Neue Regelung Altersvorsorge soll Pflicht werden

Selbstständige sollen bald gezwungen werden, für das Alter vorzusorgen. Die Maßnahme gehört zum Regierungspaket gegen Altersarmut. Im Mai soll das Kabinett entscheiden.
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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Selbstständige zur Altersvorsorge zwingen. Quelle: dapd

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Selbstständige zur Altersvorsorge zwingen.

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BerlinBundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will von Mitte nächsten Jahres an Selbstständige zur Altersvorsorge zwingen. Damit soll auch in Deutschland nach dem Vorbild vieler anderer Länder die Absicherung fürs Alter obligatorisch werden. Das Vorhaben ist Teil des Paketes gegen Altersarmut, zu dem von der Leyen an diesem Donnerstag einen Gesetzentwurf zur Abstimmung mit den anderen Ressorts vorlegen will. Im Mai soll das Kabinett darüber entscheiden.

Nach den vorliegenden Eckpunkten für eine Altersvorsorgepflicht Selbstständiger sollen diese die Wahl haben, in welcher Form sie sich absichern: durch Lebensversicherungen, eine private oder die gesetzliche Rentenversicherung oder eine Rürup-Rente. Bei nicht ausreichender Absicherung sollen die Betroffenen automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden.

Als ausreichende Vorsorge gilt den Eckpunkten zufolge eine Absicherung oberhalb der Grundsicherung im Alter. Diese staatliche Leistung beläuft sich derzeit im Bundesdurchschnitt auf knapp 700 Euro im Monat. Die dafür nötigen Zahlungen bei 45 Beitragsjahren werden mit monatlich 250 bis 300 Euro plus 100 Euro für den Schutz vor Erwerbsminderung angegeben.

Nach Expertenschätzung gibt es in Deutschland rund drei Millionen Selbstständige, die keinen verpflichtenden Alterssicherungssystemen angehören. Wie deren Altersvorsorge aussieht, ist unbekannt. Da nur eine Minderheit von Selbstständigen bislang zur Altersabsicherung verpflichtet sei, berge dies „die Gefahr eines erhöhten Armutsrisikos von Selbstständigen im Alter, sofern diese nicht rechtzeitig und ausreichend Vorsorge betreiben“, heißt es im Papier.

Derzeit sind gut zehn Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland selbstständig. Das sind 4,3 Millionen. Davon haben 2,4 Millionen als „Solo-Selbstständige“ nur einen Auftraggeber. Sie sind meist nur unzureichend sozial abgesichert. 350.000 Freiberufler wie Ärzte und Rechtsanwälte sind in berufsständischen Versorgungswerken, knapp 600.000 Selbstständige sind in der gesetzlichen Rentenversicherung, etwa 170.000 Bauern in landwirtschaftlichen Alterskassen.

Die geplante Regelung soll für alle Selbstständigen gelten, die bei Inkrafttreten des Gesetzes jünger als 30 Jahre sind oder erst dann eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen. Für Selbstständige zwischen 30 und 50 Jahren sind abgeschwächte Regeln vorgesehen. Über 50-Jährige sollen von der Versicherungspflicht befreit sein - ebenso Selbstständige, die weniger als 400 Euro im Monat verdienen. Bei der neuen Vorsorgepflicht sollten die Selbstständigen „die größtmögliche Freiheit“ haben.

  • dpa
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17 Kommentare zu "Neue Regelung: Altersvorsorge soll für Selbstständige Pflicht werden"

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  • Wie soll das Ganze funktionieren?
    Der 20-jährige kommt mit 200€ monatlich vielleicht auf eine garantierte Rente von 700€ mit 67...aber wie soll das der 50-jährige Selbständige schaffen? Er müsste 600€ monatlich einzahlen!?!
    Und inwiefern spielt Eigentum dabei eine Rolle ...?
    Es gibt Leute die finanzieren mit zB 800€ Ihre Immobilie und diese dient für sie als Altersvorsorge. Sollen diese Menschen trotzdem noch zusätzlich 400€ pro Monat für die "Pflichtaltersvorsorge" wegpacken??

  • ja selbstständig und nach der meißt selbstverschuldeden Pleite Grundrente haben wolen?? Ja zur Pflicht für Selbstständige oder im alter aus dem Müll essen lassen.

  • Das Schlägt dem Faß den Boden aus. Der Selbstständige hat wie der Name sagt Selbst und ständig zu handeln. Das betrifft alle Bereiche des Lebens. Hier geht es doch nur darum dem Staat wieder eine ganze Masse Geld in den Allerwertesten zu blasen. Die Lebensversicherung wird wie jeder weiss entsprechend besteuert. Zinsen gibt es auf den Anlagemodellen so wenig dass diese nicht einmal den Werterhalt des eingezahlten Betrages abdecken. Das ist eine weitere Staatsabzocke im Großen Stiel. Diese Parteien kann man echt nicht mehr wählen. Das Modell der Rente hat wirklich entgültig ausgedient. Menschen ob nun selbstständig oder nicht zahlen Ihr Leben lang in solche Modelle ein. Wer verdient ist der Staat, der das Geld schön vorher ausgiebt, die Banken die das Kapital nach anderen EU Staaten versendet bzw. anlegt und damit guten Profit macht. Wenn dann mal was schiefgeht gibt es Hilfspakete die auch wieder der Steuerzahler zahlen soll. Damit die Reichen reich bleiben. Wer will denn mit diesen Voraussetzungen in Deutschland überhaupt noch Selbständig sein. Hier werden einem nur noch Knüppel zwischen die Beine geworfen.

  • Ein Beispiel: Ich bin 26 und verdiene als Freier Redakteur ~800 im Monat. Das deckt ungefähr meine Ausgaben ab. In manchen Monaten gibt es mehr Geld, da es größere Aufträge gibt.

    Und jetzt kommt Frau von der Leyen und will von diesem 800 Euro 400 Euro für diee Rentenversicherung.

    Natürlich ist die Altersvorsorge wichtig. Aber wie soll man das bewältigen wenn man am Anfang seiner Selbsständigkeit steht und sich erst etwas aufbauen muss?

    Wenn Frau von der Leyen am Ende dafür verantwortlich ist dass ich meinen Traumberuf nicht mehr ausüben kann, gehe ich aber auf die Barrikaden.

    Ich denke das wird vielen Selbstständigen so gehen

    Und bei 45 Beitragsjahren darf man dann mit 71 in Rente gehen, Hurra.

  • Wenn das kommt, wage ich die Prognose, dass mindestens 500.000 Selbständige (ergänzendes)Hartz4 beantragen werden. Wenn man Familie mit Kinder hat lebt es sich damit leichter. Von der Freizeit die man hat, einmal abgesehen. Dann noch ein paar Hundert EURO schwarz. Was will man mehr.
    Liebe junge Leute,die beabsichtigen sich selbständig zu machen: Wandert aus, das hier ist Sozialismus.
    Im Ausland ist eure Leistung noch gefragt.

  • .... Ohne Worte!

  • Ich finde den ganzen ganz sinnvoll wenn,

    die gute Frau von der Leyen einfach mal so nett wäre darzulegen, wie viel DM bzw. € seit beginn der Rentenkassen einbezahlt und wie viel bis heute tatsächlich für RENTENZAHLUNGEN ausgegeben wurden.

    Zudem wäre interessant wie Hoch die Zahl der Hartz IV oder Rente beziehenden Selbständigen ist.
    ich bin selbständig und habe mich durch Immobilienbesitz (Miete) abgesichert. Diese Einnahmen (aus meiner Absicherung/Rente) darf ich heute schon versteuern (das ist toll).

    Natürlich möchte ich hier nichts generalisieren und somit würde es mir ausreichen einfach nur Beweise anstatt von Worten zu bekommen.

    FAZIT: Beweise das es ein Problem ist und dann schlage eine vernünftige Lösung vor.

  • Nach der Kürzung beim Existenzgründungszuschuß ein weiterer Schritt, der zeigt, dass kleine Selbständige von der Bundesregierung nicht erwünscht sind. Wer nicht genug verdient um sich die zusätzlichen 250-400 Euro für die Altersvorsorge leisten zu können, muss Hartz IV beantragen.
    Es wird für junge Unternehmer immer schwerer sich selbsttändig zu machen! Gerade in den ersten Jahren wird jeder Euro gebraucht und viele bestreiten den Lebensunterhalt anfangs eh schon aus Ersparnissen bis der "Laden läuft". Es wird sehr vielen Jungunternehmern finanziell das "Kreuz brechen" wenn sie von Anfang an zur Altersvorsorge zwangsverpflichtet werden.
    Die grossen Firmen hingegen betrifft die praktisch nicht. Und die Versicherungen freuen sich nach der "Riester Rente" auf die nächste staatlich verordnete Finanzspritze!

  • ach herrgott. ihr selbstständigen könnt ruhig auch mal ein wenig was für die rente tun. schließlich gibts auch taugenichtse unter euch, die den staat nur schröpfen, erst fürdergelder abkassieren und später insolvent werden mit staatsknetenhaftung. und wenn dann die nichtsnutze alt sind, gibts ja hartz IV, obwohl fast nie in ein sozialsystem einbezahlt wurde. diese seite wird aber nie beleuchtet, so wie ich das hier sehe.

  • Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Herren Lafontaine, Gabriel, Sommer und Konsorten mit "Selbständige müssen auch ihren Beitrag leisten". Und ich dachte immer, die Unsummen, die ich da jeden Monat an den Fiskus abführe, sind mein Beitrag. Gott, bin ich naiv!

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