Ökonomen vs. Krisenpolitik „Platzt der Euro, droht Deutschland der Bankrott“

Thilo Sarrazin ist wieder da. Aber nicht als Euro-Kritiker. Als Moderator einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde lässt er diesmal andere die Politik der Euro-Retter zerpflücken - mit interessanten Einsichten.
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Euro-Graffiti, dahinter das Brandenburger Tor in Berlin. Quelle: Reuters

Euro-Graffiti, dahinter das Brandenburger Tor in Berlin.

(Foto: Reuters)

BerlinNein, zur Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) will er nicht wechseln. Und auch weitere Überzeugungsversuche aus dem Publikum bügelt Thilo Sarrazin mit der Bemerkung ab: „Solche Fragen sind ab sofort nicht mehr zugelassen.“ Da ist er wieder ganz der Alte: Sarrazin, der Ex-Bundesbanker, Ex-Finanzsenator, Ex-Finanzstaatssekretär, der nie ein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, Reizthemen offen und zugespitzt mit eigentümlichen Argumenten zu zerpflücken. Nur an diesem Dienstagabend im Ludwig-Erhard-Haus im Berliner Bezirk Charlottenburg will er nicht selbst im Mittelpunkt stehen. Deshalb mag er diese Fragen nach einem Parteiwechsel auch nicht. Heute soll es nicht um ihn gehen. Heute reden andere. "Ich muss mich heute absolut zurückhalten", verspricht Sarrazin.

Heute geht es um den Euro und darum, was wir eigentlich von den Euro-Rettungsbemühungen der Rettungspolitiker haben, oder ob Deutschland vielmehr nicht dabei ist, sich zumindest langfristig selbst gegen die Wand zu fahren, weil es sich möglicherweise mit den ganzen Finanzhilfen und Bürgschaften für die Krisenstaaten zu viel aufbürdet. „Der Euro gerettet – Deutschland ruiniert?“ heißt der provozierende Titel der Podiumsdiskussion, zu der der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller geladen hat. Und Polit-Provokateur Sarrazin wurde als Moderator verpflichtet. Ein Job, der ihm sogar einigermaßen leicht fällt. Denn er bestimmt an diesem Abend die Marschrichtung und weist den Diskutanten den Weg.

Genüsslich kann er mit ansehen, wie die breite Meinungsfront der Euro- und EZB-Kritiker, bestehend aus dem früheren Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, dem AfD-Chef Bernd Lucke und dem in Spanien lehrenden Ökonomen Philipp Bagus, auf die einzige Euro-Befürworter-Stimme in der Runde, den Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, trifft. Immerzu sieht sich Schmieding in einer Art Verteidigungshaltung, weil er die Lage weitaus rosiger sieht als die anderen. Für ihn läuft alles glatt, richtig bilderbuchmäßig, für die anderen schief und risikoreich.

Krisenstaaten wie Griechenland nennt Schmieding „Reform-Spitzenreiter“, weil sie, wie die OECD ermittelt habe, schon ein gutes Stück ihres strukturellen Anpassungsprozesses in Angriff genommen und teilweise sogar schon erfolgreich umgesetzt hätten. Stark, der einst dicht dran war, als in der EZB Entscheidungen zur Rettung des Euro getroffen wurden, die ihm allerdings derart missfielen, dass er das Weite suchte und seinen Posten abgab, widerspricht.

Die „kritische Masse an Reformen“ in Griechenland, also der Moment, wo die Anstrengungen sich auch in Wachstum niederschlagen, seien bisher nicht erreicht worden, sagt er. Es sei daher „eine Illusion, zu glauben, dass wir dabei sind, die Krise zu überwinden“. Dass die Investoren derzeit Ruhe bewahrten, liege allenfalls an den internationalen Finanzhilfen für die klammen Euro-Peripherieländer. „Die Märkte sind durch die Hilfsprogramme ausgeschaltet“, konstatiert er nüchtern.

AfD-Chef Lucke mit Werbung in eigener Sache
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170 Kommentare zu "Ökonomen vs. Krisenpolitik: „Platzt der Euro, droht Deutschland der Bankrott“"

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  • Endlich wurde mal offen und tabufrei diskutiert.
    So langsam dämmert es dem Normalbürger, dass es schon lange vor der EURO-Krise qualifizierte Kritiker der alternativlosen Einheitsmeinung gab.
    Schade, dass diese Debatte nicht zur Primetime gesendet wurde.
    Reinhard "Hardy" Rupsch

  • @Fredi
    Hoehere Löhne in Deutschland lösen die Wettbewerbsprobleme in GR nicht.
    Im September kommt meine Quittung.
    Ich wähle die Alternative für Deutschland.

  • @Rainer_J
    Mein BlackBerry PlayBook macht leider auch manchmal Probleme mit den Umlauten. Trotzdem bin ich kein Agent;-))

  • Wer will Menschen mit Verstand nahebringen, dass die AfD schlecht für Deutschland ist?

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Dieser Irrsinn ist absolut unschlagbar...
    =========================================

    Da probiere ich lieber mal etwas NEUES,

    AfD (Alternative für Deutschland)

    vielleicht sind das zur Abwechselung mal keine Totalversager wie bei den Blockparteien...

    Die Hoffnung stirbt zu letzt!

    Trümmerhaufen Deutschland hat jede Chance verdient, etwas NEUES zu wagen!

    "Gruselig haben wir es doch jetzt schon!"
    +++++++++++
    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Irgendwann kommt in Europa der große Knall
    Walter Krämer, Initiator des Ökonomen-Aufrufs von 2012, glaubt nicht an eine Wende zum Guten in der Euro-Krise.

    http://www.wiwo.de/politik/europa/walter-kraemer-irgendwann-kommt-in-europa-der-grosse-knall/8364538.html

  • Techniken zur Verwässerung, Irreführung und Kontrolle eines Internetforums

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/redaktion/cointelpro-techniken-zur-verwaesserung-irrefuehrung-und-kontrolle-eines-internetforums.html

  • @ Rechner


    Zitat : Denn er begreift nicht, daß nach erfolgter Strukturanpassung auch die Rezession vorbei ist

    - das ist wohl eher eine Lösung ala Rechner......sim-salabim.....wir erklären jetzt die Rezession für beendet......weil wir die Strukturanpassung gemacht haben......in Gr. z.B. den Rundfunk dicht gemacht haben...??!!
    Von welcher Strukturanpassung labern Sie ?

    Zitat : Er begreift anscheinend ebensowenig, daß die Rezession als Ablassen der Kreditblase ein erforderlicher Teil der Strukturanpassung ist

    - selten so einen Unsinn gehört.......

    Zitat : In den positiven Leistungsbilanzen von Spanien, Italien und Portugal zeigt sich eine Gesundung dieser Volkswirtschaften.

    - eher in Ihrer Fantasie....?

  • O-Ton Sarrazin
    ----------------
    Gab es wirklich einen Grund für die EZB, Anleihen der Krisenstaaten zu kaufen und eine unbegrenzte Kauf-Garantie auszusprechen?
    ----------------

    Die in der Frage implizierte "unbegrenzte Kauf-Garantie" der EZB gibt es allerdings nur in Sarrazin's Phantasie.

    ...

    Macht aber nix - so sind sicher 20 Wutbürger mehr in den Saal geströmt.

    ...

    Der OMT-Beschluß des EZB-Rates ist HIER:

    http://www.ecb.int/press/pr/date/2012/html/pr120906_1.en.html

    Ich wäre dem Herrn Sarrazin verbunden, wenn er mir dort die "unbegrenzte Kauf-Garantie" zeigen könnte.

    Ansonsten gilt auch für Sarrazin: "Wenn man keine Ahnung hat - besser die Klappe halten".

  • O-Ton Lucke
    -----------------
    AfD-Chef Lucke weist auf ein doppeltes Problem der Euro-Rettungspolitik hin. Von den Krisenstaaten werde erwartet, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit verbesserten, zugleich aber ihre Überschuldung in den Griff bekämen. Beides passe aber nicht zusammen. Denn die Strukturanpassungen führten die Länder geradewegs in eine tiefe Rezession, was wiederum auf ihrer Schuldentragfähigkeit laste.
    -----------------

    Und genau da liegt Luckes Denkfehler.

    Denn er begreift nicht, daß nach erfolgter Strukturanpassung auch die Rezession vorbei ist.

    Er begreift anscheinend ebensowenig, daß die Rezession als Ablassen der Kreditblase ein erforderlicher Teil der Strukturanpassung ist.

    Weshalb seine Sicht der Schuldentragfägigkeit schablonenhaft und verkehrt ist.

    In den positiven Leistungsbilanzen von Spanien, Italien und Portugal zeigt sich eine Gesundung dieser Volkswirtschaften.

    Die ALTernativen Politpromis Sinn, Sarrazin und Co. schlachten das den Fakten nachlaufende Publikumssentiment noch aus solange es geht.

    Denn nächstes Jahr dürfen Sie ihre Schauermärchen vor leeren Sälen erzählen.

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