NRW stellt sich quer Atomkraft? Nicht vor unserer Tür!

Die Niederlande planen den Bau eines neuen Kernkraftwerks und zwar in der Provinz Zeeland. Viel zu nah an der Landeshauptstadt Düsseldorf, sagt die rot-grüne Landesregierung und stellt sich quer.
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Auch die Atompolitik in Frankreich (hier das französische Kernkraftwerk Cattenom) steht auf der Kippe. Quelle: dpa

Auch die Atompolitik in Frankreich (hier das französische Kernkraftwerk Cattenom) steht auf der Kippe.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist der Westwind, der der nordrhein-westfälischen rot-grünen Landesregierung Sorgen bereitet. Der Westwind, der im schlimmsten Fall dafür sorgen könnte, dass eine radioaktiv verseuchte Wolke bereits in rund sechs Stunden (Experten gehen sogar nur von ein bis maximal fünf Stunden aus) die Landeshauptstadt Düsseldorf erreicht und für eine Katastrophe sorgen könnte. Dann nämlich, wenn das Nachbarland Niederlande seine Pläne umsetzt: ein zweites, ein neues Kernkraftwerk in der kleinen Stadt Borssele.

Weder Fukushima noch der deutsche Atomausstieg konnten ihn ausreichend beeindrucken: den niederländische Premierminister Mark Rutte. Er betonte 2011, dass das Land dem Ausbau der Atomenergie mit dem Bau eines weiteren Meilers neben dem alten Priorität einräumt – mit Borssele II.

Das passt den Politikern in NRW nicht. Denn Borssele liegt nur rund 250 Kilometer von Düsseldorf entfernt. Viel zu nah an der Landeshauptstadt, findet die Landesregierung. Deshalb ist sich der Landtag einig: Er lehnt den Bau ab. Nun macht die Regierung von ihrer Möglichkeit gebrauch, ihre Einwände in einer Umweltverträglichkeitsprüfung vorzubringen.

Zwar sind die EU-Länder in ihrer Entscheidung, Atomkraftwerke zu bauen oder nicht, autonom. Nach EU-Recht gibt es aber die Möglichkeit der Umweltverträglichkeitsprüfung. Sie untersucht vor dem Bau, welche Gefahren möglicherweise für Gesellschaft, Wirtschaft und Natur entstehen könnten. Diese Umweltverträglichkeitsprüfung wird gerade von den Niederlanden vorbereitet. Und dieses Verfahren lässt zu, dass nicht nur Politiker, sondern auch Bürger ihre Einwände vorbringen können. (Noch bis 12.01.2012)

Welchen Sinn macht aber eigentlich ein Ausstieg Deutschlands aus der Atompolitik, wenn doch nebenan immer weiter gebaut wird? „Es wird zwar viel geredet, gebaut wird aber aktuell nicht viel“, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte bei Greenpeace. Länder wie die Niederlande, Polen, Finnland, Ungarn und Rumänien dächten über neue Atomkraftwerke nach - ob ein Neubau sich realisieren lasse, sei völlig unklar. Tatsächlich würde aktuell nur in Frankreich und Finnland gebaut. Andere Länder wie die Schweiz und Belgien hätten den Ausstieg beschlossen oder wie Italien gegen den Wiedereinstieg gestimmt.

NRW ist nicht das erste Bundesland, dass sich gegen den möglichen Bau eines Atomkraftwerks in einem Nachbarland auflehnt. Auch Brandenburg hatte eine ähnliche Stellungnahme zu den polnischen Bestrebungen eines neuen Meilers abgegeben. Sich gegen einen "Risikoimport nach Deutschland" aufzulehnen, mache Sinn, meint der Atomexperte Smital. Ob der Protest tatsächlich Einfluss nehme, ist aber unklar.

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Das gilt auch für den Protest gegen das Kernkraftwerk in den Niederlanden. Das NRW-Ministerium für Umwelt erwartet jedenfalls keine Antwort der Niederländer, aber es hofft darauf, dass die Politiker dort noch einmal neu nachdenken, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher beim NRW-Umweltministerium. Warum dann aber bei einem Protest mitmachen? „Die Entscheidung der Niederländer wird eine politische sein“, sagt Smital von Greenpeace. Wenn aber die Mehrheit der Menschen gegen das Kernkraftwerk sei, ließe sich der Bau nur schwer realisieren. „Deshalb ist es noch zu früh, die Hände in den Schoss zu legen.“

Ob das Kernkraftwerk in Borssele tatsächlich gebaut wird, ist auch eine wirtschaftliche Frage. Und auch aus diesem Grund steht der Bau noch in den Sternen, sagt Smital. Der Grund: die hohe Investitionssumme. Möglicherweise ist auch deshalb ein Bossele-Investor abgesprungen.

 

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10 Kommentare zu "NRW stellt sich quer: Atomkraft? Nicht vor unserer Tür!"

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  • Die Wahrscheinlich ist sehr groß, daß die Industrieregion NRW eines Tages froh sein wird, Strom von einem Nachbarn zu beziehen, der bezahlbaren Strom auch dann liefern kann, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Ob der Panikatomausstieg von Frau Merkel und die so gepriesene Energiewende für NRW daher tatsächlich hilfreich sein wird, werden wir erst in ca. 15 bis 25 Jahren wissen. Aber Frau Kraft will Ihr Bundesland ja global wettbewerbsfähig halten - daher wird Sie verstärkt auf Kohlekraft setzen. Oder???

  • Tja, und jetzt glotzt die CDUSPD und Frau Kraft blöde aus der Wäsche...

    Wie konnten wir auch ahnen, dass unsere bösen Nachbarn sich nicht an unsere Ausstiegspläne dranhängen.

    Da kommt der besserwisserische Deutsch-Grüne an seine kognitiven Grenzen

  • Das Stahlwerk hat direkt einen Vertrag geschlossen, Interesse für Kernkraftstrom kann man hier registrieren:
    http://www.eike-klima-energie.eu/energie/fragebogen-kernkraftstrom/

  • Wie haben Sie das gemacht? Wohnen Sie an der Landesgrenze? Wohne selber in Mitteldtl. und ziehe die Möglichkeit in Betracht meinen Strom auch aus dem Ausland zu beziehen...leider konnte ich hierzu noch keine Möglichkeiten finden - Danke!

  • Der Rest Europas macht die "Energiewende" nicht mit, und das ist gut so. Denn diese offensichtliche Dummheit ist nur aus Polpulismus getroffen worden, nachdem die Presse bei uns grundlos aus den Kernschmelzen in Japan einen GAU fabriziert hat. Meine Freunde in GB und F lachen sich derweil ins Fäustchen, zahlen die doch weniger als halb soviel für den Strom. Ich habe mir für Strom aus Frankreich entschieden, so wie das Stahlwerk in der Nachbarschaft.
    Dummschule Deutschland!

  • "Sich gegen einen "Risikoimport nach Deutschland" aufzulehnen, mache Sinn, meint der Atomexperte Smital."
    Also wäre es auch richtig, wenn die Niederlande sich über den Risikoexport von Deutschland beschweren würde. Warum gibt es keine Umweltverträglichkeitsprüfung des Atomausstieges, der insbesondere die gestiegene CO2-Belastung prüft?? Ok vielleicht denken Einige, wenn die Niederlande untergeht, haben gibt es in Deutschland mehr Strände für den Sommer...

  • Auch interessant ist, dass die Rot-Grüne NRW Regierung sich nur um die Landeshauptstadt Düsseldorf sorgt.

    In manchen Orten ist der Wind früher ;-)

  • Nun braucht man bloß noch diese KKW mit einem Risikofaktor zu beaufschlagen (Deutschland und neue KKW in Westeuropa = 1) und man wird erstaunt feststellen, daß es erheblich risikoärmer ist, in Deutschland Kapazität zuzubauen als z.B. in der Ukraine oder Weißrußland.

  • http://www.global2000.at/site/de/wissen/atom/atomeuropa/article-akwbelgien.htm
    Diese karte zeigt alle Kernkraftwerke in dessen Windschatten Deutschland sich befindet .

    Haben sie die vergangenen 40 Jahre geschlafen ?
    Nun baut NL ein wesentlich sicheres und hoffentlich effektiveres Kraftwerk und sie beschweren sich darüber ?

    Sorry ,das ist unglaubwürdig und Lächerlich !!!

  • Na sowas !
    Hätte die Niederlande diese Planungen forciert wenn Deutschland nicht aus der Kernenergie ausgestiegen wär ?
    Würde Polen den bau mehrer Kraftwerke in der Nähe Deutschlands prüfen wenn es aus Deutschland keine Nachfrage geben würde ?
    Warum wird Temelin ausgebaut ?

    Das ist es worüber wir Wochen lang diskutierten als Deutschland die ersten Anlagen abschaltete .
    Die Motivation diese Anlagen zu bauen steigt mit zunehmender Abschaltung IN Deutschland und gleichzeitiger nachfrage nach Energie aus Deutschland !

    Klar das man sich sorgen macht,wenn zb.Polen , die sicher gut in der Agrarwirtschaft sind , plötzlich Atomkraftwerke bauen wollen !
    Aber das haben sie vorher gewusst Liebe Leute !!!

    Die Hauptwindrichtung in Deutschland und Europa ist von west nach ost und das nicht erst seit ein paar Jahren , das haben sie auch vorher gewusst .

    Sich nun über unsere Nachbarn zu beschweren ist ein beweis Ihres Dilettantismus Liebe Genossen von Rot / Grün !

    Natürlich werden unsere Nachbarn Ihre Anlagen bauen können , ob ihnen das nun passt oder nicht .
    Sie fallen eben nicht unter die deutsche Gesetzgebung , das in meinen Augen ein großer vorteil sein kann !!!

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