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Ökonomenstreit Ifo-Institut widerspricht OECD – Wie ungerecht ist Deutschland wirklich?

Das Ifo-Institut hält eine OECD-Studie zur sozialen Durchlässigkeit für handwerklich schlampig. Aufstiegschancen seien deutlich größer als behauptet.
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Die ifo Kritisiert, dass die Auswertungen der OECD-Studie Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht aussehen ließ. Quelle: dpa
Ungleiche Chancen

Die ifo Kritisiert, dass die Auswertungen der OECD-Studie Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht aussehen ließ.

(Foto: dpa)

Berlin Die Studie schlug Wellen: Deutschland sei ein furchtbar ungleiches Land, lautete das Ergebnis einer OECD-Untersuchung, die im August veröffentlicht wurde. Sage und schreibe sechs Generationen dauere es, bis sich der Nachfahre eines Niedrigverdieners in die Mittelschicht vorgekämpft hat, konstatierten die Forscher der Industrieländerorganisation in der Untersuchung. Im OECD-Schnitt seien es viereinhalb Generationen.

Die Reaktionen hierzulande fielen entsprechend aus. „150 Jahre arm“, titelte etwa „Spiegel Online“. Ausgerechnet in Deutschland, das so viel auf sein Sozialsystem und damit verbundenen sozialen Ausgleich hält, haben die Nachfahren aus Familien in armen Verhältnissen besonders schlechte Aufstiegschancen.

Doch nun gibt es Zweifel an der Aussagekraft der Studie. Denn ein Team um Ifo-Forscher Andreas Peichl kommt zu ganz anderen Ergebnissen als die OECD. Laut den Forschern dauert es deutlich kürzer, nämlich zwei bis vier Generationen, bis ein Nachkomme einer Person aus der untersten Einkommensklasse ein Durchschnittseinkommen erzielt. Der Grund für den Unterschied: Das Ifo wirft der OECD vor, nicht sauber gearbeitet zu haben.

Die Organisation habe einige „ungewöhnliche Annahmen“ gewählt, sagt Peichl. „In der Summe erhält man ein Ergebnis, das ein echter Ausreißer ist und Deutschland im internationalen Vergleich sehr schlecht aussehen lässt.“ Sein Fazit: Die Ergebnisse der OECD seien „alarmistisch“, und das auf Basis einer „fragwürdigen Methodik“.

Beispielsweise seien Selbstständige von der Betrachtung ausgeschlossen, wodurch das Ergebnis negativ verzerrt werde. Auch komme die OECD auf ein Maß an Chancenungleichheit, das vollständig von allen bisherig gängigen Ergebnissen abweiche.

Nehme man statt der OECD-Zahlen die gesamte Bandbreite bisheriger Forschungsergebnisse, komme man auf zweieinhalb bis vier Generationen, die es dauere, bis ein Nachfahre einer armen Person Armut hinter sich gelassen habe.

Dies bedeute natürlich nicht, dass alles in Butter sei, so Peichl. Auch hierzulande gebe es „großen Reformbedarf bei der Förderung von Kindern aus benachteiligten Elternhäusern, beim Kita-Ausbau oder der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund“. Die OECD-Studie aber, so Peichl, müsse man mit Vorsicht genießen.

Immer wieder streiten Ökonomen erbittert über die Frage, wie groß die Ungleichheit in Deutschland und wie schwer der soziale Aufstieg hierzulande genau sind.

Schon einmal gab es Streit zwischen der OECD und Ifo-Forscher Peichl. In einer Studie hatte die OECD geschrieben, die hohe Ungleichheit würde Deutschland viel Wirtschaftswachstum kosten. Peichl kritisierte daraufhin, mit der von der OECD gewählten Methodik wäre bei ihm kein Student durch seine Bachelor-Arbeit gekommen.

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1 Kommentar zu "Ökonomenstreit: Ifo-Institut widerspricht OECD – Wie ungerecht ist Deutschland wirklich?"

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  • Das mit den 6 Generationen ist unglaublich laecherlich. Wieviele Generationen haben die reichsten Deitschen wie z. B. die Albrechts gebraucht um an die Spitze zu kommen. Wieviele
    Generationen haben die Kanzler Brandt und Schroeder gebraucht um Regierungschef zu
    werden nachdem sie aus kleinsten Verhaeltnissen kamen. In 6 Generationen kann man
    mehrfach auf und absteigen. Wenn man den 6 Generationen-Satz liest, kann man den Rest
    ungelesen schreddern!

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