Öffentliche Finanzen Die vielen Finger des Staates

Pro Einwohner gibt Deutschland 14 250 Euro pro Jahr aus. Egal ob mit direkten Leistungen oder mit Steuervergünstigungen – der Staat ist heute allgegenwärtig.  Die Zeche dafür zahlt die Mittelschicht.
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Peer Steinbrück (r, SPD) und sein Nachfolger als Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Amtsübergabe in Berlin. Quelle: dpa

Peer Steinbrück (r, SPD) und sein Nachfolger als Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bei der Amtsübergabe in Berlin.

(Foto: dpa)

Düsseldorf„I love cash“, rappte 2008 der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im Internet. Vom Besucher der Seite wahlweise mit Afro-Look, Baseball-Kappe oder Gangster-Tuch auszustatten, war „RapPeer” als groovender DJ zwischen Bikini-Mädchen vor zwei Plattentellern zu sehen. „Es macht keinen Sinn, wenn wir uns ins Koma sparen – I love cash“, schallte es durch das Web.
Steinbrück selbst soll laut gelacht haben, als er die Website zum ersten Mal sah, erinnert sich sein damaliger Sprecher. Das Ganze war eine Gratis-Beigabe der Werbeagentur des Finanzministeriums Artegic. Heute sind zwar nur noch Ausschnitte auf der Videoplattform Youtube zu finden. Doch nach Bankenkrise, Weltrezession und Euro-Rettung braucht Steinbrücks Nachfolger Wolfgang Schäuble „Cash“ dringender denn je.

Denn der Staat ist allgegenwärtig. Fast jeder zweite Euro, der in Deutschland erwirtschaftet wird, geht durch eine der vielen öffentlichen Hände. Volkswirte messen mit der Staatsquote, dem Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt, den Einfluss der öffentlichen Hand. In den sechziger Jahren stieg diese Quote von 33 auf 39 Prozent, Ende der 70er-Jahre lag sie bei 46,5 Prozent – und damit fast exakt auf dem Niveau von 2010. Allerdings hatte die Quote 1995 im Zuge der Finanzierung der Deutschen Einheit die 50-Prozent-Marke durchbrochen, um dann bis zum Ausbruch der Finanzkrise wieder auf 43,6 Prozent sinken.

Im Jahr 2010, dem ersten nach der großen Krise, gaben die verschiedenen staatlichen Ebenen unvorstellbare 1 164 Milliarden Euro aus und damit soviel wie nie zuvor. Pro Einwohner waren das 14 250 Euro. Umgerechnet auf eine vierköpfige Familie heißt das, dass diese Familie Monat für Monat für 4 750 Euro staatliche Leistungen bekommt.

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10 Kommentare zu "Öffentliche Finanzen: Die vielen Finger des Staates"

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  • Jeltzin hatte Russland an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, Kohl ebenfalls, die Deutschen verkommen zur lächerlichen lachnummer stehen da schauen nach oben und bekommen Zetarbeit, Schulden,gesellschaftliche auflösung als medizin. da sind andere Nationen anders.so einen Leiharbeiter zu belächeln so den schwachen treten das ist euer ding. hat euch aber nicht wirklich etwas gebracht. Wer stillhält geht vor den Pflug, man lacht wirklich über euch so unter der rubrik Gähnen ja ja wer hat das gesagt ein Deutscher, schlaf weiter unwichtig.Ho,HO,Hochimin

  • Der Artikel war zu optimistisch. Eigentlich ist die Berappung noch viel schlimmer. Man muß ins Detail gehen und den jeweils sehr komplizierter Fall der Abzocke (offensichtlich gewollte Verschleierung) zu beschreiben. Dafür reicht aber ein Artikel nicht, das wäre ein dickes Buch. Auch über die vermeintlichen "Wohltaten" des Staates wie die zynische Riester-Rente und sogenannte staatliche Prämien müsste man im Detail aufklären. Die Zeiten, als man den Staat als Vater-Staat bezeichnete sind definitiv verflogen. Selbst die Zyniker, Politiker und staatsgläubige Naive ersparen sich heute das Adjektiv, wenn sie nicht ausgelacht werden wollen. Und die Gleichberechtigung vor dem Fiskus und den Sozialkassen ? Die Gleichberechtigung bei den Leistungen? Eine Lachnummer nach der Anderen-!! Wenn es nicht so traurig wäre! Vorwärts zum ökologisch-existierendem Sozialismus!

  • bis zum 24. lebensjahr durften meine eltern alles für mich bezahlen; für die 170 DM, die ich dann endlich monatlich "verdiente", musste ich schriftlich erklären, sie auf heller und pfennig im falle einer verehelichung, schwangerschaft oder ähnlicher ungebührlichkeiten zurückzuzahlen....
    wie sich die zeiten in D doch geändert haben!

  • So, so die Eheleute zahlen 23.690 € Steuern. Wollen Sie die Leser veräppeln oder wie ist das zu verstehen, wenn hier suggeriert wird, die 100.000 € seien voll zu versteuern. Da sind zunächst Werbungskosten, die die zu versteuernden Einkünfte mindern, hinzu kommen die Freibeträge für zwei Kinder und die Anrechnung der Vorsorgepauschale u.a.m., die noch einmal das zu versteuernde Einkünfte erheblich mindern. Im Übrigen liegt die Steuerquote in Deutschland bei etwas über 19% was ist im internationalen Vergleich sehr wenig ist. Außerdem wird hier so getan, als würde der Staat nur kassieren und nichts an die Bürger zurückgeben. Das ist schlicht falsch. Der Staat gibt die Steuer- und Sozialeinnahmen an seine Bürger in Form von Sozialleistungen, Infrastruktur, Schulen, Renten, Arbeitslosengeld u.a.m. zurück. Das betrifft eben nicht nur die Hatz IV-Berechtigten. Die Quote der Sozialausgaben in Deutschland liegt bei knapp 30% des BIP und das seit 30 Jahren. Hier davon zu schwafeln, der Sozialstaat koste immer mehr, ist dümmliche Meinungsmache. Gesamtwirtschaftlich profitiert Deutschland auch von den Subventionen für Opernhäuser, Theater und Museen? Unseriös und verlogen ist deshalb eine Debatte, die auf derart plumpe unqualifizierte Weise den Menschen einreden will, das sei alles Verschwendung von Steuergeldern. Die Menschen glauben diesen Unsinn auch nicht mehr. Der Neoliberalismus ala FDP mit seiner Klientelpolitik hat abgewirtschaftet und wird auch nicht durch diese Art von Kampagnenjournalismus wieder zum Leben erweckt. Nur zur Orientierung, die pro Kopfverschuldung in der Schweiz ist höher als in Deutschland, ohne dass sich die Schweiz ein derart sinnentleerte Diskussion erlauben würde, wie der Mainstreamjournalismus deutscher Wirtschaftsblätter.

  • Die Kosten der Geburt übernimmt die gesetzliche Krankenkasse, an die Eltern zahlt der fürsorgliche Staat Eltern- und Kindergeld, er finanziert den Kindergarten, die Schule, die Musikschule
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    Dass mit der Krankenkasse stört mich ein wenig, denn die wird vom Beitragszahler finanziert. Der Staat müßte kein Geld reinlegen, wenn er nicht vorher ständig Geld entnehmen würde
    Dass von der CDU gemachte Elterngeld ist der größte Mist und dient nur den Besserverdienern, also weg damit.
    Kindergeld für Reiche weg damit.
    Das haben eiche und auch einige Politiker schon gefordert
    Diese neuerliche Förderung von Solardächern ist auch so ein Unsinn, der Hausbesitzer wird wohl in der Lage sein, sich so ein Dach anzuschaffen. Wenn seine Heizung defekt ist muß er den Einbau einer neuen auch selbst zahlen.
    Wieso soll ich meinem Nachbarn ein Solardach zahlen?
    Diesen Solarunsinn zahlen wir alle über unseren Strompreis. Ca. 42% unseres Strompreises sind Abgaben und Steuern für den Staat. Beim Benzin ist es noch mehr
    Und z. B. Musikschule? Was wird denn da gefördert?
    Als mein Sohn als Schüler nachmittags in die Musikschule ging zum Klavierunterricht mußte ich so richtig viel Geld auf den Tisch legen. Also wieso braucht so eine Schule, die ja privat ist, noch Geld vom Staat?
    Wir müssen endlich alles auf den Prüfstand stellen und solche Artikel gehören eine ganze Woche lang jeden Tag auf die erste Seite aller Tageszeitungen, damit der dumme deutsche Michl mal aufwacht.
    Dann haben wir unter Merkel besonders, jede Menge Subventionen an die Wirtschft, was nun überhaupt nicht gehen kann. Wir haben doch längst Planwirtschaft
    Wer in diesem Land noch arbeitet, ist der absolut Dumme.
    Vergessen wurde in dem Artikel auch die ca. 80Mrd, im Jahr für falsche Zuwanderung.
    Vergessen wurde auch die Förderung von ausländischen Studenten die hier alle umsonst studieren.
    Schicken wir unsere Kinder ins Ausland zum Studium müssen wir bezahlen.

  • Wir wollen ein Sozialstaat sein, daher gibt es viel was umverteilt wird. Dabei wird ein Fehler gemacht und der seit Jahrzehnten, wir leben über unsere Verhältnisse, die Hauptschuld daran trägt die Politik die der einen Gruppe mit Sozialgeschenken und der anderen Gruppe mit Steuergeschenken und einer weiteren Schicht mit Rentengeschenken gerecht werden will, um wieder gewählt zu werden.
    Neben diesem Fehler wird die wichtigste Frage zu selten gestellt und vor allem nicht beantwortet.

    Was ist Sozial? Ist es sozial fast 70% Steuern und Abgaben / Liter Benzin zu verlangen?

    Ist es sozial, Menschen in Minijobs zu treiben?

    Mit welchem Recht wird ein Schuldenberg angehäuft und eine monetäre Verpflichtung eingegangen die diese Volkswirtschaft an den Rande ihre Leistungsfähigkeit bringt?

    Ist es sozial, zuzulassen, dass Unternehmen Millardengewinne erwirtschaften und ihre Mitarbeiter knapp über den Hartz IV Sätzen bezahlen?

    Ist es sozial, dass mehr als die Hälfte eines Jahreseinkommens vom Staat über Steuern und Abgagen geschröpft werden? Im Geschichtsunterricht so erinnere ich mich wurden die Umstände des Mittelalters, jedes Zehnt soll abgegeben werden als besonders gierig und verwerflich dargestellt, heute ist es schon jedes Zweite, wo ist die Verbesserung?

  • Klassische Politik kann die Probleme nicht lösen die über die Jahre hin entstanden sind. Denn sie bekämpft nur Symptome und versucht mit Geldmitteleinsatz die Strukturen aufrecht zu erhalten, was über kurz oder lang nur dorthin führt, wo sich alle vehement dagegen wehren. Wie gesagt, es sind nur Symptome; und die werden solange nicht verschwinden - ganz im Gegenteil - bis wirksame Lösungsmuster gefunden sind. Diese findet man allerdings nicht im mehrheitlich vorhandenen Wissen.

    Der Begriff, der hier näher betrachtet werden muss ist nicht Mittelschicht, sondern Mittelstand. Er bildet die ökonomische Basis unserer Gesellschaft (Gewährlsitung der Lebensgrundlagen) und die Unternehmen, die ihn ausmachen, sind den globalen Anforderungen in keiner Weise gewachsen.

    Solange das jedoch kollektiv wegtoliert wird, weil man der Meinung ist, dass der Mensch stets im Zentrum allen Denkens und Handelns und somit auch der erzeugten Schuld steht, solange wird sich der Krampf weiter fortsetzen.

    Solange man sich nicht für Neues öffnet, solange wird alles beim Alten bleiben.

  • Das Schweizer Vorbild gefällt mir gut! Wir sollten alles dafrü tun, diese Botschaft zu verbreiten und zu prüfen, in welcher Form wir so etwas in Deutschland leben können!

  • Ich finde das dieses System gegen Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstößt. Die "Einen" bekommen Wohnungsbauprämie,Steuervergünstigungen und andere "Wohldaten",die "Anderen" müssen dafür bezahlen. Mann sollte dies alles abschafften. Hintergrund der staatlichen Alimentierung ist nur die Bürger in die gewünschte Richtung zu drängen oder die Versicherungskonzerne Reich zu machen. Nehmen wir Rister- Abschlußgebühr, Verwaltungsgebühr und wenn man Pech hat keine Rendite. Verlegt man seinen Wohnsitz z.B. von Deutschland nach Östereich zahlt man die staatl. Förderung komplett zurück.

  • Als ob es den größten Sozialtransfer in der Geschichte der Bundesrepublik nicht gegeben hätte! 400 Milliarden Euro (mindestens) wurde zur Rettung der Bankeneinlagen-Besitztümer der Ober- und Mittelschicht bereitgestellt. Die Familie Schröder war bestimmt auch unter den Nutznießern. Hartz-IV-Kinder und Niedriglöhner werden es finanzieren müssen.

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