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OECD-Studie Deutschland verschenkt Potenzial von Zuwanderern

Die Arbeitsmarktintegration von Migranten in Deutschland macht Fortschritte. Dennoch werden sie zu oft unterhalb ihrer Qualifikation beschäftigt.
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Fast vier von zehn zugewanderten Beschäftigten, die ihren Abschluss im Ausland erworben haben, sind für ihren Job überqualifiziert. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
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Fast vier von zehn zugewanderten Beschäftigten, die ihren Abschluss im Ausland erworben haben, sind für ihren Job überqualifiziert.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Berlin Deutschland hat bei der Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt erhebliche Fortschritte gemacht – trotz des im Schnitt niedrigeren Bildungsniveaus der Migranten. Die Beschäftigungsquote hängt aber stark davon ab, ob die berufliche Qualifikation hierzulande oder im Ausland erworben wurde.

Das sind Kernergebnisse einer internationalen Vergleichsstudie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Untersucht wurde die soziale und wirtschaftliche Integration von Zuwanderern in der Europäischen Union, den OECD-Mitgliedsländern und ausgewählten G20-Staaten.

In Deutschland leben demnach fast 13 Millionen im Ausland geborene Menschen. Hinzu kommen mehr als sechs Millionen in Deutschland geborene Kinder von Migranten. Beide Gruppen zusammen machen 24 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

International liegt Deutschland damit im oberen Mittelfeld, über dem OECD- und dem EU-Durchschnitt. Deutlich niedrigere Quoten von Zugewanderten haben etwa Japan, viele Länder Osteuropas, aber auch Portugal oder Spanien.

Höhere Anteile verzeichnen etwa klassische Einwandererländer wie die USA, Kanada oder Australien, aber auch Frankreich, Österreich, einige baltische Staaten und die Schweiz. Fast 70 Prozent der Zugewanderten leben schon seit mindestens zehn Jahren in Deutschland.

Von den im Ausland geborenen Zuwanderern in Deutschland verfügt gut jeder Dritte nur über ein niedriges Bildungsniveau, hat also eine Schule maximal bis zur zehnten Klasse besucht. Von den Inländern trifft das nur auf jeden zehnten zu.

Geringer sind die Unterschiede bei den Hochqualifizierten, also Hochschulabsolventen oder Meistern. Von den inländischen 15- bis 64-Jährigen verfügen 28 Prozent über einen entsprechenden Abschluss, bei den Zugewanderten sind es 23 Prozent.

Beim Anteil der Hochqualifizierten unter den Migranten liegt Deutschland damit aber weit unter dem Durchschnitt der OECD- und der EU-Länder. Bei der Quote der Geringqualifizierten unter den Zugewanderten liegt Deutschland etwa auf dem EU-Durchschnitt von 34 Prozent, aber deutlich über dem OECD-Schnitt (27 Prozent).

Trotz des vergleichsweise niedrigen Bildungsniveaus der Migranten in Deutschland gibt es bei ihrer Integration in den Arbeitsmarkt aber Fortschritte. So lag die Beschäftigungsquote 2017 bei 67 Prozent.

Bei den Einheimischen ist sie zwar immer noch zehn Prozentpunkte höher. Doch hat die Beschäftigungsquote der Zugewanderten in den zurückliegenden zehn Jahren um rund acht Prozent und damit stärker zugelegt als die der im Inland Geborenen.

Die Arbeitslosenquote ist bei den Zugewanderten in der letzten Dekade sogar fast zweimal stärker gesunken als bei den Inländern. Die Beschäftigungsqualität hängt aber deutlich davon ab, ob Migranten die Qualifikation in Deutschland oder im Ausland erworben haben.

So ist die Beschäftigungsquote bei Zugewanderten mit deutschem Abschluss fast 15 Prozentpunkte höher als bei Migranten, die im Ausland qualifiziert wurden. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, sieht hier Handlungsbedarf. „Wir müssen bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen besser werden“, kommentierte sie die Zahlen.

Denn Deutschland nutzt nicht das Potenzial, das in vielen Zugewanderten steckt. So sind fast vier von zehn zugewanderten Beschäftigten, die ihren Abschluss im Ausland erworben haben, für ihren Job überqualifiziert. Bei den im Inland geborenen Beschäftigten und Migranten mit deutschem Abschluss liegt die Quote bei weniger als 20 Prozent.

„Insgesamt ist der Trend bei der Integration von Zuwanderern in Deutschland positiv und gelingt besser als in Ländern mit vergleichbarer Migrationsgeschichte“, sagt OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Trotz dieser positiven Entwicklungen bestehe aber weiterhin Handlungsbedarf vor allem bei den Geringqualifizierten, Frauen sowie Kindern von niedrigqualifizierten Zuwanderern.

So zeigt sich, dass die Beschäftigungsquote zugewanderter Frauen stärker hinter der von Einheimischen zurückliegt als bei den Männern. Auch erreichen in Deutschland geborene Kinder von Migranten deutlich häufiger nur ein niedriges Bildungsniveau als Kinder von Einheimischen.

Das Gefühl, wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe oder Nationalität in Deutschland diskriminiert zu werden, verspüren nur elf Prozent der Zugewanderten. In außereuropäischen Ländern geborene Migranten fühlen sich aber häufiger benachteiligt als zugewanderte EU-Bürger.

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