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Nationaler Bildungsbericht Der Trend zu Abitur und Studium ebbt ab

Endet der Akademisierungswahn in Deutschland? Die Zahl der inländischen Studienanfänger ist stabil, doch die Abiturquote sinkt, wie der Nationale Bildungsbericht zeigt.
23.06.2020 - 11:11 Uhr Kommentieren
Die Zahl der inländischen Studienanfänger liegt seit 2010 ziemlich stabil bei rund 400.000. Quelle: dpa
Hörsaal in Mannheim

Die Zahl der inländischen Studienanfänger liegt seit 2010 ziemlich stabil bei rund 400.000.

(Foto: dpa)

Berlin Viele Jahre lang schien der Drang nach höherer Bildung in Deutschland quasi unaufhörlich zu wachsen: Immer mehr Schüler strebten das Abitur an, immer mehr Schulabgänger versuchten sich an einem Studium.

Doch nun „stößt der Trend offenbar an seine Grenzen“, sagte der Chef des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF), Kai Maaz, bei der Vorstellung des jüngsten Nationalen Bildungsberichts.

Der von Bund und Ländern geförderte, alle zwei Jahre erscheinende Report zeigt anhand statistischer Daten Entwicklungen und Trends aus allen Bereichen des Bildungssystems von der Kita bis zur Hochschule und Erwachsenenbildung auf. Diese stellt er in einen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen, sozialen und demografischen Entwicklung im Land.

Der Trend stößt dem Bericht zufolge nicht nur an seine Grenzen, in einigen Bereichen mache sich sogar ein Rückgang bemerkbar: Die Abitur- und Fachhochschulreife-Quote ist von ihrem Höchststand von 53 Prozent auf zuletzt 50 Prozent gesunken. 

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    Der Anteil der Kinder, die nach der Grundschule aufs Gymnasium wechseln, hat sich bei 43 Prozent eingependelt. Weitere 30 Prozent der Schüler besuchen Gemeinschaftsschulen, an denen mehrere Abschlüsse möglich sind. 

    „Da scheint es eine zwangsläufige Grenze zu geben, und das ist auch gut so – es können nicht alle besser als der Durchschnitt sein“, kommentierte Maaz, der auch Sprecher der Autorengruppe ist. Die Entwicklung spiegele „womöglich eine gewisse Erdung der Gesellschaft“.

    Maaz zeigte sich zugleich erfreut, dass die Durchlässigkeit des Gesamtsystems erheblich gewachsen sei: Während früher mit der Übergangsentscheidung nach der Grundschule der weitere Weg meist vorgezeichnet war, gebe es heute eine „weit größere Mobilität“ für die Schüler – in der Regel nach oben, weil viele erst in späteren Jahren durchstarten.

    „Die größere Durchlässigkeit ermöglichen vor allem die vielen Schulen mit mehreren Bildungsgängen, an denen man also alle Abschlüsse bis zum Abitur machen kann“, so Maaz. 

    Hilfreich seien zudem in späteren Jahren auch die Berufsschulen, auf denen immer mehr Abschlüsse nachgeholt werden. Allein 2018 konnten dort 52.000 Schüler einen Hauptschulabschluss nachholen. 58.000 junge Leute holten auf der Berufsschule sogar ihr Abitur nach. 

    Zahl der Fachhochschüler gestiegen

    Die Zahl der inländischen Studienanfänger liegt seit 2010 ziemlich stabil bei rund 400.000. Der Anteil der Fachhochschüler ist auf 43 Prozent gestiegen. Zudem beginnen heute 3,5 Prozent der Erstsemester das Studium ohne ein klassisches Abi oder Fachabi, weil sie mittlerweile auch mit einer Berufsausbildung plus Berufspraxis studieren dürfen. Zur Jahrtausendwende war dies mit 0,4 Prozent noch die absolute Ausnahme. 

    Die Entwicklung ist jedoch nicht in allen Bereichen positiv: Die Quote derer, die es in der Schule nicht einmal bis zu einem Hauptschulabschluss schaffen, ist auf 6,8 Prozent gestiegen. Bis 2014 war diese Ausfallquote auf 5,8 Prozent gesunken. 

    „Um die Bildungsungerechtigkeit, die gerade jetzt in der Coronakrise so offensichtlich geworden ist, abzubauen, brauchen wir aber nicht nur eine bessere Bildung, sondern auch bessere sozialpolitische Instrumente“, forderte Maaz. „Denn vieles, was in der Schule geschafft wird, können die Familien nicht angemessen aufgreifen, und die Lehrer fangen nach dem Wochenende und den Ferien wieder von vorn an. Das ist ein Sprengsatz für die nächsten Jahre.“

    Dafür sei auch dringend der weitere Ausbau der Ganztagsschulen nötig, mahnt der Bericht. Sie gelten als besonders hilfreich, um Kinder zu fördern, deren Eltern dazu nicht in der Lage sind. „Die Corona-Pandemie zeigt nicht nur, welch hohen Stellenwert Kitas und Schulen für die Sozialisierung haben, sondern vielmehr, wie wichtig der Bereich der Familie jenseits der öffentlichen Bildung ist“, so Bildungsexperte Maaz. 

    Bisher gibt es für insgesamt elf Millionen Schüler nur 1,45 Millionen Ganztagsplätze. Der Zusatzbedarf bis 2025 wird aktuell auf 785.000 Plätze geschätzt. Dann soll der Rechtsanspruch auf eine tägliche achtstündige Ganztagsbetreuung in der Grundschule in Kraft treten. 

    Der Bildungsbericht mahnt die Politik zudem dringend, ernst zu machen mit der Digitalisierung der Schulen. Doch es gehe nicht nur um die fehlende Ausstattung und die mangelnden pädagogischen Kenntnisse, wie digitale Medien richtig eingesetzt werden können. „Bislang fehlt es an einer überzeugenden und abgestimmten Strategie für die Bildung in einer digitalisierten Welt“, sagte Maaz.

    Es sei enorm wichtig, „den Einsatz digitaler Medien in den Bildungsinstitutionen und -kontexten anwendungsorientierter und strukturierter zu erforschen“ und das dann schnell in die Praxis zu bringen. 

    Mehr: Coronakrise sorgt bei Unternehmen für Forschungseinbruch.

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