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Nordrhein-Westfalen Wahl 2017

Stimmungsbericht aus Düsseldorf „Heute ist ein guter Tag für Nordrhein-Westfalen“

Nach der Wahlpleite leert sich das Quartier Boheme in der Düsseldorfer Altstadt zügig. Es gibt für die Genossen nichts zu feiern. Ganz in der Nähe ist das anders: Bei CDU und FDP bejubeln die Anhänger ihre Kandidaten.
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Große Freude – Das sagt Laschet zu seinem Sieg

DüsseldorfDie letzten Sekunden bis zur kollektiven Ekstase zählen die Gäste auf der CDU-Wahlparty gemeinsam runter. Als im Fernsehen um 18 Uhr die ersten Prognosen präsentiert werden, kommt aus der Menge im Garten der Düsseldorfer Parteizentrale erst ein Aufschrei, dann enthemmter Jubel, der schließlich in die Sprechchöre „Armin Laschet, Ministerpräsident“ übergehen. 34,3 Prozent für die CDU, nur 30,6 für die SPD – das Wahlergebnis der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen kommt einem Erdbeben gleich.

Auf der SPD-Wahlparty im Quartier Boheme in der Düsseldorfer Altstadt herrscht hingegen betrübte Stille, als die erste Prognose über die Leinwand flimmern: 30,6 Prozent. Das ist das bislang schlechteste Ergebnis der Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen. Die meisten Gäste hatten sich auf ein knappes Ergebnis eingestellt, mit einer solchen Klatsche hatte niemand gerechnet. Fassungslos fassen sich einige an die Stirn, schütteln den Kopf.

So jubeln die Laschets über ihren Papa
Es ist geschafft
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Er ist an diesem Abend ein gefragter Mann: CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet hat die Wahl für seine Partei gewonnen. Umringt bahnt er sich seinen Weg durch den Düsseldorfer Landtag.

(Foto: dpa)
„Armin, Armin!“
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Kurz nach der ersten Prognose hat er sich seinen Anhängern gestellt und ihnen für den Wahlkampf gedankt. Mit mehr als 33 Prozent ist die CDU stärkste Fraktion im neuen NRW-Parlament.

(Foto: dpa)
Familienbande
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Freude pur bei seiner Familie: So jubeln die Laschets (v.l.) – die Söhne Julius, Johannes, Vater Heinz und seine Tochter Eva – nach der Bekanntgabe der ersten Ergebnisse auf der CDU-Wahlparty.

(Foto: dpa)
Abgestürzt
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Trauer dagegen bei den Grünen: Sylvia Löhrmann muss auf der Wahlparty am Düsseldorfer Rheinufer einen Absturz auf rund sechs Prozent und dem Verlust des Ministeramtes verkraften.

(Foto: dpa)
Beistand
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Trost findet die nordrhein-westfälische Grünen-Spitzenkandidatin bei ihrem Ehemann Reiner Daams.

(Foto: dpa)
Nicht zu fassen
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Enttäuschung und Fassungslosigkeit auch bei der SPD: Hannelore Kraft ist als Ministerpräsidentin abgewählt, die Partei hat ordentlich eingebüßt.

(Foto: Reuters)
Träne im Auge
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Nach der Wahlniederlage zieht Hannelore Kraft Konsequenzen: Sie tritt als stellvertretende Parteivorsitzende und als SPD-Landesvorsitzende zurück.

(Foto: dpa)

Noch im März hatte alles auf einen satten Wahlsieg der SPD hingedeutet. Teilweise lagen die Sozialdemokraten 14 Prozentpunkte vor der CDU – auch dank des Schulz-Effekts, welcher der NRW-SPD einen deutlichen Zuwachs in den Umfragen bescherte. Doch in dem gleichen Maß wie der Schulz-Effekt verpuffte, holten Laschet und die nordrhein-westfälische CDU wieder auf.

Als Hannelore Kraft den Saal betritt, drehen sich die Gesichter zu ihr um. Gefolgt von einem Tross an Kamerateams geht sie auf die Bühne. Sie reißt sich sichtlich zusammen, redet in kurzen Sätzen. Kraft bedankt sich für den guten Wahlkampf, dann kündigt sie ihren Rücktritt als Ministerpräsidentin und Landesvorsitzende an. Sie übernehme damit die Verantwortung für die schwere Niederlage der SPD. Zwei Minuten, der Applaus ist noch nicht verstummt, da ist Hannelore Kraft schon wieder weg.

Bei der CDU muss Armin Laschet den Jubel und die „Armin, Armin“-Rufe erst mal abklingen lassen, ehe er zu Wort kommen darf. „Heute ist ein guter Tag für Nordrhein-Westfalen“, sagt Laschet schließlich und dankt den Wahlkämpfern. Rot-Grün ist abgewählt, die CDU ist die stärkste Fraktion. Was kann er mehr wollen? Alle Wahlziele sind erreicht.

Die SPD muss in ihrem Stammland Nordrhein-Westfalen eine historische Niederlage einstecken. Fast neun Prozent weniger als bei den vergangenen Landtagswahlen, bei denen Hannelore Kraft 2012 noch stolze 39 Prozent holen können. Als die ersten Hochrechnungen von ARD und ZDF eintreffen, liegt die CDU mit 34,3 bis 34,4 Prozent diesmal deutlich vor der SPD mit 30,6 Prozent. Auch das die Parteien im Laufe des Abends doch noch etwas enger zusammenrücken kann die Sozialdemokraten kaum trösten.

Dahinter folgt die FDP, die mit mindestens 12,2 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis in NRW holen. Mit mehr als 7 Prozent zieht nach den Angaben erstmals die AfD in den Düsseldorfer Landtag ein. Die bislang an der Regierung beteiligten Grünen stürzen demnach auf 6,2 Prozent ab. Die Linkspartei kam zunächst auf 5,0 Prozent – stürzte dann aber minimal auf 4,9 und schließlich 4,8 Prozent ab. Sie zittert wohl vergeblich darum, dass ihr dieses Mal der Sprung in den Landtag gelingt.

„Die CDU hat die Herzkammer der SPD erobert“
„Mit allen Demokraten werde ich das Gespräch suchen.“
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Armin Laschet, Vorsitzender und Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein Westfalen.

(Foto: AP)
„Wir müssen überlegen, was war mein Anteil daran?“
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SPD-Vorsitzender und -Kanzlerkandidat Martin Schulz.

(Foto: dpa)
„Ich wünsche [Armin Laschet] eine gute Hand für unser Land. Die Entscheidungen, die getroffen worden sind, dafür übernehme ich persönlich die Verantwortung.“
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Hannelore Kraft zu ihrem Rücktritt als SPD-Landesvorsitzende in NRW.

(Foto: AP)
„Die CDU hat die Herzkammer der SPD erobert. Das ist ein toller Tag für die CDU.“
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Peter Tauber, CDU-Generalsekretär

(Foto: dpa)
„Wir wünschen uns für die Bundestagswahl mehr. Wir sind aber sehr zufrieden.“
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Frauke Petry, Co-Chefin der AfD.

(Foto: dpa)
„Das Signal wäre in erster Linie mal an die SPD: Das es nichts bringt, Frau Kraft hat es nichts gebracht, sich so extrem von den Linken abzugrenzen und dass die SPD keine Glaubwürdigkeit hat, wenn sie meint, mit der FDP soziale Gerechtigkeit machen zu können.“
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Bernd Riexinger, Linken-Chef.

(Foto: dpa)
„Der Schulz-Zug ist ohne Power. Die SPD und ihr Kandidat Schulz sind weiter in Erklärungsnot, wie sie es mit der Linkspartei halten. Experimente am linken oder rechten Rand wird es mit uns nicht geben. Wir machen keine gemeinsame Sache mit Links- und Rechts-Populisten.“
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Volker Bouffier, CDU Ministerpräsident in Hessen.

(Foto: dpa)

Für die SPD ist es bereits die dritte Niederlage in Folge. Erst am vergangenem Wochenende unterlag der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) seinem Herausforderer Daniel Günther (CDU). Vorher konnte CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Stellung gegen Anke Rehlinger (SPD) im Saarland behaupten. Immer wurde NRW als letzter Stimmungstest für die Bundestagswahlen im September bezeichnet, besonders auf SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz erhöht sich damit der Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings erhält Rückendwind.

Der CDU-Finanzpolitiker Jens Spahn findet in Düsseldorf deshalb deutliche Worte. „Der Schulz-Effekt war viel heiße Luft. Das Ergebnis gibt uns Rückenwind.“ Der SPD-Bundeswahlkampf unter dem Schlagwort der sozialen Gerechtigkeit habe sich in NRW gegen die SPD selbst gewandt. „Es geht den Leuten in Deutschland unheimlich gut. Man hat aber einen richtigen Unterschied gesehen zwischen einer erfolgreichen Bundesregierung und der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen“, sagt Spahn.

Schlusslicht NRW
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