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OECD-Studie Familienministerin Giffey will den Erzieherberuf weiter aufwerten

Mit ihrem Gute-Kita-Gesetz hat Franziska Giffey Erfolg. Aus einer OECD-Studie entwickelt sie neue Maßnahmen, die den Erzieherberuf aufwerten sollen.
14.06.2019 - 19:04 Uhr Kommentieren
„Penetranz schafft Akzeptanz.“ Quelle: dpa
Franziska Giffey

„Penetranz schafft Akzeptanz.“

(Foto: dpa)

Berlin Franziska Giffey strahlt, als sie am Freitagmorgen im Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vor die Presse tritt. Am Vortag hatte Sachsen als fünftes Bundesland den Vertrag zum Gute-Kita-Gesetz unterschrieben, mit dem die Regierung 5,5 Milliarden Euro bis 2022 an die Länder auszahlt.

Doch das reicht der Familienministerin nicht. Am Freitag hält sie ein entschlossenes Plädoyer für die frühkindliche Bildung. Gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat das Familienministerium einen Blick auf die Bildungspolitik anderer Länder geworfen und sich Inspiration für Verbesserungen rund um den Erzieherberuf in Deutschland geholt. Acht Zukunftsmaßnahmen stehen am Ende auf der Agenda.

So soll der Status des Erzieherberufes gefördert, die Vergütung verbessert und die Praxis in der Erzieherausbildung gestärkt werden. Auch Strategien zur weiteren Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher sowie die berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung sollen stärker gefördert werden. Generell sollen die Arbeitsbedingungen in der frühkindlichen Betreuung verbessert und auch alternative Wege in den Berufszweig eröffnet werden. Auch die Männerquote im Kita-Bereich soll steigen.

Die frühkindliche Bildung ist neben der Unterstützung einkommensschwacher Familien sowie dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung eine der Prioritäten, die Giffey in ihrem ersten Amtsjahr gesetzt hat. Damit arbeitet sie auch die Anforderungen des Koalitionsvertrags ab. Im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes sollen nun Milliarden Euro an die Länder fließen. „Ich setze mich dafür ein, dass dieses Geld entfristet wird“, sagt Giffey. Die Aufgabe qualifizierte Fachkräfte zu finden, auszubilden und damit eine gute Kita-Betreuung zu gewährleisten, werde nicht innerhalb der nächsten vier Jahre erledigt sein.

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    Ihre Logik: Das Geld, was Deutschland in die Bildung in den ersten Lebensjahren steckt, kann später an anderer Stelle, etwa bei Sozialleistungen oder Betreuungskosten gespart werden. „Jeder investierte Euro heute spart im schlimmsten Fall später die Knastplätze“, erklärt Giffey.

    Eltern verlieren Vertrauen in Bildungseinrichtungen

    Doch viele Eltern haben das Vertrauen in die Bildungseinrichtungen verloren. Das liegt auch an den zahlreichen Streiks der Erzieherinnen und Erzieher in den vergangenen Jahren. Krankheitsübertragung und Stress für das Kind bereiten zusätzlich Sorgen. Giffey berichtet von 42 Prozent aller Eltern in Westdeutschland, die glauben, es würde ihrem Kind schaden, wenn sie es unter drei Jahren in die Kita stecken. In den östlichen Bundesländern seien es nur 26 Prozent.

    „Gute Kita-Zeit tut jedem Kind gut“, sagt die SPD-Politikerin, „das Spielen mit den anderen Kindern, das gemeinsame Erleben in der Gruppe, das ist unersetzbar.“ Die Kinder haben so die Chance, ihre Sozialkompetenz früh zu schulen und auch ihre sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern. Einigen Studien zufolge sollen Krippenkinder zudem höhere Bildungschancen haben als jene, die zuhause gehütet wurden.

    Ohne gut ausgebildete Fachkräfte geht das nicht. Schon seit Jahren haben die Kindertageseinrichtungen mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Ein Grund dafür ist neben dem geringen Gehalt die fehlende Ausbildungsvergütung. Oft muss sogar Schulgeld bezahlt werden. Ein anderes Problem ist das Ansehen des Erzieherberufs. Aus dem Publikum kommt zustimmendes Lachen von den anwesenden Erzieherinnen und Erziehern als Giffey betont, dass der Job mehr sei als bloß Füttern und Wickeln. Die Berliner Erzieherin Alice Christina Grapatin erzählt davon, wie unterschätzt sie sich fühlt, wenn ihr die Eltern am Morgen „viel Spaß“ wünschen. In der Gesellschaft, so der allgemeine Konsens, werde der Erzieherberuf oft als Babysitter missverstanden.

    Einige der Missstände, die auch in der OECD-Studie genannt werden, will Giffey im Rahmen einer bundesweiten Fachkräfteoffensive angehen. „Wir fördern die drei Ps fürs Personal: Praxisintegrierte, vergütete Ausbildung. Praxisanleitung. Und Perspektiven für die Weiterqualifizierung und die weitere Entwicklung.“

    Am Beispiel der Stuttgarter Fachschule für Sozialpädagogik zeigt sich, dass mit einer gerechten Bezahlung nicht nur der Personalmangel als solcher, sondern auch die niedrige Männerquote gelöst wird. Die PiA (praxisintegrierte Ausbildung) ist eine Ausbildung, die mit 1.000 Euro im Monat vergütet wird. „An der Stuttgarter Schule gibt es 75 Plätze und 450 Bewerber. Davon sind 40 Prozent Männer“, erzählt Giffey. Bei einem Besuch habe sie von den Bewerbern erfahren, dass sie die Ausbildung ohne die entsprechende Bezahlung aufgrund von Familie und Miete niemals hätten beginnen können.

    Vorbild Industrie

    In der Industrie sei diese Botschaft längst angekommen. Dort gäbe es in den meisten Fällen flächendeckend eine gute Ausbildungsvergütung: „Wir müssen das für die sozialen Berufe auch einfordern.“

    Für Pflegeberufe ist das schon geschehen. Ab 2020 soll in allen Pflegeberufen eine Ausbildungsvergütung eingeführt und das Schulgeld abgeschafft werden. Ab diesem Sommer will der Bund außerdem 2.500 Träger in der frühkindlichen Bildung unterstützen. Laut Giffey fördere der Bund die praxisintegrierte, vergütete Ausbildung mit 1.100 Euro im ersten, 1.200 Euro im zweiten und 1.300 Euro im dritten Jahr. Bislang haben sich mehr als 8.000 Träger dafür beworben.

    Ihren Politiker-Kollegen im Bundestag, die sich oft wundern, weshalb der Bund  an dieser Stelle die Aufgabe der Länder übernehmen soll, legt Giffey schließlich noch nahe, dass es sich hierbei um eine nationale Zukunftsaufgabe handele. Das liege ihr am Herzen. Deshalb gibt sie nicht auf, für die Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung zu arbeiten. Ihr Motto: „Penetranz schafft Akzeptanz.“

    Mehr: Auch die Erzieherbranche leidet unter einem Fachkräftemangel. Welche Auswirkungen das hat, zeigt eine Studie.

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