Nahles rekrutiert EU-Azubis Ab nach Deutschland

Es gibt zu wenig Azubis, also wirbt Deutschland um Nachwuchs aus den Krisenländern. Die Berufseinsteiger sollen ihr Wissen später in die Heimat zurücktragen. Doch das Modell hat Schattenseiten. Zwei Auswanderer erzählen.
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Wegen der schlechten Wirtschaft kommen viele junge Menschen aus EU-Ländern für eine Ausbildung in die Bundesrepublik. Quelle: Getty Images
Alleine in Deutschland

Wegen der schlechten Wirtschaft kommen viele junge Menschen aus EU-Ländern für eine Ausbildung in die Bundesrepublik.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfMagda* hat einiges vorzuweisen. Sie ist bilingual aufgewachsen, hat erfolgreich deutsch-spanisches Dolmetschen studiert. Sie ist erst 23, ehrgeizig und bereit, hart zu arbeiten. Beste Voraussetzungen also, um einen guten Job zu finden. Eigentlich. Aber Magda kommt aus Spanien, dem Land, in dem fast jeder zweite junge Erwachsene derzeit keine Arbeit findet.

Wie so viele ihrer Generation sah sie keine andere Chance, als ihre Heimat, ihre Freunde, ihre Familie zu verlassen. Sie wanderte aus nach Deutschland und macht nun nach ihrem Studium in Spanien in der Fremde eine Ausbildung zur Hotelkauffrau. Sie fing im vergangenen Jahr mit 22 an einem Punkt an, an dem in Deutschland üblicherweise die 16- oder 17-Jährigen einsteigen. Ihr Bruder arbeitet ebenfalls in Deutschland, er ist erst 19.

Die Chancen hier seien für sie viel besser als in Spanien, glaubt Magda. Mit dieser Überzeugung ist sie nicht allein. Die Bundesregierung versucht aus der Not an Jobs in den Krisenländern wie Spanien, Griechenland oder Portugal und den vielen unbesetzten Ausbildungsstellen hierzulande eine Tugend zu machen.

Um den Fachkräftemangel im eigenen Land abzufedern und die Zahl der Azubis zu erhöhen, holt sie mit Hilfe verschiedener Programme ausländische junge Menschen nach Deutschland. „Wir brauchen junge Fachkräfte. Vor allem die, die in Deutschland bleiben“, sagt eine Sprecherin von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) in Bonn. Dem demographischen Wandel zum Trotz.

Magda ist Teil dieser Strategie. Sie nimmt an einem der Förderprojekte teil, die die Bundesregierung deshalb aus der Taufe gehoben hat. Durch die Initiative „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa“, kurz MobiPro-EU, erhalten Schul- und Universitätsabgänger zwischen 18 und 27 aus EU-Ländern seit 2013 staatliche Unterstützung, wenn sie in Deutschland eine Ausbildung machen.

Im vergangenen Jahr sind mit dem Projekt fast 8000 Jugendliche nach Deutschland gekommen, zwei Drittel davon waren Spanier. So wie Magda konzentrieren sich viele auf das Berufsfeld Tourismus, inklusive Gastronomie und Co.

Nur aus sechs anderen EU-Ländern kamen mehr junge Arbeitssuchende nach Deutschland. Der Grund für die hohe Einwanderungsrate aus ihrem Land sei die wirtschaftliche Krise, glaub Magda: „Viele Jugendliche fühlen sich gezwungen, nach ihrem Studium ins Ausland zu gehen, vor allem nach Deutschland oder England“, sagt sie. Die Arbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen in Spanien lag Ende 2014 bei 53,5 Prozent. Insgesamt sind knapp 5,5 Millionen Menschen arbeitslos.

Schirmherrin der „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa“ ist Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Sie stand für ein Interview mit Handelsblatt Online zum Thema nicht zu Verfügung, ließ ihren Pressesprecher aber per E-Mail mitteilen: „MobiPro-EU soll jungen Menschen aus ganz Europa eine Chance auf eine gute betriebliche Berufsausbildung in Deutschland geben und hinsichtlich der Fachkräftegewinnung den Unternehmen den grenzüberschreitenden europäischen Ausbildungsmarkt näherbringen.“

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11 Kommentare zu "Nahles rekrutiert EU-Azubis: Ab nach Deutschland"

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  • Was soll diese „Wir retten die Welt Anwerbeaktion“?
    In D gibt es genügend junge Menschen, die verzweifelt einen Ausbildungsplatz suchen und keinen finden, weil deutsche Unternehmer und Handwerksbetriebe die Kosten dieser Ausbildung scheuen und lieber anderen überlassen. Statt dessen jammern diese Firmen darüber, daß sie keinen Fachnachwuchs haben und den jetzt im Ausland finden müssen. Leider kommt dieser „Fachnachwuchs“ aus dem Nahen Osten und Afrika, hat keinerlei Qualifikation und ist zudem auch noch kulturfremd.
    Vermutlich gibt es für die aus dem EU-Ausland kommenden Auszubildenden kräftige Zuschüsse aus der EU- und deutschen Steuerkasse und dann scheint es sich auch für deutsche Firmen zu lohnen, junge Menschen auszubilden. Allerdings ohne Nachhaltigkeit, denn wenn die Ausgebildeten wieder in ihre Herkunftsländer zurückgehen, haben die Firmen wieder keinen Fachnachwuchs. Also, was soll das?

    Die Schule betreffend ist im Laufe mehrerer Jahrzehnte ein Bildungsdefizit entstanden. War zu meiner Zeit die Volksschule die Quelle für handwerklichen Nachwuchs, muß der heutige Bewerber schon fast Abitur vorweisen, um klarzustellen, daß er den Dreisatz und die Prozentrechnung beherrscht. Die Abregelung des schulischen Leistungsniveaus zu Gunsten bestimmter Zuwanderergruppen wird weiter fortgesetzt und hat diesem Land bisher nur geschadet.

  • Wie so viele ihrer Generation sah sie keine andere Chance, als ihre Heimat, ihre Freunde, ihre Familie zu verlassen. Sie wanderte aus nach Deutschland und macht nun nach ihrem Studium in Spanien in der Fremde eine Ausbildung zur Hotelkauffrau. Bei diesen Sätzen sind mir jetzt aber die Tränen gekommen. Wie können wir verhindern, dass mir bei solchen Berichten die Tränen kommen - denn das habe ich bei aller Bescheidenheit nicht nötig, in Tränen zu verfallen, wenn es anderen so schlecht geht.

  • Lustig!
    Aha "wir" bilden ausländische Azubis aus (i.d.R. kostet dies Unternehmen Geld ... aber egal), die dann wieder nach Abschluss der Lehre "nach Hause" gehen ... äh ja und wo ist der Vorteil?
    Weiter ... ich glaube es gibt genügend Jugendliche in Deutschland, die einen Ausbildungsplatz suchen ... jajaja nicht so gut gebildet usw. usw.
    ist doch ich würde sagen Bull Shit! Meine beiden Söhne haben die Realschule gemacht und einer ist nun im 3ten Lehrjahr zum Elektriker für Automatisierungstechnik und "mein Kleiner" hat mit Glück (gerade 16) eine Ausbildung zum Groß- & Außenhandelskaufmann begonnen.
    Und es gab sehr sehr viele Bewerber bei den Tests und Gesprächen und in der überwiegenden Zahl Abiturienten!
    Ich glaube wir brauchen keine EU-Azubis.
    Was wir aber bestimmt brauchen sind bessere Lehrer auch in der Berufsschule! Lehrer sollen lehren und nicht der "total weichgespülte Kumpel, Ausdiskutierer, unorganisierte und nicht-durchsetzungsfähiger Laberhannes" sein - sorry es gibt wirklich Ausnahmen und ganz tolle Leherer allerdings habe ich nur 2 davon kennengelernt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • lustig.

    Jahrelang wurde unseren Jugendlichen gepredigt, nur Abi und Studium taugt was. Und nun wundert man sich, das diese Jugendlichen keinen Bock auf Lehre haben? Als wenn man vor 10 Jahren noch nicht gewußt hätte, dass Doktoranden nun mal die Abflüße von Toiletten nicht reparieren.

    Warten wir doch noch mal 10 - 20 Jahre ab. Dann wird eine Handwerkerstunde mehr als eine Architektenstunde kosten. Angebot und Nachfrage!

  • Das ist mal wieder deutsche Grün-Sozialistische Heuchelei gegenüber den anderen europäischen Staaten. Kein Betrieb in Deutschland bildet Menschen aus, damit diese später zur Kokurrenz oder anderen Firmen im Ausland zurückkehren.

  • Dass Deutschland ausländischen Azubis zusätzliche Unterstützung zahlt, finde ich aber ok, schließlich haben die es schwieriger als Einheimische und kommen aus Krisenstaaten. Zudem haben es Ausländer oft auch viel schwerer bei der Suche nach einer günstigen Wohnung.

  • Galt doch eigentlich immer als "cool" oder noch früher als Teil des Erwachsen werdens ("Wanderjahre"), mal im Ausland zu arbeiten. Jetzt heißt es, eine 23jährige verlässt Familie, Freunde, Heimat..und das soll dann wohl eine Tragödie sein... Nebenbei: Heute ist es so einfach wie noch nie, mit dem Zuhause im Kontakt zu bleiben..

  • Ich freue mich für diese Jugendlichen und wünsche Ihnen alles Gute. Trotzdem soll das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Problemursachen (Eurokrise, Arbeitslosigkeit im Süden) bekämpft werden müssen und dass ein "Brain Drain" zu Ungunsten der (wie Deutschland) kinderarmen Herkunftsländer neue Ungleichgewichte hervorbringt.
    Aus meiner Sicht muss Deutschland den Spagat schaffen, den perspektivlosen Jugendlichen Südeuropas einerseits gute Angebote zu machen (um hier zu leben, eine Ausbildung anzufangen, zu arbeiten...), anderseits den Heimatländern aber damit nicht mittelfristig zu schaden. Das ist glaube ich nicht einfach.

  • Dieser Artike ist sehr interessant, stellt er doch gleich mehrere Dogmen der deutschen Politik mehr als in Frage. Und selbst die ausländischen Gastarbeiter wundern sich über soviel "Selbstlosigkeit" der deutschen Politik ihrem eigenen Nachwuchs gegenüber! Es zeigt sich deutlich, europäische Zusammenarbeit macht Sinn, aber eine europäische Identität ist ideologischer Bullshit! Claudia Roth, bitte jetzt laut und hysterisch aufschreien ...

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