Ärger in der CDU Eigener Bezirksverband kritisiert Röttgen

Für Norbert Röttgen reißen die negativen Nachrichten nicht ab: Jetzt ruft der Chef seines eigenen Bezirksverbands die CDU-Delegierten zum Boykott der Landesliste auf – und greift den Spitzenkandidaten persönlich an.
Update: 04.04.2012 - 12:10 Uhr 6 Kommentare
Spitzenkandidat Norbert Röttgen (CDU): Aufstand der Basis. Quelle: dpa

Spitzenkandidat Norbert Röttgen (CDU): Aufstand der Basis.

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DüsseldorfVor der für diesen Mittwoch geplanten Wahl von Bundesumweltminister Norbert Röttgen zum CDU-Spitzenkandidaten für die nordrhein-westfälische Landtagswahl gibt es Kritik an seinen Personalvorschlägen. Der Vorsitzende des Parteibezirks Mittelrhein, Axel Voss, rief einem Zeitungsbericht zufolge dazu auf, die gesamte Kandidatenliste für die Landtagswahl abzulehnen.

„Ich wäre euch dankbar, die Landesliste auf der Vertreterversammlung insgesamt abzulehnen und gegebenenfalls eure Delegierten aufzufordern, Gleiches zu tun“, zitiert die Bild-Zeitung aus einer SMS von Voss. Der Europa-Abgeordnete beklage eine mangelnde Berücksichtigung seines Bezirks auf der Liste. Röttgen habe verdiente Parteifreunde ins Abseits gedrängt, um Platz für Gefolgsleute zu schaffen.

In seiner Textnachricht fand Voss klare Worte – auch in Richtung des Spitzenkandidaten. „Der gute Wille zur Zusammenarbeit ist damit jedenfalls aufgebraucht“, wütete der Europaparlamentarier, dessen Vorgänger als Bezirkschef ausgerechnet Röttgen war. Eine derartige Missachtung der Liste wie von der Parteiführung geplant sei „ohne Beispiel“.

Der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Armin Laschet wies die Kritik zurück. „Die Liste ist sehr ausgewogen“, sagte er am Mittwoch im WDR-Hörfunk. „Ich finde nicht, dass der Bezirk Mittelrhein so schlecht behandelt ist.“ Der Bezirk stelle immerhin mit Röttgen den Ministerpräsidenten-Kandidaten und erhalte für Umwelt-Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser Platz drei der Liste. Die Liste sei vom Landesvorstand einstimmig beschlossen worden. Laschet sagte, er habe die SMS von Voss nicht erhalten.

Voss selbst weilt derzeit mit Frau und Kindern im Urlaub und will sich zu der misslichen Debatte nicht äußern. „Axel Voss und die CDU Mittelrhein stehen zu Hundertprozent hinter Norbert Röttgen als Spitzenkandidat der CDU NRW“, heißt es in einer dürren Pressemitteilung, die sein Abgeordnetenbüro am Mittwoch verschickte. Allerdings dementierte der Bezirkschef nicht, dass er zum einem Boykott der Landesliste aufgerufen habe. Das Verfahren zur Listenaufstellung sei ein „rein parteiinterner Vorgang, der nicht kommentiert“ werde, heißt es lediglich.

Die 250 Delegierten der Landesvertreterversammlung wollen heute Abend in Mülheim neben der Kandidatenliste für die Wahl am 13. Mai auch einen Wahlaufruf mit ihren Kernprogrammpunkten verabschieden. Röttgen war auch in seiner eigenen Partei kritisiert worden, weil er nicht sagt, ob er auch als Oppositionsführer in Düsseldorf bleiben würde.

 

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6 Kommentare zu "Ärger in der CDU: Eigener Bezirksverband rebelliert gegen Röttgens Personalpolitik"

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  • Ich stimme Ihnen in großen Teilen zu.
    Ich hatte gestern Abend ein sehr langes Telefonat mit meinem Sohn (studierter Dipl.-Politologe, 15 Jahre BW jetzt Adm.Manager in einem amerikan. Unternehmen) der fast das selbe sagte.
    So lange sich hier die Parteidoktrin, das Gegen-das Volk-Agieren, nicht auflösen, so lange wird sich in Deutschland nichts ändern. Es wird eher noch schlimmer.
    Man sieht es am Zulauf den die Piraten haben. Eine Gruppe ohne jedes Programm und Wissen. Die Piraten holten die Nichtwähler wieder an die Urne, allein das sollte alle Politiker aufschrecken
    Mein Sohn befürchtet Zustände wie kurz vor 33 und das teile ich mit ihm

  • erhöhung der abgeordnetendiäten von rot grün, neue ministerien von der CDU - deutschland spart und gibt ein gutes beispiel in europa.
    ich bin gespannt wie lange bei dieser politik der wirtschaftsboom noch anhält- dann schaun wir mal wie großartig mutti und ihre mannschaft dastehen.

  • Wen wundert das. Wobei ich das an der Person selbst festmache. Dieser Umweltminister hat das E10-Desaster zu verantworten. Natürlich kann ich immer die Verantwortung auf die Mineralölindustrie schieben oder Andere. Aber ich mache das am Selbstverständnis eines Ministers fest: Es kann nicht sein, das ein Minister immer nur dann die Verantwortung übernimmt, wenn ein Projekt erfolgreich verläuft. Wenn es schlecht läuft, sinds die Anderen. Dann muss ich halt die Ärmel hochkrempeln und für den Erfolg sorgen! Doch das fehlt diesem Mann. Solche Typen erledigen sich hoffentlich von selbst.

  • Es nimmt nicht wunder, dass sich nun sogar an der Basis dieser politischen Organisation so etwas wie Widerstand entwickelt. Immerhin hat ja die Form des real-existierenden Funktionärsextremismus solche Ausmasse angenommen, dass die Grenze der persönlichen Beleidigung der eigenen Parteimitglieder erreicht ist, weil sich selbst unter den Dümmsten unter den Parteimitgliedern welche finden, die sich nicht auf diese Weise verhöhnen lassen wollen.

    Dass Ganze nimmt immer mehr solche Ausmasse an, wie in der Zeit von 1989 in der Ostzone. Die einzigen, denen das ganze normal und vollkommen in Ordnung vorkommt, sind die Angehörigen der amts- und machtmissbrauchenden Parteikader, denen die Selbstbereicherung als vollkommen normaler Vorgang erscheint. So wie sich das ja auch bei der Entstehung des "wulffens" so brilliant dargestellt hat.
    Dass die Phalanx dieser Amts- und Machtmissbraucher von Kohl über Genscher, Lambsdorf, Waigel, Schröder, Riester, Rürup, Müntefering, Eichel, Steinbrück, Asmussen bis hin zu den einschlägigen Apologeten dieser Besitzstandsfeudalautokratie im gegenwärtigen Bundeskabintett reicht, ist nicht mehr zu übersehen und aúch nicht mehr zu verdrängen.

  • Die wollen gar nicht die Wahl gewinnen, sonst würden sie ein solches Theater nicht veranstalten. Denn in den nächsten 4 Jahren wird NRW nicht besonders viel Spielraum haben. Daher können Politiker dort nicht punkten. Die CDU plant für 2016.

  • Ich bin mir gerade nicht sicher, was schlimmer ist: "verdiente Parteifreunde" oder "Gefolgsleute".
    Hört sich für mich beides so an, als ginge es keinem zu irendeinem Zeitpunkt um Kompetenz.

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