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Neue Studie Der Anteil von Frauen im Top-Management stagniert

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen auf Führungsetagen unterrepräsentiert sind. Frauenverbände sind alarmiert und rufen nach neuen Gesetzen.
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Noch immer sind Frauen im Top-Management privatwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland unterrepräsentiert. Quelle: Stone/Getty Images
Führungsetage

Noch immer sind Frauen im Top-Management privatwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland unterrepräsentiert.

(Foto: Stone/Getty Images)

Berlin Das Ziel müsse Parität sein, „Parität überall“, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) jüngst beim Festakt zu 100 Jahren Frauenwahlrecht. Nur eine gerechte Gesellschaft sei auch zukunftsfähig, und dafür sei es zentral, dass Frauen und Männer gleichberechtigt seien.

In ihrem Koalitionsvertrag versprachen Union und SPD: „Wir wollen noch vorhandene strukturelle Hemmnisse abbauen und werden dazu eine ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie entwickeln und mit einem Aktionsplan umsetzen“.

Und seit 2016 gilt das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen, das erstmals eine Quote von 30 Prozent für Frauen in Aufsichtsräten von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen gesetzlich festgelegt. Zudem müssen die Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten verbindlicher Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Vorständen und obersten Managementebenen festlegen.

Doch in der Realität tut sich faktisch nichts. „Auf den Führungsetagen privatwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert“, heißt es in einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auch auf der zweiten Führungsebene, wo es bis 2014 einen leichten Anstieg gegeben habe, hätten Frauen ihren Anteil nicht weiter ausbauen können.

Zugleich schlagen 17 Frauenverbände Alarm. Anlässlich der Halbzeitbilanz der Bundesregierung fordern sie engagierte Schritte für die Gleichberechtigung. Das Motto: „Da geht noch was!“

Keine Verbesserung zu 2016

Laut der IAB-Studie waren im Jahr 2018 nur 26 Prozent der Führungskräfte der obersten Leitungsebene in der Privatwirtschaft Frauen. Auf der zweiten Führungsebene lag ihr Anteil bei 40 Prozent. Beide Werte haben sich verglichen mit 2016 nicht verändert. Das zeigen Daten des IAB-Betriebspanels, einer repräsentativen Befragung von rund 16.000 Betrieben in Deutschland.

Das IAB untersucht seit 14 Jahren den Anteil von Frauen in Führungspositionen in Betrieben der Privatwirtschaft. Dafür werden nicht nur die Top-Managementpositionen betrachtet, sondern auch die zweite Führungsebene und Führungspositionen in kleineren Betrieben.

Demnach waren auf der zweiten Führungsebene zeitweise moderate Zuwächse zu beobachten. Seit dem ersten Erhebungsjahr 2004 stieg der Anteil von Frauen laut IAB um sieben Prozentpunkte und lag zuletzt, im Jahr 2018, bei 40 Prozent. Dieser Anstieg sei aber maßgeblich im Zeitraum 2004 bis 2012 erfolgt. In den Folgejahren habe sich der Aufwärtstrend abgeschwächt und seit 2016 sei gar keine Veränderung mehr zu beobachten.

Mit Blick auf das Frauenquoten-Gesetz von 2016 kommen die Autorinnen der IAB-Studie, Susanne Kohaut und Iris Möller, zu dem Schluss: „Die Einführung des neuen Gesetzes hat - zumindest auf Betriebsebene - keinen weiteren Zuwachs gebracht“.

In Ostdeutschland ist der Frauenanteil an den Führungskräften höher als in Westdeutschland und auf der zweiten Führungsebene sind die Frauen ihrem Beschäftigtenanteil entsprechend repräsentiert, errechnete das IAB. Auf der ersten Führungsebene liegt er im Osten bei 31 Prozent, im Westen bei 25 Prozent. Auf der zweiten Führungsebene beträgt der Frauenanteil in Ostdeutschland 45 Prozent, in Westdeutschland 39 Prozent. Der Beschäftigtenanteil von Frauen liegt in Ostdeutschland wie in Westdeutschland bei 44 Prozent.

Oft eigene Karriereabsichten zurückgestellt

Verglichen mit der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil im öffentlichen Sektor auf der ersten und zweiten Leitungsebene mit 36 beziehungsweise 43 Prozent um zehn beziehungsweise drei Prozentpunkte höher. Gemessen an ihrem Beschäftigtenanteil von 60 Prozent sind Frauen jedoch im öffentlichen Sektor in Führungspositionen der zweiten Ebene noch stärker unterrepräsentiert als in der Privatwirtschaft.

Als Gründe für die aktuelle Lage führt das IAB eine ganze Liste von Gründen auf: So entschieden sich Frauen häufig für Berufe, die mit strukturellen Nachteilen wie geringere Aufstiegschancen auf obere Führungsebenen verbunden seien. Auch sei für Frauen der Zugang zu karriereförderlichen informellen Netzwerken noch immer nicht selbstverständlich. Ebenso könne es sein, dass sie von ihren Vorgesetzten nicht für Karrieren vorgesehen würden.

Zudem erschwere Frauen die weit verbreitete traditionelle Arbeitsteilung in den Familien das berufliche Fortkommen. Aufgrund von Betreuungspflichten und der damit verbundenen zeitlichen Restriktionen stellten Frauen oft ihre eigenen Karriereabsichten zurück.

Hinzu komme, dass Führungspositionen häufig mit überlangen Arbeitszeiten und hohen Erreichbarkeitsanforderungen einhergingen. Frauen mit familiären Verpflichtungen falle deshalb die Entscheidung für eine Managementaufgabe besonders schwer.

Deutschlands Frauenverbände sind angesichts der Lage alarmiert. Ein Bündnis von 17 Verbänden, das sich bereits 2011 zusammenschloss und mit der „Berliner Erklärung“ mehr Gleichstellung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen forderte und vor den letzten Bundestagswahlen mit der „Berliner Erklärung 2017“ noch einmal nachlegte, meldete sich am Donnerstag zu Wort. „Die Große Koalition liegt bei der Gleichstellungspolitik noch weit zurück“, so das Fazit zur Halbzeitbilanz der Bundesregierung.

Frauenverbände: gleiche Teilhabe, gleiche Bezahlung

Die zentralen Forderungen der Frauenverbände seien unverändert: gleiche Teilhabe, gleiche Bezahlung, Verbindlichkeit, Transparenz und Monitoring von Gleichstellungspolitik.

„Unsere Forderungen sind berechtigter denn je“, heißt es in der Erklärung der Frauenverbände. Die feste Quote werde umgesetzt, auch weil sie mit Sanktionen verbunden sei. Die freiwillig festzulegenden Zielgrößen verfehlten aber weitgehend die erhoffte Wirkung, besonders da sie nicht mit Sanktionen belegt seien. „Wir erwarten dringlich diesbezügliche Gesetzesinitiativen“, forderten die Verbände. „Zu lange schon ist wertvolle Zeit verstrichen und insgesamt ist eine deutliche Rückwärtsentwicklung festzustellen.“ Nicht mal das bisher Erreichte sei gesichert.

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) hatte ein Gesetz für Sanktionen angekündigt, wenn ein Unternehmen bei Frauen in Führungspositionen die Zielgröße "null" meldet und dies nicht begründet. Eigentlich hatte Giffey den Gesetzentwurf bis zur Sommerpause vorlegen wollen. Bislang ist das aber nicht geschehen.

Mehr: Ex-Vorständin Wiebke Köhler: Die Personalexpertin erklärt, warum 2019 so viele Top-Managerinnen gehen mussten. Grund dafür seien vor allem die Schalthebel der Macht.

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