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NRW-CDU nach der Wahl Mehr Bauern, mehr Handwerker, mehr Merz

Am Tag nach der Wahlkatastrophe leckt die nordrhein-westfälische CDU ihre Wunden, versucht, einen offenen Machtkampf zu verhindern, und fragt sich, ob ihre wirtschaftspolitische Kompetenz noch zu erkennen ist.
9 Kommentare
Ein CDU-Wahlplakat wird abtransportiert: Die Partei eint die Wut auf Norbert Röttgen. Quelle: dpa

Ein CDU-Wahlplakat wird abtransportiert: Die Partei eint die Wut auf Norbert Röttgen.

(Foto: dpa)

Die schwerste Wahlniederlage in sechs Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte ist gerade 18 Stunden alt, und Oliver Wittke versucht sich in einer ersten Analyse: „Wenn 36 Prozent aller Wähler, die nicht mehr CDU gewählt haben, sagen, sie zweifeln an unserer Wirtschaftspolitik“, zitiert der nordrhein-westfälische Generalsekretär die Zahlen der Meinungsforscher, dann müsse sich die CDU fragen, ob sie ihre Kernthemen noch richtig vertrete. „Mit Friedrich Merz ist das letzte bekannte wirtschaftspolitische Gesicht der CDU verloren gegangen“, klagt Wittke weiter. Und:  „Wir dürfen unsere Themen nicht auf Integration und Energiewende beschränken, sondern müssen dafür sorgen, dass die Landwirte und Handwerker uns als ihre natürliche Partei ansehen.“

Gerade haben die Christdemokraten einen Wahlkampf hinter sich, bei dem der gescheiterte Spitzenkandidat und Bundesumweltminister Norbert Röttgen „die Energiewende nach NRW bringen“ und eine eigene Staatssekretärin für Integration in der Staatskanzlei installieren wollten. Also rot-grüne Kernthemen an sich riss. Und kläglich scheiterte.

Zurück zur Stammklientel oder doch nach vorne zu neuen Wählerschichten? Da ist es wieder, das Dilemma der CDU: In den großstädtischen Milieus verliert sie kontinuierlich Anhänger. Wenn sie dann das moderne Lebensgefühl treffen will, sich öffnet für Themen wie Integration oder Umweltschutz, gehen die Stammwähler flöten.

Bei der Schlappe am Sonntag passierte allerdings gleich beides: In vielen Großstädten fiel die CDU unter 20 Prozent, in Köln etwa ist sie nur noch drittstärkste Kraft nach den Grünen. Zugleich verlor die CDU in traditionellen Hochburgen besonders dramatisch.

Braucht die CDU nun ein konservativeres Profil? Nein, sagt Wittke, man müsse eben beides machen: Modernisierungsthemen ansprechen, aber eben nicht nur.

Und wer soll das nun machen nach dem Rücktritt Röttgens als Parteivorsitzender? In der Partei laufen die Drähte heiß, es sei „eine Vielzahl von Gesprächen“ nötig, sagt Wittke. In der engeren Wahl stehen Röttgens Stellvertreter als Parteichef und Ex-Integrationsminister Armin Laschet sowie der bisherige Fraktionschef Karl-Josef Laumann.  Beide versuchen den Eindruck zu verhindern, die CDU stehe vor einem Machtkampf.

Warum die Partei keine Doppelspitze mehr will

Kritik am Wahlverlierer Norbert Röttgen

Er sei mit Laumann befreundet, betonte Laschet noch am Wahlabend. „Wir verstehen uns gut.“ Einen Machtkampf werde es nicht geben. Obwohl er mit Machtkämpfen Erfahrung hat. Laschet war von zwei Jahren gegen Norbert Röttgen in einem Mitgliederentscheid um den Parteivorsitz angetreten und mit 45 zu 55 Prozent der Stimmen verloren.

Eine Doppelspitze – Laschet als Parteichef, Laumann als Fraktionsvorsitzender – wäre aus Sicht der beiden Freunde eine optimale Lösung. Aus Sicht vieler nordrhein-westfälischer Christdemokraten nicht. Es gebe in der Partei „einen starken Wunsch, die beiden Ämter in eine Hand zu legen“, sagte noch am Wahlabend ein hochrangiger CDU-Politiker aus Nordrhein-Westfalen. Nach der Röttgen-Pleite will die CDU kein Herumlavieren mehr, sie will klare Verhältnisse und einen Chef, der in der Landespolitik verankert ist, statt wie Röttgen auf dem (Karriere-)Sprung zu sein. Einen also, der am besten auch gleich die Fraktion im Düsseldorf Landtag anführt.

Das Begehren der Partei ist Laschet schon zu Ohren gekommen.  "Es ist ein starker Parteiwunsch, den ich auch höre“, sagt Laschet – bittet sich aber Bedenkzeit aus.  Nach dem Debakel vom Sonntag seien „ein, zwei Tage Zeit zum Nachdenken" nötig.

Viel mehr Zeit hat die Partei aber auch nicht. Schon am Montagabend tagt der Landesvorstand, am Dienstag früh kommt die neu gewählte CDU-Fraktion zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Soll dann ein Fraktionschef gewählt werden, müsste die Machtfrage bis dahin geklärt sein. Generalsekretär Oliver Wittke selbst muss unter einem neuen Vorsitzenden um seinen Posten bangen. In der Partei werden erste Stimmen laut, die seinen Kopf fordern. Als Generalsekretär trägt er die Verantwortung für einen vermurksten Wahlkampf.

Bei allen inhaltlichen und personellen Streitigkeiten, in die die CDU setzt geraten könnte – eines eint die Partei: ihre Wut auf Norbert Röttgen. Dass er auf einem Rückfahrticket nach Berlin bestand und sich nicht zur Landespolitik bekannte, gilt als Kardinalfehler des Kandidaten. Verärgert ist die CDU vor allem darüber, dass Röttgen offenbar unbelehrbar war. „Gegen den Rat anderer“, habe Röttgen so entschieden, heißt es in der Partei. Und als Wittke gefragt wird, ob er versucht habe, den Kandidaten umzustimmen, schweigt er vielsagend. „Ich könnte jetzt hier herumeiern“, sagt er, „aber ich möchte mich dazu nicht äußern.“

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9 Kommentare zu "NRW-CDU nach der Wahl: Mehr Bauern, mehr Handwerker, mehr Merz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wenn die CDU in NRW den Laschet als Parteivorsitzenden installiert, können sie sich gleich auflösen.
    Laschet ist der absolute Türkenliebhaber.
    Der reiste sogar in die Türkei um Erdogan zu fragen, wie man denn die jungen Türken die hier leben, ausbilden soll
    Also offenbar sind wir eine türkische Kolonie
    Laschet soll zu den Grünen gehen, da paßt er hin

  • Germanenhengst
    lt. Claudia Roth sind Detuschen noch noch Menschen ohne Migrationshintergrund.
    Und die CDU hat das übernommen

  • „Mit Friedrich Merz ist das letzte bekannte wirtschaftspolitische Gesicht der CDU verloren gegangen“, klagt Wittke weiter."

    Merz hat doch Rottgen beraten? Und nun?

    Merz gehört zu den Gründungsmitgliedern des INMS.
    Kein Tag vergeht, wo hier nicht deren Propaganda in die Berichte einfließt, naja, ist auch einfach, weil dieser gleich die Texte produziert, man muß die dann nur noch abschreiben.

  • @ Germanenhengst,
    nur ein Beispiel der realen Entwicklung bei
    der Verschuldung je Kopf, die uns alle
    betrifft:
    August 2011
    Deutschland = 25.683 EURO
    Schweiz = 23.630 EURO (8/11 umgerechnet)
    Mai 2012
    Deutschland = 25.947 EURO
    Schweiz = 21.914 EURO (5/12 umgerechnet).
    Dieses auseinander driften nicht wahrhaben wollen ist keine Lösung.

  • @Germanenhengst

    du sprichst mir aus der Seele!Die Anbiederungspolitik der CDU auf gerade aktuelle Themen aufzuspringen und noch sozialdemokratischer zu sein als die SPD, das muss ja schief gehen.
    Die CDU vertritt schon lange nicht mehr das sogenannte bürgerliche Lager.Was waren das noch Zeiten eines , Adenauers, Erhard,usw. Persönlichkeiten ,diese machten noch Politik für Deutschland und nicht dem Rest von Europa.

  • Lustig, dass keiner von denen da draufkommt: Die CDU hat sich absolut vollwertig von einer 'Vaterlandspartei' zur beliebigen Mitte-links-Fraktion gemausert.

    Früher war es einfach: Programm ist, was dem Vaterland nützt - bezüglich seiner Wirtschaft, Bürgerschaft und internationalen Geltung.

    Dieses Vaterland heisst DEUTSCH-Land. Aber wir, das Volk, werden gar nicht mehr als DEUTSCH vertreten, sondern nur noch als NEUTRALE POPOLATION. Mir zumindest geht es so, wodurch irgendwie eine unterschwellige Entkoppelung stattfindet. Die Deutschen fühlen sich nicht mehr involviert, angesprochen und repräsentiert - während ein Migrant einen intensiven Wettlauf sämtlicher Fraktionen erleben darf, die sich mit anbiedernder Gefälligkeitspolitik ums "Gell-wir-sind-die-Gutsten"-Krönchen balgen.

    Helfen würde: POLITIK PRO DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT - in die sich unsere Gäste gerne integrieren dürfen.

  • CDU und wirtschaftliche Kompetenz? Sie kümmern sich nur um Integration und Energie? [...]. Energie: Für Deutsche zu billig. Sie sollen nur noch Kerzen haben. 70% Steigerung der Stromkosten sind schon angekündigt. Und die Einkommen: Lt. deutsche Politiker und Merkel sollen um 99% für Deutsche sinken, sofort!!!

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • Ich bin Mittelständler und habe in den letzten Jahren noch nicht mal in Wahlkampfzeiten einen CDUler bei mir gesehen. Außerdem habe ich mir diesmal die Mühe gemacht und habe einige Veranstaltungen besucht: Nichts für den Mittelstand, einfach nichts.

  • „Mit Friedrich Merz ist das letzte bekannte wirtschaftspolitische Gesicht der CDU verloren gegangen“

    Beschäftigen Sie sich einmal mit dem orthopädischen Fall MERZ und Sie nennen ihn nicht mehr.

    Orthopädischer Fall? Das sind z.B. Leute deren Hände nach hinten gestellt sind.