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Niedrigzinsen Bund könnte ab 2029 mit seinen Schulden Geld verdienen

Berechnungen des Bundesfinanzministeriums zeigen: Der Bund könnte in einigen Jahren Milliardeneinahmen mit Schulden erzielen. Bei einem Zinsanstieg könnte dieser Traum allerdings platzen.
24.02.2021 - 12:59 Uhr 3 Kommentare
Eine Berechnung aus seinem Ministerium zeigt: Das niedrige Zinsniveau könnte dem Bund langfristig zugutekommen. Quelle: ddp images/Pool action press
Bundesfinanzminister Olaf Scholz

Eine Berechnung aus seinem Ministerium zeigt: Das niedrige Zinsniveau könnte dem Bund langfristig zugutekommen.

(Foto: ddp images/Pool action press)

Berlin Mit Schulden Geld verdienen – das klingt zu schön, um wahr zu sein. Doch für die Bundesregierung könnte dies in einigen Jahren Realität werden. Sollten die Zinsen so niedrig bleiben wie derzeit, würde der Bund im Jahr 2029 rund 600 Millionen Euro mit seinen Schulden verdienen. Das geht aus Berechnungen des Bundesfinanzministeriums für den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor, die dem Handelsblatt vorliegen.

Schon seit längerer Zeit könnte Deutschland mit neu aufgenommenen Schulden Geld verdienen, weil Anleger auch negative Renditen akzeptieren, dafür, dass sie ihr Geld in sichere Bundesanleihen stecken. Doch unterm Strich musste Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) im Bundeshaushalt immer noch Zinsausgaben einplanen, auch wegen langlaufender und höher verzinster Anleihen aus der Vergangenheit. Im laufenden Haushalt 2021 waren dafür 5,9 Milliarden Euro veranschlagt.

Das könnte sich aber im Jahr 2029 ändern, wenn die Zinsen in den kommenden Jahren unverändert blieben. Dies ist eines von zwei Szenarien, die das Bundesfinanzministerium durchgerechnet hat.

Danach würden die Zinsausgaben im Bundesetat selbst von dem bereits heute niedrigen Niveau kontinuierlich absinken, obwohl der Bund in den kommenden Jahren wieder neue Schulden machen will. „Ab dem Jahr 2029 treten in diesem Szenario erstmals negative Zinsausgabensalden auf“, heißt es in dem als „Hintergrundpapier“ bezeichneten Dokument.

Nach den 600 Millionen Euro im Jahr 2029 würde der Bund dann Jahr für Jahr mehr mit seinen Schulden verdienen. Im Jahr 2039 – bis in dieses Jahr reichen die Berechnungen – wären es allein 3,1 Milliarden Euro. Insgesamt wären es über die zehn Jahre gerechnet sogar knapp über 21 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen.

Das Finanzministerium weist allerdings darauf hin, dass diese Berechnungen mit großer Unsicherheit behaftet sind. „Die Ergebnisse sind stark abhängig von den getroffenen Annahmen und daher besonders bei langen Zeithorizonten sehr unsicher“, heißt es in dem Papier.

Leichter Zinsanstieg führt zu höheren Ausgaben

Dies macht auch ein zweites Szenario deutlich, das die Beamten von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) berechnet haben. Dabei wird ein jährlicher Anstieg der Zinsen von 0,1 Prozentpunkten unterstellt.

Selbst dieses geringe Plus bei den Renditen würde den Traum vom Geldverdienen mit den Bundesschulden platzen lassen. Statt Einnahmen von 600 Millionen Euro gäbe es in diesem Szenario im Jahr 2029 einen Schuldendienst von 7,5 Milliarden Euro.

Bis 2039 würden die Zinsausgaben auf 13,6 Milliarden Euro im Jahr steigen. Allerdings wäre auch das im historischen Vergleich noch relativ niedrig: Im Jahr 2008 musste der Bund noch rund 40 Milliarden Euro für Zinsen ausgeben.

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Der Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler hält deshalb höhere Schulden für vertretbar, etwa um höhere Investitionen zu finanzieren. „Die Kreditaufnahme des Bundes ist selbst bei pessimistischen Annahmen zur Zinsentwicklung langfristig kein Problem“, sagte Kindler mit Blick auf die Berechnungen.

Entscheidend für die Schuldentragfähigkeit sei weniger der Anteil der Schulden am Bruttoinlandsprodukt, sondern die Höhe der Zinszahlungen. Und die blieben dauerhaft niedrig. „Wie die Berechnungen des Finanzministeriums zeigen, wird der Bund selbst bei steigenden Zinsen in den nächsten Jahrzehnten nur sehr geringe Zinsausgaben leisten müssen“, sagt Kindler.

Kritiker höherer Schulden verweisen allerdings darauf, dass die Zinsen infolge einer höherer Inflation auch wieder stärker steigen könnten, was auch die Schuldenaufnahme mittelfristig wieder verteuern könnte – auch stärker, als das Bundesfinanzministerium es in seinen Berechnungen annimmt.

Mehr: Wie die Corona-Schulden von allein verschwinden könnten.

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3 Kommentare zu "Niedrigzinsen: Bund könnte ab 2029 mit seinen Schulden Geld verdienen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Scholz hat schon in Hamburg gerne geträumt, von einer Olympiade in der Stadt !
    Von der Sicherheit der Bürger beim G7 Gipfel usw. Alle Träume waren Seifenblasen und sind geplatzt. Danach hat er das Weite gesucht und ist nach Berlin gegangen, vielleicht auch wegen der besseren Bezahlung. So wird auch sein neuester Traum vom Geld verdienen mit Schulden platzen und die Zeche zahlt der Bürger. Trotz Wahlkampfgetöse sollten er und seine Rechenkünstler wenigstens versuchen seriös zu bleiben.

  • Schulden sind nie gut, selbst bei negativ Zinsen.
    Schulden führen oft zur Fehlallokation von Geldern, einfacher ausgedrückt zur GELDVERSCHWENDUNG.
    Wenn man keine Zinsen zahlt, kann man ja beliebig Schulden machen und es tut nicht weh - bis man Pleite ist und dann tut es weh - nicht nur den Schuldnern auch den Gläubigern.

    DIE ÜBERSCHRIFT IST IRGENDWIE JENSEITS VON GUT UND BÖSE

    Übrigens steigen inzwischen die Zinsen an den Märkten.
    Zu erwarten, dass der Zinsanstieg ausbleibt oder gestoppt wird, ist unseriös.

  • Eine interessante Rechnung, aber sie kommt aus einem Ministerium und da mussten wir in der Vergangenheit doch häufig erfahren, dass diese Rechnungen nicht aufgegangen sind und der Steuerzahler am Ende die Rechnung bezahlen musste.

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