Nordrhein-Westfalen Wie Kraft die Wirtschaft brüskiert

Ob Kinder, Handwerker oder Beamte - SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ein Ohr für viele im wichtigsten Industrieland Nordrhein-Westfalen. Nur die Konzerne beginnen aufzubegehren.
  • Jens Konrad Fischer
11 Kommentare

Da, wo NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sich wohlfühlt, ist ganz viel Hannelore – und sehr wenig Ministerpräsidentin. Es herrscht Wohnzimmeratmosphäre in der Mülheimer Stadthalle, auf der Bühne ein dunkles Ledersofa, davor ein Glastisch mit Obstkorb, das Bild an der imitierten Sandsteinwand dahinter zeigt wenig, ist aber bunt. Kraft hat eingeladen, um von ihrem Tag an der Seite eines Familientherapeuten zu berichten.

„TatKraft“ nennt sie diese regelmäßigen Einsätze, erklärtes Ziel ist es, ein Bild von den Facetten des Alltags der Bürger zu gewinnen. Mal war sie in der Berufsschule, mal im Krankenhaus, im Handwerksbetrieb, auf der Polizeiwache. „Ich habe vor allem eines gespürt“, resümiert Kraft nach getaner Arbeit, „ganz viel Liebe.“

Gala auf dem Hügel

Doch so viel Zuneigung erfahren nicht alle im Land, die Vertreter von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen wundern sich zunehmend über das Zeitmanagement der Ministerpräsidentin. Dass die es schafft, den ganzen Tag für einen Familientherapeuten freizuräumen, für die Probleme der Wirtschaft aber oft nicht mal ein paar Stunden hat. Als der Initiativkreis Ruhr (IR), Zusammenschluss der wichtigsten Unternehmen in der Herzkammer der deutschen Industrialisierung, sich nach Jahren der Lethargie jüngst mit der Neubesetzung des Vorstands frischen Wind verlieh, feierten die Unternehmen das mit einer Gala in der Krupp’schen Villa Hügel. Kraft schickte zwar einige ihrer Minister, sie selbst ging lieber zum Wahlkampf nach Baden-Württemberg. Und als sie wenig später zum Staatsbesuch nach Israel reiste, nahm sie Gewerkschafter mit, von Umsätzen anbahnenden Geschäftsleuten keine Spur.

Jahrzehntelang hat das Verhältnis zwischen Wirtschaftselite und Sozialdemokratie kaum anderswo so gut funktioniert wie in NRW – das war unter Ministerpräsidenten wie Rau oder Clement. Weniger aus Liebe als aus pragmatischem Wissen um die Bedeutung der Industrie für die Prosperität des Landes setzten sich Krafts Vorgänger für diese ein. Öffentlich tut das auch die aktuelle Regierung. „Wir wollen die Chancen industrieller Produktion nutzen“, verkündete Kraft kurz nach Amtsantritt. Die rhetorisch Umworbenen gewinnen jedoch den Eindruck, dass die Kluft zwischen Reden und Handeln kontinuierlich wächst.

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11 Kommentare zu "Nordrhein-Westfalen: Wie Kraft die Wirtschaft brüskiert"

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  • Tja ich find es erstaunlich,wie uns gerade das Internet täglich vor Augen führt,dass auch das größte Bild aus winzigen Klein-Kleins besteht.Pixel nennt man die.Das hier endlich mal eine Regierung nicht die größten Schreihälse und das größte Bakschisch in den Mittelpunkt ihrer Politik stellt, empfinde ich als mehr als nur positiv und angenehm. Dieses Land lebt vom Mittelstand und von den Menschen.Lang schon nicht mehr hauptsächlich von der Großindustrie!Dass diese Regierung versucht,ein neues,besseres,großes Bild von NRW, aus Politik für Menschen statt Maschinen,Kinder statt Kapitalisten und Gemeinsinn statt Großindustrie zusammenzusetzen genieße ich mit Herz,Verstand und allen Sinnen!Gerade auch als mittelständischer Unternehmer fühle ich mich in diesem neuen NRW besser aufgehoben,als jemals in den vergangenen 30 Jahren. Das Geschlecht der diese Politik ausführenden Politiker finde ich dabei eher vernachlässigenswert.

  • Es beschweren sich auch immer mehr Bürger.
    Frau Kraft regiert nämlich hier bei uns eigentlich gar nicht. Sie ist so eine Art Austellungstück nach außen, regieren tun die Grünen mit all ihrem Schrott den sie aufzubieten haben.
    man überlegt z. B. schon wieder neue Krötentunnel zu bauen. Man hat es mit der Einheitsschule, was immer das auch sein soll
    Viele Handwerksbetriebe bei uns können keine Lehrlinge mehr einstellen und sagen denen, sie mögen in anderen Bundesländern eine Stelle suchen, denn hier können die Lehrlinge nicht mehr in der Berufsschule ausgebildet werden, da haufenweise Berufsschul-Lehrer fehlen.
    Frau Kraft ist mental immer noch in ihren kleinstbürgerlichen Verhältnissen aus denen sie kommt und nur da fühlt sie sich auch wohl. Also auf dem Sofa mit Obst auf dem Tisch, fehlt nur noch die Eichenschrankwand, also Gelsenkirchener Barock.
    Und ja, wie ein User schreibt, Frauen sollten endlich begreifen, dass sie nicht für jeden Job geeignet sind. Zumindest nicht alle. Es gibt gute Frauen, aber die machen auch nicht so einen Wirbel um sich.
    Man merkt doch, dass immer mehr Schaden angerichtet wird durch Frauen in der Politik. Sie äffen die Männer nach und das geht schief.
    Wir haben andere Stärken und ich finde, die sollten wir nutzen.

  • Endlich mal eine Landesregierung,die Wähler und Mittelstandsinteressen über den Koitus mit der Großindustrie stellt.Das Land lebt eben gerade nicht von diesen Großkopfeten!Auch wenn die immer das größte Bakschisch geben!

  • In Köln gibt es über 10% Arbeitslosigkeit. Wo schafft denn die "Liebe" die Arbeitsplätze. Die Sozialisten beschäftigen sich zu viel mit Verboten als mit dem Schaffen von Arbeitsplätzen. Anstatt Investitionshemmnisse abzubauen, muss erst einmal reguliert werden. in 10 Jahren ist das Ruhrgebiet ein einzig großer Park. Wenigstens können die Arbeitslosten dann das "Grüne" Herz Deutschlands genießen. Geld verdienen adé!

  • Beschweren sich jetzt die Lobbyisten, daß keinen direkten Zugang zum Entscheidungszentrum mehr haben?
    Dieses jahrzehntelange gut Verhältnis zwischen Wirtschaftselite und Sozialdemokratie könnte man boshafterweise auch als "Korruption" beschreiben. Es geht doch nicht um die Prosperität des Landes sondern eher um die Properität einiger Weniger.

  • Puh, böse Beispiele...
    ...soll denn ausgerechnet die Ministerpräsidentin einer rot grünen Minderheitsregierung die wirklich „dumm dreisten“ Fehler der Industrie
    (tödliche Co-Pipeline durch Wohn- u. Naturschutzgebiete und ein falsch geplantes Kohlekraftwerk (2km verschoben) ausbügeln?!
    Hier erkennt man höchstens die Arroganz der Industrie, welche nur für ihre Aktionäre da ist und sich immer mehr von den Bürgern abwendet!
    Die Manager dieser Firmen haben schlechte, neo kapitalistische Dozenten im BWL Studium gehabt und der Verfasser dieses Artikels kann die Zeichen der Zeit genau so wenig erkennen – gefangen in einer Zeitschleife der 80er – 90er Jahre des letzten Jahrhunderts!
    Das große Unglück dieser Zeit ist, dass (überhebliche) Kaufleute bestimmen und nicht Techniker!
    Oppassen – nichts ist beständiger als die Veränderung!

  • Natürlich sollten kommunale Einrichtungen Vorrang vor privatwirtschaftlichen Lösungen haben. Den Fehler "dass Private es besser und billiger können" sind viele Kommunen aufgesessen. Inzwischen gibt es einen Rollback in vernünftigen Ausmaßen; ich nenne an dieser Stelle die Wasserversorgung Berlin oder die vielen kleinen Stadtwerke, die sich aus der Konzernumklammerung lösen. Dass beispielweise die private Abfallentsorgung günstiger wäre als eine kommunale Lösung, wird in Bayern kaum noch ein Bürgermeister bestätigen. Es gibt Bereiche, die gehören einfach aus unterschiedlichsten Gründe in die öffentliche Hand.

    Ich mag Frau kraft nicht besonders, aber dieser Artikel ist übelste Propaganda, einem seriösen Medium unwürdig.

  • Jeder bekommt was er verdient

  • Herzlich willkommen im 19. Jahrhundert!

  • Also ich habe den Eindruck, dass Frauen in Führungspositionen (z.B. Frau Kraft als Ministerpräsidentin) nur im "klein klein" denken. Die grossen Strategien sind ihnen nicht so wichtig. Das direkte Umfeld ist viel entscheidender bei Frauen als bei Männern.

    Das liegt an der Harmoniesucht, die für Frauen unbedingt wichtig ist. Und Harmonie kommt nur aus dem direkten Umfeld und nicht aus der abstrakten Ferne. Das Abstrakte ist wiederum anziehender für Männer.

    Das ist ein naturgegebener Unterschied zwischen Mann und Frau. Deshalb ist es unklug einfach Quotenfrauen in DAX-Vorstände "einzupflanzen".

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