Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Niedrigwasser Trockener Rhein kostete 0,2 Prozentpunkte der Wirtschaftsleistung

Wenn der Rhein im Sommer nicht fast ausgetrocknet wäre, wäre Deutschlands Wirtschaft im dritten Quartal wohl nicht geschrumpft. Das zeigen neue Berechnungen des Kieler IfW.
Kommentieren
Konjunktur: Trockener Rhein kostete Wirtschaftsleistung Quelle: imago/Kosecki
Verengte Fahrrinne bei Oberwesel

Der niedrige Pegelstand des Rheins hat vielen Unternehmen Probleme bereitet.

(Foto: imago/Kosecki)

Berlin Die Dürre des letzten Sommers hat nicht allein die Landwirtschaft getroffen. Konjunkturforscher des IfW Kiel sehen in ihr eine der Ursachen für den Schwächeanfall der gesamten deutschen Wirtschaft im dritten Quartal 2018. Denn die Trockenheit führte zu extremem Niedrigwasser in den Flüssen, vor allem im Rhein.

Weil im August und September kaum Schiffe auf dem Rhein fahren konnten, geriet vielerorts die Produktion ins Stocken, das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wurde gebremst.

„Insgesamt dürfte das Niedrigwasser die Zuwachsrate des BIP im dritten Quartal 2018 um 0,2 Prozentpunkte, im vierten Quartal um 0,1 Prozentpunkte gedämpft haben“, sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths dem Handelsblatt.

Das ist durchaus eine spürbare Größenordnung. Im Sommerquartal war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zurückgegangen. Ohne Niedrigwasser hätte es diesen Rückgang demnach nicht gegeben. Und wenn der zweite Sondereffekt auch nicht gewesen wäre, hätte das Statistische Bundesamt womöglich sogar Wachstum verzeichnet: Denn etwa 0,3 Prozentpunkte Wachstum kostete, ebenfalls nach Berechnungen des IfW, der neue Abgasstandard WLPT, den die deutschen Automobilbauer erst viel zu spät umsetzten, weshalb sie viele Autos im Sommer in Europa nicht verkaufen durften.

Für ihre Berechnungen, die im „Wirtschaftsdienst“ am Freitag veröffentlicht werden und dem Handelsblatt vorab vorlagen, betrachteten die Forscher zunächst die Binnenschifffahrt. Sie steht zwar nur für sechs Prozent aller hierzulande transportierten Güter.

Allerdings ist der Anteil für einzelne Güterklassen – zum Beispiel Kohle, rohes Erdöl, Erdgas – erheblich größer, bis zu 30 Prozent. Diese Güter stehen am Anfang der Produktionskette, Verspätungen bei der Lieferung führen zu Verzögerungen auch bei anderen Produkten.

Weil 80 Prozent der deutschen Binnenschifffahrt auf dem Rhein stattfindet, lässt sich die Rechnung an den Pegelständen des Rheins an der kritischen Flachwasserstelle Kaub gut beginnen: An 30 Tagen im August und 15 Tagen im September konnte dort kein Schiff fahren. Die Transportausfälle lassen sich sodann in den Produktionsketten nachzeichnen, so Kooths und sein Team.

Der Rhein ist längst wieder voll Wasser, die Verzögerungen wirkten aber nach: Am stärksten dämpften sie die Produktion im November. In dem Monat lag demnach die Produktion um 1,7 Prozent niedriger, als es ohne Niedrigwasser der Fall gewesen wäre, so die Forscher. Auf das dritte Quartal bezogen lag die Zuwachsrate der Industrieproduktion um 0,8 Prozent niedriger und im vierten Quartal um 0,4 Prozent niedriger.

Womöglich sind genau deshalb die Konjunktursorgen, die mit Veröffentlichung der Produktionszahlen diese Woche zunahmen, übertrieben. Denn das Niedrigwasser ist vorbei, die Lieferungen wieder pünktlich.

„Alles in allem deuten die Schätzungen darauf hin, dass die konjunkturelle Dynamik im vergangenen Halbjahr durch das Niedrigwasser gebremst worden ist“, schreiben die Forscher.

Einzelne Branchen traf es besonders hart, vor allem die Chemie. Dass die Produktion chemischer Erzeugnisse im August um mehr als zwei Prozent zurückgegangen war, führen die Forscher zum großen Teil auf das Niedrigwasser im Rhein zurück.

Auch im Außenhandel dürften sich laut IfW die Ausfälle beim Schiffstransport bemerkbar gemacht haben. 23 Prozent der auf Binnenschiffen transportierten Güter waren für den Export vorgesehen, 46 Prozent stammten aus dem Import.

Für die Konjunktur also sind die massiven Schnee- und Regenfälle der letzten Wochen daher eher gut. Das IfW hofft auf verregnetes erstes Halbjahr: Nur dann würden die Wasserspeicher ausreichend aufgefüllt, damit bei normalem Sommerwetter nicht wieder extremes Niedrigwasser auftritt.

Startseite

Mehr zu: Niedrigwasser - Trockener Rhein kostete 0,2 Prozentpunkte der Wirtschaftsleistung

0 Kommentare zu "Niedrigwasser: Trockener Rhein kostete 0,2 Prozentpunkte der Wirtschaftsleistung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote