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OECD-Studie Kluft zwischen Top-Schülern und Schulversagern etwas verringert

Noch immer sind die Chancen in deutschen Klassenzimmern ungleich verteilt: Die soziale Herkunft bestimmt über den Erfolg. Die OECD fordert mehr Geld und frühere Bildung.
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In Deutschland erreichen Akademiker-Kinder deutlich häufiger hohe Abschlüsse als Kinder von Eltern mit niedrigeren Abschlüssen. Quelle: dpa
Schulkinder auf dem Heimweg

In Deutschland erreichen Akademiker-Kinder deutlich häufiger hohe Abschlüsse als Kinder von Eltern mit niedrigeren Abschlüssen.

(Foto: dpa)

Berlin Der Schock der ersten Pisa-Studie wirkt bis heute: Denn die Probleme von damals sind heute, 17 Jahre später, noch immer nur teilweise behoben. Damals schnitten deutsche Schüler im internationalen Vergleich der OECD nicht nur schlecht ab, die Schulen schafften es so schlecht wie in kaum einem anderen Land, Unterschiede in den Elternhäusern auszugleichen.

Seither hat Deutschland bei der Chancengleichheit „moderate Verbesserungen erzielt“, heißt es in einer neuen Auswertung der Pisa-Studien durch die OECD. Doch die Bundesrepublik hinkt international noch immer weit hinterher. Angesichts der in den vergangenen Jahren wachsenden Einkommensungleichheit sei es zudem noch dringlicher als früher, die Chancengerechtigkeit in der Schule zu verbessern, mahnt die OECD.

Konkret erreichten die 15-jähringen Schüler aus benachteiligten Familien beim jüngsten Pisa-Test 2015 etwa in den Naturwissenschaften 466 Punkte – ihre Kameraden aus privilegierten Elternhäusern erzielten 103 Punkte mehr.

„Das entspricht rund drei Schuljahren“, erläuterte Pisa-Koordinator Andreas Schleicher. OECD-weit liegt die Kluft bei nur 88 Punkten im Schnitt. Und Länder wie Hongkong, Algerien und Island schaffen es, die Unterschiede in den Elternhäusern fast gänzlich auszugleichen.

Schleicher gesteht dem deutschen Schulsystem aber immerhin zu, dass sich die Kluft zwischen Top-Schülern und Schulversagern zumindest etwas verringert hat. Negativ sei aber nach wie vor, dass sich hierzulande benachteiligte Schüler vielfach unter sich sind, also die Mehrheit an bestimmten Schulen stellen. Eine bessere Mischung mit besseren Schülern habe sich in anderen Ländern positiv ausgewirkt – ohne den besseren Schülern zu schaden.

Das Resultat der sozialen Kluft zeigt sich bei den Erwachsenen: Nur knapp 15 Prozent der Erwachsenen mit Eltern ohne Abitur erreichen in Deutschland ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Im Durchschnitt der meisten OECD-Länder sind es immerhin 21 Prozent. In Neuseeland schließen rund 39 Prozent dieser Menschen ein Studium ab, in Finnland 34 Prozent, in Tschechien dagegen nur 3,6 Prozent.

Immerhin schafft fast jeder vierte in Deutschland einen höheren Bildungsabschluss als die Eltern. Im OECD-Durchschnitt sind es mit 41 Prozent jedoch deutlich mehr, in Korea sogar 57 Prozent, in Finnland 55 Prozent.

Die deutschen Kultusminister haben in den Jahren seit dem Pisa-Schock zwar diverse Reformen umgesetzt, teilweise aber auch wieder abgewickelt. Vielfach wurden etwa Haupt- und Realschulen zu sogenannten Mittel- oder Oberschulen zusammengelegt. Das achtjährige Gymnasium wurde eingeführt, wird aber nach massiven Protesten der Eltern inzwischen vielfach wieder abgeschafft.

Deutlich ausgebaut wurde die frühkindliche Bildung. Allerdings sind es vor allem benachteiligte Kinder, die erst gar nicht in die Kita geschickt werden. Zudem fehlen fast 300.000 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Das ist vor allem für die Kinder fatal, deren Eltern nicht Deutsch sprechen. Sie lernen die Sprache oftmals viel später als ihre Altersgenossen.

Die OECD empfiehlt Deutschland deswegen auch den Ausbau der Kinderbetreuung für Migranten und Schichten mit geringen Einkommen. Mehr Geld bräuchten vor allem Schulen in Problembezirken und benachteiligte Schüler.

Während etwa in Skandinavien schwächere Schüler regelmäßig zusätzlich in Mini-Gruppen unterrichtet werden, fehlt dafür in Deutschland meist das Geld – und angesichts des aktuellen Lehrermangels derzeit auch das Personal.

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1 Kommentar zu "OECD-Studie: Kluft zwischen Top-Schülern und Schulversagern etwas verringert"

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  • Ja, das Elternhaus hat grossen Einfluss im Werdegang der Kinder. Aber das wird nicht ueber
    das Einkommen bestimmt, sondern ueber die Hinwendung der Eltern. Natuerlich haben
    verantwortliche und fuersorgliche Eltern im Schnitt auch mehr Einkommen. Der Staat
    kann dafuer sorgen, dass niemand von Bildung aus finanziellen Gruenden ausgeschlossen
    wird aber in kann nicht ins Elternhaus hineinregieren.

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