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Neue Studie Chance oder Risiko? So gehen Steuerberater mit der Digitalisierung um

Die Digitalisierung ändert das Geschäftsmodell von Steuerberatern – und befeuert den Wettbewerb. Einzelkanzleien müssen fürchten, den Anschluss zu verlieren.
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Für Steuerberater bringt die Digitalisierung Chancen. Quelle: Iconica/Getty Images
Beratungsgespräch

Für Steuerberater bringt die Digitalisierung Chancen.

(Foto: Iconica/Getty Images)

Berlin Die Digitalisierung ist aus Sicht nahezu jedes Steuerberaters virulent. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung im Auftrag der Bundessteuerberaterkammer (BStBK), die dem Handelsblatt vorliegt. Aus Sicht der Kanzleiinhaber stellt die Digitalisierung eine Investition in die Zukunft dar, von der sie dann auch steigende Gewinne erwarten.

Demnach sehen sich knapp 70 Prozent der Sozietäten und Steuerberatungsgesellschaften bereits (bestens) auf diese Entwicklung vorbereitet. Einzelkanzleien haben allerdings noch Nachholbedarf. Hier sieht sich nur die Hälfte entsprechend auf anstehende Herausforderungen vorbereitet.

In der Zunft der Steuerberater hatten in der Vergangenheit Prognosen für Unruhe gesorgt, die das Ende des Berufstands voraussagten. So kam die Oxford-Studie „The Future of Employment“ zumindest für die USA zu dem Schluss, dass steuerberatende Tätigkeiten in Zukunft durch Automatisierung wegfallen könnten.

„Die größten Chancen, die die befragten Kanzleien mit der Digitalisierung verbinden, liegen in möglichen Effizienzgewinnen – sei es bei der Abwicklung interner Geschäftsprozesse oder beim digitalen Austausch mit externen Partnern“, heißt es in der Sonderauswertung des Statistischen Berichtssystems für Steuerberater (STAX) aus vergangenem Jahr. Nach 2012 und 2015 fand die Befragung der Steuerberater nun zum dritten Mal statt.

Ähnlich bedeutsam ist es für Steuerberater, zu jeder Zeit und an jedem Ort auf Daten zugreifen zu können. Nicht zuletzt, um Homeoffice für Mitarbeiter realisieren zu können. Über die Hälfte der Sozietäten und Steuerberatungsgesellschaften sehen in der strukturierten Auswertung von Mandantendaten für zusätzliche Dienstleistungen eine Geschäftschance.

Es gibt noch Potenzial

Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass vor allem „deklaratorische“ Tätigkeiten wie Steuererklärungen und Jahresabschlüsse durch den Einsatz neuer Technologien entfallen werden. Diese seien aufgrund ihres hohen Standardisierungsgrads besonders gut dafür geeignet, automatisiert zu werden. 2015 war diese Einschätzung noch weit weniger verbreitet.

„Damit geht eine Verschiebung innerhalb des Tätigkeitsspektrums hin zu wissensintensiven Tätigkeiten einher“, heißt es in der Studie. Dies habe letztlich einen geringeren Bedarf an Mitarbeitern zur Folge, die lediglich Routinetätigkeiten ausführen. Einige Zahlen aus der Studie zeigen jedoch, dass gerade die Einzelkanzleien bei der Digitalisierung noch zulegen müssen. Hier verfügt nur die Hälfte überhaupt über einen Internetauftritt. 2012 waren es sogar nur 42 Prozent.

Vor allem in Einzelkanzleien wird demnach auch die Auffassung vertreten, dass die Digitalisierung keine besonderen Chancen birgt. „Damit besteht für dies Kanzleien die Gefahr, ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden, denn die Nachfrage der Mandanten nach digitalen Lösungen nimmt zu“, heißt es in der Studie. Für diese Kanzleien werde sich der Markt zunehmend verkleinern, vor allem aber würden sie im Preiswettbewerb immer weniger mithalten können, wenn andere Steuerberater die digitalen Technologien zur Prozessoptimierung einsetzten.

Aber auch bei Sozietäten und Steuerberatungsgesellschaften gibt es noch Potenzial. Hier stehen ebenfalls einige noch ohne Internetauftritt da. Mit 88 Prozent ist der Großteil allerdings Online vertreten. Knapp ein Drittel nimmt die Möglichkeit wahr, sich über soziale Netzwerke wie Facebook mit einer eher jüngeren Klientel auszutauschen, neue Mandanten zu gewinnen und ihre Position auf dem Markt zu stärken.

Laut Studie liegt eine wesentliche Anwendungsmöglichkeit von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für die steuerberatenden Berufe darin, Prozesse und Verwaltungsvorgänge effizienter zu gestalten. Schon jetzt werden demnach digitale Kontoauszüge, die Abfrage des Elektronischen Steuerkontos, der Einsatz einer Vollmachtsdatenbank sowie die Nutzung von Dokumentenscannern und des digitalen Steuerbescheid-Rücktransfers am häufigsten genutzt.

Positive Bilanz

Auch hier haben Einzelkanzleien jedoch einen „deutlichen Rückstand“ gegenüber den Sozietäten. Das liege daran, dass viele IT-Lösungen den Einzelkämpfern noch nicht als lohnend erscheinen. Steuerberater, die ihren Standort in kleineren Orten haben, klagen zudem über unzureichende Breitbandgeschwindigkeit.

Insgesamt wird laut Studie die Digitalisierung der Steuerberaterkanzleien jedoch nicht durch fehlende Finanzierungsmöglichkeiten gebremst. Als größte Herausforderungen gelten vielmehr der organisatorische Aufwand für die Kanzlei sowie der hohe IT-Weiterbildungsbedarf der Belegschaft. Auch die Sorge um Daten und Rechtssicherheit hemmt die Zunft, „basiert das Geschäftsmodell von Steuerberatern doch im Wesentlichen auf sensiblen Mandantendaten“, wie es in der Studie heißt.

„Durch die Digitalisierung verändern sich Arbeitsprozesse und die Anforderungsprofile der Steuerberater und ihrer Mitarbeiter“, resümiert die Studie. „Wer seine Kanzlei heutzutage stärker digital ausrichtet, tut dies nicht, um Personalkosten einzusparen“, sagte der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Raoul Riedlinger, dem Handelsblatt. „Dies entspräche auch nicht dem aktuellen Trend, wonach Kanzleien nach möglichst individuellen Lösungen suchen, um Bewerbern attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten.“

Laut Statistik bereitet allerdings die Besetzung von Stellen für Steuerfachangestellte am häufigsten Probleme. Mit großem Abstand folgen Stellen für Steuerfachwirte und Auszubildende. Als Grund wurde das Fehlen geeigneter Bewerber genannt. Insgesamt zeigt sich BStBK-Präsident Riedlinger jedoch zufrieden mit der Situation der Steuerberater: „Mehr als 90 Prozent der Sozietäten und über 80 Prozent der Einzelkanzleien blicken positiv in die Zukunft. Dem Berufsstand geht es gut und er erwartet steigende Umsätze.“

Mehr: So unterscheidet sich der Stundensatz der Selbstständigen von dem der Festangestellten.

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