

Die Summe sei vom Reiseveranstalter zu entrichten. Die Reisenden hingegen „sollten nicht vor die Entscheidung gestellt werden, darüber entscheiden zu müssen, ob und in welcher Höhe sie sich gegen die Insolvenz des Reiseveranstalters versichern“, betonte die VZBV-Expertin. „Dazu fehlen ihnen schlicht die notwendigen Informationen, welche Reiseveranstalter eine gute oder schlechte Bonität besitzen.“ Auch bei Thomas Cook seien die Reisenden von der plötzlichen Insolvenz überrascht worden. „Zudem“, so Jungbluth, „sieht die Pauschalreiserichtlinie hier die Reiseveranstalter klar in der Verantwortung.“

Lambrecht sprach in der „Bild“-Zeitung von verschiedenen Ideen, die geprüft würden, etwa eine Kombination aus Versicherung und Fonds. „In einem solchen System würden sowohl Reiseveranstalter als auch Kunden einen geringen Betrag in einen Fonds einzahlen, der im Insolvenzfall in Anspruch genommen werden kann.“ Ein Fonds könnte Lücken bei Insolvenzschäden schließen, über die Ausgestaltung werde noch gesprochen. Man arbeite daran, „in den nächsten Wochen eine Lösung zu finden“. Ein neuer Fonds werde aber Geld kosten, sagte Lambrecht. Es sei mit „geringen Preisaufschlägen“ für Reisende zu rechnen.

Neuregelung noch in diesem Jahr?

Anders als Individualtouristen sind Pauschalurlauber versichert, wenn ihr Reiseveranstalter pleitegeht und die gebuchten Ferien ausfallen. Doch im Fall des Branchenriesen Thomas Cook zeigen sich die Grenzen der gesetzlichen Sicherung. Nach der Insolvenz der deutschen Thomas Cook, zu der Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen gehören, sollen Kunden ab Dezember eine Entschädigung erhalten. Doch fest steht schon jetzt, dass viele Verbraucher auf Kosten sitzenbleiben werden.

So wurde nach jüngsten Angaben des Versicherers Zurich Deutschland schon ein Schaden von 250 Millionen Euro gemeldet, Thomas Cook war aber nur bis zur gesetzlichen Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro versichert. Wie viel Geld Kunden erhalten, ist laut Zurich noch unklar, da die Höhe der Gesamtschadenssumme noch nicht feststeht.

Die Justizminister der Länder forderten am Donnerstag die Bundesregierung auf, eine höhere Haftungsobergrenze bei Insolvenzen zu prüfen. Die Begrenzung auf 110 Millionen Euro pro Geschäftsjahr sei „nicht mehr zeitgemäß“, heißt es in einem Beschluss, den die Minister bei ihrer Herbstkonferenz in Berlin verabschiedeten. Nach Abschluss der Prüfung solle die Bundesregierung „alsbald“ erforderliche gesetzgeberische Schritte einleiten.

Der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk, erklärte, eine ausreichende Insolvenzabsicherung bei Pauschalreisen sei „mehr als überfällig“. Schon 2016 habe das Bundesland bei der Umsetzung der entsprechenden EU-Pauschalreiserichtlinie die Bundesregierung um Prüfung einer genügenden Sicherung gebeten. „Leider müssen erst zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher wegen der Insolvenz eines Reiseveranstalters wirtschaftliche Nachteile hinnehmen, bevor die Bundesjustizministerin jetzt endlich handelt“, sagte Hauk.

Lambrecht verteidigte in der „Bild“ die geltende Haftungsgrenze. Als die EU-Richtlinie umgesetzt worden sei, habe man nicht absehen können, „dass es tatsächlich zu einem Schadensfall dieser Dimension kommen wird“, sagte sie mit Blick auf Thomas Cook.

Die VZBV-Expertin Jungbluth forderte nun von der Bundesregierung, rasch die gesetzlichen Grundlagen für einen Absicherungsfonds zu schaffen. Lambrecht müsse „auf jeden Fall noch in diesem Jahr einen Referentenentwurf für eine bessere, richtlinienkonforme Kundengeldabsicherung vorlegen“, sagte Jungbluth. „Dabei muss hinreichend Sorge getragen werden, dass die vorausgezahlten Kundengelder und die Kosten der Rückreise wirksam abgesichert werden müssen.“

Mehr: Der Schweizer Versicherer Zurich will Thomas-Cook-Urlaubern maximal 110 Millionen Euro erstatten. Damit drohen Betroffene auf einem Großteil ihres Schadens sitzenzubleiben.

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