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Neustart des Wirtschaftslebens Diese fünf Hürden stehen einem Normalbetrieb der Wirtschaft im Weg

Die Wirtschaft wird auch nach dem Lockdown noch lange nicht im Normalbetrieb laufen. Was das Hochfahren der Wirtschaft erschwert.
19.04.2020 - 18:00 Uhr 1 Kommentar
Viele internationale Lieferketten sind noch gestört. Quelle: dpa
Containerterminal in Hamburg

Viele internationale Lieferketten sind noch gestört.

(Foto: dpa)

Berlin Nach mehreren Wochen des weitgehenden Stillstands kommt die Wirtschaft langsam wieder in Gang. Erste Geschäfte dürfen bald öffnen, erste Fabriken lassen die Bänder anlaufen, im Mai ist auch der von vielen bereits ersehnte Friseurbesuch wieder möglich.

Doch bis zum früheren Normalbetrieb ist es noch ein langer Weg. Denn etliche Hürden stehen einem raschen Neustart des Wirtschaftslebens noch im Weg.

1. Gesundheitsschutz

Das Bundeskabinett hat am Donnerstag strenge Covid-19-Arbeitsschutzstandards beschlossen, die einen ungehinderten Geschäftsbetrieb zumindest erschweren, wenn nicht unmöglich machen. Die Abstandsregel von 1,50 Metern zwischen Beschäftigten muss demnach in Gebäuden, im Freien und auch in Fahrzeugen eingehalten werden.

Die gemeinsame Fahrt von Bauarbeitern zur Baustelle im Kleinbus dürfte damit ebenso unmöglich sein wie ein bis zum letzten Platz gefülltes Großraumbüro. Schichten müssen möglicherweise personell ausgedünnt oder anders geplant werden, damit die Kollegen sich möglichst wenig begegnen. Auch sollen Arbeitgeber Risikogruppen im Betrieb besonders schützen, Masken für Beschäftigte und Kunden zur Verfügung stellen, wo sich direkter Kontakt nicht vermeiden lässt und für ausreichend Waschgelegenheiten und Desinfektionsmittel sorgen.

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    Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, hatte jüngst gemahnt, strenge Gesundheitsvorschriften dürften nicht dazu führen, dass die Produktion in den Betrieben, in denen es noch rundlaufe, jetzt auch noch einbreche. Vor allem für kleine und mittelgroße Unternehmen müsse stets im Vordergrund stehen, dass sich die Vorgaben betrieblich auch umsetzen lassen, mahnt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

    Branchenbezogene Schutz- und Präventionskonzepte sollten in enger Zusammenarbeit mit den Berufsgenossenschaften entwickelt werden. Das sei die Voraussetzung dafür, dass etwa Handwerksbetriebe wieder öffnen könnten, deren Dienstleistungen ohne direkten Körperkontakt nicht möglich seien – wie etwa bei den Friseuren. Der Gesundheitsschutz bleibt auch ein Hemmschuh, weil Unternehmer oder Monteure nicht ins Ausland reisen können, um dort Geschäfte abzuschließen oder Maschinen aufzubauen.

    2. Personalengpässe

    Ungeklärt ist weiter, wie der Hochlauf der Wirtschaft gelingen kann, wenn es dafür an Personal fehlt. Der Schulbetrieb wird regional unterschiedlich und nur für bestimmte Klassen langsam wieder aufgenommen. Wann für die Schüler wieder normaler Alltag herrscht – und berufstätige Eltern damit von Kinderbetreuungsaufgaben entlastet werden –, steht in den Sternen.

    Für die Kitas ist noch gar keine Wiedereröffnung in Sicht. Zwar haben Bund und Länder beschlossen, die Notbetreuung auf „weitere Berufs- und Bedarfsgruppen“ auszuweiten, ohne diese aber im Detail festzulegen. Viele Eltern werden sich also weiter um ihren Nachwuchs kümmern und versuchen müssen, die Betreuung mit dem Berufsalltag in Einklang zu bringen. Und dann stehen ja bald auch schon die Sommerferien an.

    In einer Blitzumfrage des Bundesverbands der Personalmanager unter knapp 500 Personalmanagern mittelständischer Betriebe sprachen sich denn auch 71 Prozent der Befragten für eine weitere Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes aus. Derzeit stehen die Manager aber vor allem noch vor dem Problem, dass sie nicht wissen, wie es mit dem Personalbestand der Firma überhaupt weitergeht.

    In der Umfrage, die dem Handelsblatt vorliegt, gaben gut 46 Prozent an, dass sie den Personaleinsatz in ihrem Unternehmen aktuell nur für einen Monat im Voraus realistisch planen können. Bei knapp jedem fünften ist es sogar nur eine Woche.

    3. Gestörte Logistik und Risse in den Lieferketten

    Wenn Teile fehlen oder Produkte nicht an Kunden im In- und Ausland ausgeliefert werden können, kommt auch die Produktion nicht wieder in Schwung. In einer Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall unter rund 1400 Unternehmen von Anfang April klagte rund jeder dritte Betrieb über fehlende Teile oder einen Mangel an Material.

    Auch von den 2750 Handwerksbetrieben, die der ZDH Anfang April befragt hatte, klagte knapp jeder dritte über Engpässe bei Materialien, Vorprodukten, Komponenten oder Betriebsmitteln.

    Der Groß- und Außenhandelsverband BGA berichtet auf Anfrage zwar, dass der Güterkraftverkehr mittlerweile in Europa wieder ganz gut laufe. Es sei kein Vergleich mehr zum März, als Kontrollen an den Grenzen noch zu teils chaotischen Zuständen geführt hatten. Allerdings laufe die Logistik längst noch nicht wieder rund. Weil der internationale Handel lange unterbrochen war und von Land zu Land zeitverzögert wieder aufgenommen werde, stünden viele Container auf der Welt derzeit nicht da, wo sie eigentlich stehen sollten, heißt es beim BGA.

    Altmaier will die Wirtschaft schrittweise weiter hochfahren

    4. Fehlende Aufträge und schleppende Genehmigungsverfahren

    Der lange Stillstand und die wirtschaftliche Unsicherheit haben vielfach die Aufträge einbrechen lassen. Die Metall- und Elektroindustrie beklagt ein Minus von 14 Prozent im ersten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Bei den Automobilherstellern beträgt der Rückgang sogar 26 Prozent.

    Selbst wenn die Autohäuser bald wieder öffnen, dürften sich viele Kunden mit dem Kauf eines Neuwagens zurückhalten, weil sie wegen der Coronakrise Einkommenseinbußen erlitten haben oder sogar um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen.

    Auch das Handwerk berichtet von einer hohen Zahl stornierter Aufträge, etwa weil Kunden das Infektionsrisiko fürchten. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer weist aber noch auf einen anderen Umstand hin, der für die Abwicklung vieler Aufträge unabdingbar ist: „Bund und Länder stehen in der Pflicht, dass die in den letzten Wochen nicht mehr oder nur im Notbetrieb arbeitsfähigen Behörden und Ämter vor Ort zügig wieder ihre grundsätzliche Arbeitsfähigkeit zurückgewinnen“, sagte Wollseifer dem Handelsblatt.

    Darauf seien Handwerksunternehmen zwingend angewiesen. Denn wenn Zulassungsstellen, Straßenverkehrs- oder Baubehörden nicht mit voller Kraft arbeiteten, drohten ganze Wertschöpfungsketten zerschnitten zu werden.

    5. Finanzielle Engpässe

    Fehlen Kunden und Aufträge, dann fehlt den Unternehmen auch der nötige Umsatz. Dann können die Finanzreserven schnell knapp werden – und Unternehmen haben Schwierigkeiten, zu investieren oder Waren einzukaufen. Liquiditätsprobleme stehen weiter ganz oben auf der Sorgenliste vieler Firmen. So nehmen knapp 16 Prozent der vom Personalmanagerverband befragten Mittelständler Soforthilfen und Kredite in Anspruch. Knapp 18 Prozent nutzen die Möglichkeit, Sozialversicherungsbeiträge zu stunden.

    Auch Handwerkspräsident Wollseifer betont, die von Bund und Ländern realisierten Maßnahmen zur Liquiditätsunterstützung „bleiben bis auf Weiteres unverzichtbar und müssen gegebenenfalls problembezogen nachgeschärft werden“.

    Da sich die Einnahmesituation der Betriebe noch nicht verbessert habe, müsse die erleichterte Stundung der Sozialversicherungsbeiträge, die bisher auf die Monate März und April beschränkt ist, auch im Mai und Juni fortgesetzt werden, heißt es beim ZDH.

    Mehr: Homeoffice allein ist keine Lösung: Isabel Rothe, Präsidentin der Bundesanstalt für Arbeitsschutz, gibt konkrete Anwendungstipps für Unternehmen.

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    • Ergänzend zu Pkt. 5:

      Der Kreditversicherer Euler Hermes hat eine drastische und hektische Reduzierung der Versicherungssummen durchgeführt. Dadurch kommen selbst gesunde Unternehmen, die nicht mit dem Kreditversicherer "kooperieren", in Verruf und Schwierigkeiten.

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