Neue Fraktionsspitze Personalrochade bei den Grünen

Die grüne Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae gibt ihr Amt als Vize-Vorsitzende der Fraktion ab. Als Kandidaten für ihre Nachfolge stehen nach Informationen des Handelsblatts zwei Grüne vom linken Flügel bereit.
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Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen will den Platz für Jüngere frei machen. Quelle: dpa

Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen will den Platz für Jüngere frei machen.

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BerlinNach Informationen des Handelsblatts kandidiert die bisherige wettbewerbspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Katharina Dröge, für die Nachfolge von Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae, die ihren Rückzug angekündigt hat. „Ich trete an für einen inhaltlichen Aufbruch bei den Grünen“, sagte Dröge dem Handelsblatt. Das sei immer Teamarbeit, betonte sie. Mit dem Amt verbunden ist der Vorsitz des einflussreichen Arbeitskreises Wirtschaft, Finanzen, Soziales der Grünen-Fraktion.

Dröge ist nicht die einzige Kandidatin. Antreten will auch der profilierte Finanzpolitiker der Grünen, Gerhard Schick. „Ja, ich habe Interesse im Bereich Wirtschaft/Soziales/Finanzen in der Fraktion Verantwortung zu übernehmen“, bestätigte der bisherige finanzpolitischer Sprecher entsprechende Gerüchte gegenüber dem Handelsblatt. Auch Schick betonte den Zusammenhalt. „Wir haben uns in den letzten Jahren manchmal gegenseitig blockiert bei Themen wie Steuern oder Grundeinkommen. Ich glaube, wir können da gemeinsam spannende innovative Antworten finden“, so Schick. Daran habe er Lust zu arbeiten.

Mir den zwei Kandidaturen deutet sich ein Richtungswechsel an. Denn Vorgängerin Kerstin Andreae gehört zu den Super-Realos der Grünen. Sie, die einst auf Fritz Kuhn folgte, macht Platz, „damit auch andere die Chance haben, Erfahrung in dieser Leitungsfunktion zu sammeln“, sagte sie dem Handelsblatt. „Wir brauchen eine Neuerung und das ist mein Beitrag.“

Dröge will die Digitalwirtschaft stärker in den Blick nehmen. „Wir müssen ernst machen bei der Regulierung von Internetgiganten wie Google – für Datenschutz und fairen Wettbewerb“, sagte sie dem Handelsblatt. Deutschlands Klima- und Umweltpolitik sei ein Standortvorteil für Deutschland und damit auch eine Perspektive für Jobs. „Wir müssen Lösungen dafür entwickeln, dass einige zu viel arbeiten, während andere sich von einem unsicheren Job zum nächsten hangeln“. Dröge sprach sich dafür aus, dass die Grünen der Ort sind, wo die gesellschaftlich spannenden Debatten geführt werden.

Die Diplom-Volkswirtin zählt zum linken Flügel der Grünen und fiel in der Vergangenheit unter anderem durch ihre Kritik am damaligen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei der Ministererlaubnis im Fall Kaiser’s Tengelmann und Edeka auf. Beim Freihandelsabkommen TTIP hatte sich die 33-Jährige für mehr Transparenz bei den Verhandlungen eingesetzt. Zuletzt hatte sie den Einsatz der Bundesregierung für Lufthansa als Käufer von Air Berlin scharf kritisiert.

Als Nachfolgerin von Andreae wären Dröge oder Schick auch für die Leitung des Arbeitskreises 1 zuständig, zu dem Wirtschaft, Finanzen und Soziales gehört. "Wir haben uns in den letzten Jahren manchmal gegenseitig blockiert bei Themen wie Steuern oder Grundeinkommen. Ich glaube, wir koennen da gemeinsam spannende innovative Antworten finden. Daran habe ich Lust zu arbeiten.

Andreae, die zuletzt bei der Bundestagswahl das bundesweit beste Ergebnis bei den Zweitstimmen für die Grünen holte, will sich nun auf die „ökologische Wirtschaftspolitik“ fokussieren: weiterhin als wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion und am liebsten auch als Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Bundestages. „Das wäre cool“, sagt die Reala aus Freiburg lachend und räumt zugleich ein, dass es für die Grünen schwierig wird, diesen Ausschuss zu erobern. Generell sieht die Mutter dreier Kinder aber in der Wirtschaftspolitik „viele Chancen für uns Grüne – und jemand muss sich der FDP ja entgegen stellen“.

Die Entscheidung über die Vizefraktionschefs und die Sprecherposten fällt jedoch frühestens Mitte Januar, wenn klar ist, welche Ausschüsse der neue Bundestag haben wird. Lediglich die Fraktionschefs werden am 11./12. Januar auf einer Fraktionsklausur bestimmt – voraussichtlich wieder Katrin Göring-Eckardt und Toni Hofreiter.

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  • Na ja - da kann man sagen - Schlimmer geht immer.. ein Schelm der Böses dabei denkt -

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