Nein-Sager gegen Seehofer Griechenland treibt Keil in die CSU

Enge Mitstreiter von CSU-Chef Seehofer stellen sich gegen Griechenland und bekommen dafür von ihm einen herben Rüffel verpasst. An der Parteibasis kommt das nicht gut an. Im konservativen Flügel rumort es gewaltig.
21 Kommentare
CSU-Chef Seehofer rüffelt die parteiinternen Griechenland-Kritiker - und provoziert damit konservative Christsoziale. Quelle: Reuters
Horst Seehofer.

CSU-Chef Seehofer rüffelt die parteiinternen Griechenland-Kritiker - und provoziert damit konservative Christsoziale.

(Foto: Reuters)

BerlinAngela Merkel und Horst Seehofer drohen im Reformstreit der Euro-Zone mit Griechenland die eigenen Truppen von der Fahne zu gehen. Vor allem die CSU-Abgeordneten im Bundestag wollen der griechischen Regierung keinen Millimeter mehr entgegenkommen.

Mit der Drohung „Ihr oder ich“ setzte CSU-Chef Seehofer nun diese Woche zwei seiner Stellvertreter die Pistole auf die Brust: Peter Gauweiler und Peter Ramsauer hatten Ende Februar mit acht weiteren CSU-Abgeordneten im Bundestag gegen die Verlängerung der Reformfrist um vier Monate gestimmt - und Seehofer damit bei Merkel im Regen stehen lassen.

Seehofers Attacken stoßen in der Partei teilweise auf großes Unverständnis. „Vollkommen unverständlich ist die überzogene Kritik an Peter Gauweiler und Peter Ramsauer, und dies nur, weil Gauweiler und Ramsauer, mit ihrem Votum gegen die irrsinnige Fortführung der Griechenland-Rettung, wirtschafts- und  finanzpolitische Vernunft und Kompetenz sowie Charakterfestigkeit bewiesen haben“, sagte David Bendels, Vize-Sprecher des Konservativen Aufbruchs in der CSU, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Die CSU könne derzeit keine derartigen Personaldebatten gebrauchen, betonte Bendels. „Diese Personaldebatten, insbesondere in dieser kindischen Form, sind verantwortungslos und schaden unserer CSU massiv. Es muss um Inhalte gehen, nicht um Köpfe“, sagte der CSU-Politiker. Bendels forderte die Parteiführung auf, unter verstärkter Einbindung der Basis inhaltliche Debatten zu führen. „Was wir in der Partei nun endlich brauchen, das sind substanzielle, kontroverse und faire Diskussionen über Inhalte, über unsere konkreten Ziele und Vorhaben, über unser Profil, unsere Werte, Grundsätze und Überzeugungen“, sagte er. Die CSU-Parteizentrale lehnte eine Kommentar dazu ab.

Besonders ärgerlich für Seehofer ist, dass die Nein-Sager in der CSU durchaus Gewicht haben: Neben Ramsauer und Gauweiler haben auch zwei Vize-Vorsitzende der Landesgruppe mit Nein gestimmt: Hans Michelbach und Stephan Stracke. In der Partei heißt es, endgültig auf der Palme gewesen sei Seehofer dann nach einem Gastbeitrag Ramsauers in „Bild“, in dem der Ex-Verkehrsminister den Befürwortern der Griechenland-Hilfen indirekt Verrat am Wählerwillen vorwarf.

„Ich werde auch in Zukunft dagegen stimmen“
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nein-Sager gegen Seehofer - Griechenland treibt Keil in die CSU

21 Kommentare zu "Nein-Sager gegen Seehofer: Griechenland treibt Keil in die CSU"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Zitat der CSU: "Es muss um Inhalte gehen..." Seit wann geht es in der CSU um Inhalte? Ausgerechnet Ramsauer, der nun wahrlich nichts, aber auch nullkommagarnichts inhaltlich als Bundesverkehrsminister erreicht hat, bekommt jetzt in der Bildzeitung sein Maul auf? Einfach lächerlich und erbärmlich, wie die gesamte CSU!

  • Der einzigste, der für einen Politiker mal einen erfrischend klaren Verstand auch nach außen transporiert, ist der österreichische Finanzminister Dr. Schelling, der dem Spuk um die Hypo Alpe Adria ein Ende gesetzt hat und mal eben die Reißleine gezogen hat. Schäuble war bestimmt heimlich neidisch über soviel Courage. Seehofer sieht im Streit mit Öesterreich auffallend blaß aus. Dr. Söder telefoniert hektisch, erreicht aber nix. Außerdem ist Seehofer eh nur noch ein Auslaufmodell. Merkel richtet sich nach der Mehrheit. Da die Mehrheit langsam kippt, kippt Merkel auch bald, wollen wir wetten ? Die Medien haben bei diesem einträglichen Thema den Finger in der Wunde und walzen es genüsslich aus , so dass es auch dem letzten verschlafenen Zeitungsleser so richtig auf die Nerven geht... :-)

  • Warum setzen wir als Wähler Seehofer nicht unter Druck?

    Er war die längste Zeit Ministerpräsident von Bayern gewesen, da er 2017 nicht mehr antreten wird. Deshalb ist es im vielleicht auch wurscht.
    Aber wir schützen dadurch, in dem wir ihn unter Druck setzen, verantwortungsbewusste und nur ihrem Gewissen verantwortliche Abgeordnete.

    Das Gleiche gilt auch für Merkel.

  • Seehofer sollte sich lieber Fragen, ob er bei der Griechenlandfrage oder beim Kernkraftausstiegsentschluss auf der RICHTIGEN Seite steht...Beides wird Bayern extrem teuer zu stehen kommen. Da ist die Hypo Alpe Adria ein Kindergarten dagegen.

  • Ja das ist doch das mindeste was man von den Rumänen und Bulgaren erwarten kann, dass sie ein paar von ihren ohnehin karg bemessenen Lebensmittelmarken abgeben, weil der Grieche gerade seinen neuen Daimler vollgetankt hat und er fürs Essen nichts mehr übrig hat

  • Seit wann dürfen Parlamentarier nicht mehr frei abstimmen, vor allen Dingen bei solch wichtigen Fragen. Der Euro ist eine Weichwährung geworden. Rentner, Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen werden durch die ungebremste Geldflut des am Rande der Legalität agierenden Herrn Draghi schleichend enteignet. Steuerzahler haften für die Sanierung von Banken; die kleine Grieche hat davon nichts abbekommen. Der Euro macht Europa kaputt, und ich sage das mit Bedauern. Egal ob Maastricht, Schengen oder Dublin alle Verträge wurden gebrochen, Versprechen - der Euro ist so hart wie die DM - nicht eingehalten. Und da werden Parlamentarier von Herrn Seehofer gedeckelt; aber ja, er hat die Weisheit mit Schaumlöffeln gefressen. Und wo bleibt die 4. Gewalt, unsere Qualitätsmedien? Wo wird der Betrug auch Betrug genannt? Alles in allem kann man nur hoffen, dass noch Parlamentarier Rückgrat beweisen und diesem bösen Spiel ein Ende bereiten.

  • HB:

    Merkt das HB nicht, dass er sich jetzt schon jeden Tag einen anderen Namen gibt oder geben muss? Oder wird dieser Troll vom HB eingesetzt? Was ich mir bei Gabor Steingart allerdings nicht vorstellen kann.

  • @Gregor Birkenboom

    alias Weissenfels und folgende, lassen Sie uns hier mit Ihren Schreibereien in Ruhe, schreiben Sie doch mal über Melkmaschinen.

  • Unterschiedliche Produktivität in verschiedenen Ländern der EU wurde früher über Wechselkurskorrekturen ausgeglichen. Jetzt haben wir den Euro, den ich grundsätzlich als Fortschritt empfinde und deshalb nicht in Frage stellen möchte. Doch das Instrument des Wechselkurses gibt es nun nicht mehr. Welche Formen des Ausgleiches haben wir jetzt? Denn es ist doch klar, daß die Unterschiede in der Produktivitätsentwicklung innerhalb Europas durch den Euro nicht nivelliert wurden. Deutschland ist dabei intern doch selbst wie ein kleines Europa. Wir haben hier den Länderfinanzausgleich, der zwar auch immer wieder zu Ruckeleien führt, im Ganzen aber funktioniert, weil es einen einheitlichen politischen Rahmen gibt. Also muß man mal öffentlich die Frage stellen, wollen wir einen einheitlichen politischen Rahmen in Europa, der ganz selbstverständlich in die oft bornierten und egoistisch querstehenden Landesinteressen hineinregieren müßte. Das bedeutet, daß fehlende Reformen von einzelnen Staaten durch Gesamtbeschluß herbeigeführt werden müßten. Oder, wenn wir zwar Europa aber nicht diesen regulierenden Rahmen wollen, welchen finanziellen Ausgleichsmechanismus finden wir, der die Funktion der Wechselkurse ersetzt und damit die Produktivitätsunterschiede reguliert. Liebes Handelsblatt, bitte mal die Frage stellen, was übernimmt die Funktion der Wechselkurse, wenn wir den Euro haben?

  • "überzeugender"

    Anscheinend bin ich jedenfalls so überzeugend, dass Sie mir gegenüber persönlich werden müssen. LOL

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%