Neuer Organspende-Skandal? Deutsches Herzzentrum im Visier der Justiz

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Transparenz als positives Signal

Czaja zufolge geht es um den Vorwurf, dass Patienten von 2010 bis 2012 hohe Dosierungen eines herzunterstützenden Medikaments bekamen. Ärzte sollen das Mittel unmittelbar vor einem Dringlichkeitsantrag verabreicht haben, um auf diese Weise den Status ihrer Patienten auf der Warteliste zu verbessern. „Der Tagesspiegel“ und die „Berliner Zeitung“ hatten berichtet, es gehe um knapp 30 Patienten des Herzzentrums. Demnach soll eine Oberärztin die hohen Dosen verschrieben haben.

Das Renommee des Herzzentrums, das unzählige Leben gerettet hat, müsse mit lückenloser Aufklärung wieder hergestellt werden, sagte Gesundheitssenator Czaja. Das Vertrauen der Öffentlichkeit sei bereits stark erschüttert.

Die Berliner Grünen-Fraktion forderte Konsequenzen. Dass sich das Herzzentrum selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt hat, sei ein gutes Zeichen, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Heiko Thomas. „Wenn an dem Verdacht etwas dran ist, dann schockt mich das“, sagte er. Dann müsse geprüft werden, ob es Einzelfälle seien oder ob im Herzzentrum eine Systematik dahinterstecke. Der Fall zeige erneut, wie wichtig die Arbeit der Prüfkommission zur Kontrolle von Organtransplantationen sei.

Diese unabhängige Kommission wurde nach dem Organspende-Skandal von 2012 eingesetzt. Ihr gehören die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen an. Die Kommission prüfte nach eigenen Angaben vom Freitag seit Oktober 2013 weitere 37 Klinik-Programme, darunter das Herzzentrum.

Die Prüfung dort sei abgeschlossen, die Gesamtuntersuchung aber noch nicht. Abschließende Ergebnisse will die Kommission im September vorlegen. Diese Transparenz helfe, zukünftige Fälle zu vermeiden und das Vertrauen in die Kliniken wieder zu stärken, sagte DSO-Vorstand Rahmel.

Eugen Brysch, Vorsitzender der Stiftung Patientenschutz, warf dem Herzzentrum jedoch vor, bereits seit Monaten von den Vorwürfen gewusst zu haben. Er forderte staatliche Stellen in der Kommission. Bisher habe sie immer wieder beschwichtigt, dass die Auffälligkeiten allein bei Leber-Transplantationen lägen. Brysch schlug vor, die Überwachung und Prüfung an das Robert-Koch-Institut zu übertragen.

Nach dem Skandal in Göttingen waren die Kontrollmechanismen verschärft worden. DSO-Chefmediziner Rahmel sagte im Interview der dpa, der Berliner Fall sei ein Beleg dafür, dass die Kontrollen funktionierten. „Dazu muss man wissen: Diese aktuell an die Staatsanwaltschaft gemeldeten Fälle liegen in der Vergangenheit. Sie wurden jetzt nur aufgrund der neu eingeführten Kontrollen aufgedeckt.“

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  • dpa
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1 Kommentar zu "Neuer Organspende-Skandal?: Deutsches Herzzentrum im Visier der Justiz"

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  • Papier von Gesetzestexten ist geduldig, und wir leben in einem Jahrhundert, in dem das neoliberale FDP-Credo Menschen einteilt in wertvolle beruflich erfolgreiche Personen und andere, angeblich! weniger wertvolle Personen, wie Kleinrentner oder gar Hartz-IV Empfänger. Glaubt da wirklich jemand, dass höhere Beamte, Politiker und neoliberale Wirtschaftslenker gerade in einer Tod- oder Lebenfrage wie der Organspende nicht bevorzugt würden? Lachhaft. Es gibt nur eine Antwort darauf, nämlich "Organspende, Nein Danke". Aber auch dann bin ich mir nicht sicher, ob etwa Einzelpersonen ohne Familienanhang, also ohne achtgebende Personen, nicht trotz ihres zu Lebzeiten erfolgten Widerspruchs gegen eine Organentnahme einfach illegal nach ihrem angeblichen Tod organisch zu Gunsten der Reichen, Mächtigen und Einflußreichen ausgeschlachtet werden. Wo die Gier zu groß wird, da halten auch Gesetzesdämme nicht. Traurig aber wahr.

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