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Neue Rentenzahlen Warum ein niedriger Verdienst nicht zwangsläufig Altersarmut bedeutet

Elf Millionen Arbeitnehmer verdienen zu wenig, um im Alter nur mit der gesetzlichen Rente über die Runden zu kommen. Doch sie werden nicht unbedingt alle arm sein.
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Aktuell sind etwa drei Prozent der Rentner auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen – in Zukunft werden es wohl mehr. Quelle: dpa
Arm im Alter

Aktuell sind etwa drei Prozent der Rentner auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen – in Zukunft werden es wohl mehr.

(Foto: dpa)

BerlinEs war Horst Seehofer, der vor drei Jahren die Bürger aufschreckte. „Etwa die Hälfte der Bevölkerung“ werde im Alter wohl in der Sozialhilfe landen, warnte der damalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident.

Seehofer berief sich dabei auf Recherchen des WDR, denen zufolge jedem zweiten Deutschen Altersarmut drohe. Erst nachdem Rentenexperten diese düstere Prophezeiung als „Unfug“ bezeichnet und die Methode kritisiert hatten, ruderte der frühere Sozialpolitiker zurück.

Die Episode zeigt, dass man nicht vorsichtig genug sein kann, wenn es um die Ängste der Bürger geht. Das gilt aktuell auch für die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion, über die zuerst das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ und die „Bild“-Zeitung berichtet hatten.

Immer mehr Deutsche fragten sich, ob das Geld im Alter reiche, schrieb die Boulevardzeitung: „Für mehr als elf Millionen Arbeitnehmer lautet die Antwort: Zumindest die gesetzliche Rente reicht nicht!“

Das stimmt so aber nicht. Richtig ist: 11,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte verdienen heute weniger als 24.289 Euro im Jahr beziehungsweise 2.024 Euro im Monat. Arbeiten sie 45 Jahre lang zu diesem Verdienst, dann reicht ihre Rente im Alter nicht, um über die staatliche Grundsicherung zu kommen. Diese lag im Jahr 2017 – inklusive der Kosten für Miete und Heizung – im Schnitt bei 814 Euro.

Allerdings schreibt die „Bild“ selbst: „Die Zahlen geben kaum Hinweise auf tatsächliche Altersarmut.“ Denn eine ganze Reihe von Faktoren wird nicht berücksichtigt.

Zum einen ist nicht gesagt, dass Geringverdiener immer Geringverdiener bleiben. So sind unter den gut elf Millionen Arbeitnehmern unter dem Grenzwert auch Berufseinsteiger, deren Jahresgehalt im Laufe des Erwerbslebens voraussichtlich steigen wird. Auch ein Jobwechsel kann zu einem höheren Verdienst führen.

Zudem sind unter den Geringverdienern viele Teilzeitkräfte. Auch ihnen droht aber nicht zwangsläufig Altersarmut, etwa weil sie mit einem Partner zusammenleben, der gut verdient. Zusammen kommt das Paar so womöglich auf eine üppige Rente.

Nicht berücksichtigt ist zudem die ergänzende Vorsorge durch Betriebs- oder Riesterrenten. Seit der Rentenreform von 2001 gewährleistet die gesetzliche Rente allein nicht mehr den Lebensstandard.

Aktuell sind etwa drei Prozent der Rentner auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen. Einiges spricht aber dafür, dass die Altersarmut künftig zunehmen wird.

So ist etwa die Quote der Single-Haushalte in Deutschland mit rund 41 Prozent überdurchschnittlich hoch. Wer auf sich allein gestellt ist, Vollzeit arbeitet und nicht zusätzlich fürs Alter vorsorgt, muss schon rund 12,60 Euro in der Stunde verdienen, um als Rentner nicht auf staatliche Stütze angewiesen zu sein. So erklärt sich die Forderung der Gewerkschaften und der SPD, beim gesetzlichen Mindestlohn möglichst rasch die Schwelle von zwölf Euro zu überspringen.

Zudem zeigt die Antwort der Bundesregierung auf die AfD-Anfrage: Die Zahl der Beschäftigten, die zu wenig verdienen, um eine auskömmliche Rente zu erhalten, ist in den Jahren 2010 bis 2017 etwa doppelt so stark gestiegen wie die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten insgesamt.

Aktuell können sich die rund 21 Millionen Ruheständler in Deutschland aber über kräftig steigende Altersbezüge freuen. So hat das Bundeskabinett diese Woche eine Anhebung der Renten zum 1. Juli um 3,18 Prozent im Westen und 3,91 Prozent im Osten beschlossen.

Eine monatliche Rente von 1.000 Euro, die nur auf West-Beträgen beruht, erhöht sich dadurch um 31,80 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 39,10 Euro.

Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung erhielten Männer im Westen 2017 – nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung – im Durchschnitt 996, Frauen 667 Euro Rente. In Ostdeutschland waren es 968 Euro für Männer und 904 Euro für Frauen. In den Zahlen zeigt sich die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen in der DDR im Vergleich zur Bundesrepublik.

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1 Kommentar zu "Neue Rentenzahlen: Warum ein niedriger Verdienst nicht zwangsläufig Altersarmut bedeutet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wichtig wäre doch ein Vergleich mit Österreich, dort kann eine Kassiererin mit einem niedrigen Einkommen im Erwerbsleben eine gute gesetzliche Rente erwarten.
    Eine Kassiererin in Deutschland MUSS MIT ALTERSARMUT RECHNEN.

    Deutschland ist geprägt von sozialen Leistungen für ganz Europa und mit Hilfen für die ganze Welt - ich glaube, dass man die "einfachen Menschen" in Deutschland vernachlässigt.
    Da Deutschland die höchste Steuerquote hat und kaum in Infrastruktur und Schulen investiert, sollte doch genug Geld auch für eine vernünftige Rente vorhanden sein.

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