Ökostrom-Vorstoß Gabriel stößt in den eigenen Reihen auf Kritik

Der Ökostrom-Vorstoß von Energieminister Gabriel stößt auf Widerstand. Für Schleswig-Holsteins SPD-Ministerpräsident Albig machen die Pläne die „Energiewende unnötig teuer“. Die Grünen sorgen sich um die Wirtschaft.
Update: 20.01.2014 - 14:27 Uhr 45 Kommentare
Windräder bei Wilster in Schleswig-Holstein – das Land profitiert bislang besonders vom Ausbau der Windkraft. Quelle: dpa

Windräder bei Wilster in Schleswig-Holstein – das Land profitiert bislang besonders vom Ausbau der Windkraft.

(Foto: dpa)

BerlinAusgerechnet in der SPD gibt es kritische Stimmen zu den Plänen von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel – ebenfalls SPD – die Förderung von Ökostrom zu kürzen. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert aus einem Positionspapier von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD), wonach die Pläne für einen Drosslung des Ausbaus der Windkraft an Land „volkswirtschaftlich unsinnig“ seien. Die Pläne machten die „Energiewende unnötig teuer“ und schafften „erhebliche Unsicherheiten“, schreibt Albig demnach.

Zuvor hatte Gabriel Eckpunkte für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes an die anderen Ressorts verschickt. Vorgesehen ist unter anderem, die Förderung für windstarke Standorte zu senken. Gabriel will, dass an Land pro Jahr nur noch Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2500 Megawatt pro Jahr neu ans Netz gehen, das sind etwa 1000 Windräder. Werden es mehr, gibt es automatische Förderkürzungen. Zusätzlich soll die Vergütung im windstarken Norden um bis zu 20 Prozent gekappt werden.

Nach Auffassung Albigs bremst Gabriel an der falschen Stelle. Schließlich sei der Ökostrom von Windrädern an Land besonders günstig, heißt es dem Zeitungsbericht zufolge in dem Positionspapier. Das Ziel müsse „eine Kostenreduktion, nicht Mengenreduzierung“ sein. „Daher sollte insbesondere Wind an Land ohne Deckelung weiter ausgebaut werden.“

Schleswig-Holstein profitiert bislang besonders vom Ausbau der Windkraft. Dem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge forderte Albig darüber hinaus einen Ausstiegsfahrplan für Kohlekraftwerke. „In einem bundesweiten Masterplan sollte – analog zum Fahrplan des Atomausstiegsgesetzes – dargestellt werden, wie zunächst Braun- und dann Steinkohlekapazitäten bis 2030 zurückgefahren werden“, heißt es in seinem Papier. Derzeit befänden sich noch erhebliche konventionelle Strommengen im Netz, die zu einem zeitweisen Überangebot führten.


Auch die Grünen machen gegen Gabriels Pläne mobil: Parteichefin Simone Peter sprach angesichts der Drosselungs- und Kürzungspläne von einem „Rasieren“ der erneuerbaren Energien, während Gabriel nichts gegen die hohe Kohleverstromung tue. Die geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig, aber die Grünen könnten dazu beitragen, dass das Gesetz blockiert wird, und mit monatelangen Verhandlungen im Vermittlungsausschuss Änderungen erzwingen.

„Abwürgen der Energiewende“
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45 Kommentare zu "Ökostrom-Vorstoß: Gabriel stößt in den eigenen Reihen auf Kritik"

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  • 2004 wurden gerade mal 360 MWp installiert. Das ist 1 % der heute in Deutschland vorhandenen PV-Leistung. Der Preis pro kWp war ca. viermal so teuer wie heute; entsprechende war die Vergütung etwas viermal so hoch. Dass die Rendite in 2004 eine wesentlich höhere war als 2012, bezweifel ich.

    Die Kosten für die Anlage und die Vergütung sind immer schön im Gleichschritt gesunken. Eine auffällig günstige Zeit zum Kauf einer PV-Anlage war im 2. Halbjahr 2011. Wegen des Reaktorunfalls in Fukushima wurde auf die für den Sommer vorgesehene Kürzung der Vergütung verzichtet; die Kosten sanken aber deutlich weiter. Ansonsten war die Rendite für eine Photovoltaikanlage im Schnitt immer vergleichbar mit einer Staatsanleihe; also bei 3 - 4 % mit Reparaturkosten und wenn nichts kaputt geht vielleicht 1 oder 2% höher. Kein Grund zum Neid.

    Heute ist eine PV-Hausanlage (bis ca. 10 kWp) wieder interessant, wenn man gleich einen Speicher bestellt. Dann entspricht die „Vergütung“ den äquivalenten Kosten für den selbst genutzten Strom, den man ja dann nicht kaufen muss. Mit Speicher steigt der Eigenverbrauch auf etwa 70% des eigenen Stromverbrauchs.

  • Die Ökokapitalisten sehen so langsam ihre Felle davonschwimmen, wenn Gabriel das EEG noch richtig reformiert.
    Wichtig für uns Stromkunden wäre es, würde die neue Regierung die Laufzeit der hohen Vergütungen halbieren.
    Dann müssten die grünen Erzeuger ihren teuren Strom z.B. aus Anlagen des Baujahres 2004 eigenständig zu Marktpreisen verkaufen. Schaut Euch mal im Internet die Vergütungssätze des EEG von 2004 an. Es ist doch klar, dass die Leute ihre Goldesel auch hier im Forum verteidigen.

  • @ Sonnenschein
    „Die sind relativ preiswert und damit kann einerseits mehr Strom erzeugen, als im Jahr gebraucht wird...“

    Befassen Sie sich eingehend damit, wie ein Drehstromstrmnetz funktioniert, das scheinen Sie nicht zu wissen.

    „Damit muss schon einmal weniger Energie (in Wh) gespeichert werden.“

    Diese Speicher sind nicht vorhanden und auch nicht zu wirtschaftlichen Kosten realisierbar. Abgesehen davon werden Sie und Ihre grünen Freunde den Bau derartiger Speicher mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen.

    „...mittels power-to-gas-to-power – Verfahren ...“

    Auch dieser Traum scheitert an den technischen und physikalischen Gegebenheiten und nennt sich mangelhafter Wirkungsgrad. Ihnen ist vielleicht nicht bekannt, das Wandlung immer Verlust bedeutet.


    „Letztendlich ist es ein Optimierungsprozess, in dem an verschiedenen Schrauben gedreht wird, um technisch und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu finden.“

    Sie wissen nicht worüber Sie reden, träumen Sie weiter.

  • @ Ideologiefeind

    „..., dass dies ein Planungsansatz ist.“

    Was soll denn da „geplant“ werden? Wer tausende Kubikmeter Wasser in einen Schacht durch eine Turbine laufen läßt um damit Strom zu produzieren, muß es auch wieder herauspumpen. Dies wird wirtschaftlich nicht zu machen sein.

    „Ad 3 Der Wirkungsgrad liegt derzeit bei 35% ( Fraunhofer und TU München; kein Ökoblatt.)“

    Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. Wie auch das PIK ein eingetragener Verein der gegen Bezahlung arbeitet. Die Meinung des Vereinsvorstandes ist die Meinung der Mitarbeiter.

    „...mit "Subventionen" ein missverständliches Wort gebraucht.“

    Wenn Ihnen der Unterschied zwischen einem staatlichen Forschungsauftrag und Subventionen klar ist, sollten Sie beide Begriffe auch so voneinander trennen.

    „...finden Sie im Steinkohlefinanzierungsgesetz,...“

    Hier wird das Ausbuddeln der Kohle subventioniert, nicht das Verbrennen.

    „wenn AKW Betreiber von der zu Grunde legenden Haftpflichtversicherung befreit sind?“

    Kein Staudamm ist z.B. versichert, derartige Großanlagen fallen im Falle einer Havarie unter den Begriff Staatshaftung.
    PS: Sie sind kein Ideologiefeind, sondern ein Ideologiefreund.

  • Die „Welt“ ist wohl eher eine sehr dürftige Quelle, wenn es um Wetterdaten geht. Damit das Zusammenspiel von Stromerzeugern, Stromspeichern und Stromverteilung auch dann funktioniert, wenn 80%, 90% oder letztendlich 100 % der Energie aus erneuerbaren Quellen kommt, mussten viele Jahrzehnte an Wetterdaten ausgewertet werden. Schließlich muss jedes Extrem erfasst werden. Sonst gehen bei uns die Lichter aus.

    Ein vereinfachtes Beispiel mit nur einer regenerativen Stromquelle:

    Würde man gerade soviel WKAs bauen, dass im Verlauf eines Jahres gerade der komplette Stromverbrauch erzeugt würde, müsste ja grob die Hälfte der Energie gespeichert werden. Das würde tausende Speicherkraftwerke bedeuten und jedes Kind sieht, dass dieser Weg unsinnig ist. Darüber muss man nicht weiter nachdenken.

    Wie kommt man besser weg?

    Man baut mehr WKAs. Die sind relativ preiswert und damit kann einerseits mehr Strom erzeugen, als im Jahr gebraucht wird und andererseits wird die Zeit, in der die Windkraft nicht vollständig zur Sicherung des Bedarfs ausreicht immer kürzer. Damit muss schon einmal weniger Energie (in Wh) gespeichert werden. An windigen Tagen wird jetzt zu viel Strom erzeugt und so besteht die Möglichkeit, mittels power-to-gas-to-power – Verfahren ausreichend Methan zu erzeugen, welches dann in windarmen Zeiten verstromt wird. Unter Berücksichtigung des Wirkungsgrades der power-to-gas-to-power – Technologie kann genau ausgetüftelt werden, wie hoch die installierte Windenergieleistung sein muss.

    Bei Berücksichtigung nur einer regenerativen Stromquelle (hier Wind) ist die Rechnung noch recht simpel. Bei Berücksichtigung aller regenerativen Stromquellen und aller Speicher und der Heizenergie und der Leitungen ins Ausland (Norwegen) wird die Rechnung viel komplizierter. Letztendlich ist es ein Optimierungsprozess, in dem an verschiedenen Schrauben gedreht wird, um technisch und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu finden.

  • @Norbert
    ...."meist Windstille in lauen Sommermonaten in denen auch relativ wenig Strom gebraucht wird und wenns im Winter viel Licht und Wärme braucht dann gibts auch mehr Wind.".....

    Nur zu Ihrer Info:

    Welt-online schrieb am 24. Dez. 2013: „Die Wind- und Solarproduktion lag in der vergangenen Woche durchgehend komplett danieder. Mehr als 23.000 deutsche Windkraftanlagen standen tagelang still. Eine Million Fotovoltaikanlagen, vom Verbraucher mit 108 Milliarden Euro subventioniert, stellten die Arbeit nahezu vollständig ein und lieferten selbst zur besten Mittagszeit nur ganz kurz mal ein paar Kilowattstunden."

    Ein praktischer Vorschlag: Wenn Sie schon einen 1000 m tiefen Schacht ausfindig gemacht haben, werfen Sie das EEG dort hinein und Sie müssen sich keine Gedanken mehr über Pumpspeicherkraftwerke machen.

  • @ Ideologiefeind

    „Intellegis me esse philosophum ?“

  • Aber netterweise ist meist Windstille in lauen Sommermonaten in denen auch relativ wenig Strom gebraucht wird und wenns im Winter viel Licht und Wärme braucht dann gibts auch mehr Wind.

    Nochwas sollte man nicht unterschätzen. Die Regelkraftwerke müssen morgens um 10 vor 6 wenn Deutschland erwacht viel größere Schwankungen wegregeln als eine sich relativ langsam ändernde Wetterlage.

    Ich hab nie behauptet dass wir ohne Fossile Energie in naher Zukunft auskommen. Mein Ausgangsposting war das Siggi dafür gesorgt hat dass ich statt in D 150 Mio in einen neuen Park zu investieren nun halt einen in Südeuropa kaufe und den Strom kann ich hier in D an Strombörse genauso zum gleichen Preis verscheppern.

    Die Roten sind inzwischen so Reaktionär im Sinnne von auf kurzfristige Meinungsmache reagierend dass man sich auf deren Politik noch weniger verlassen kann als auf Angie.

    Letztere hat den Steuerzahler soooooo viel Geld gekostet mit der Aufhebung des Atomausstiegs und dem Reaktionären Wiederausstieg nach Fukushima dass werden die Windräder in Jahren nicht kosten.

    Und alle EEGegener ignorieren hier mal gepflegt die Umweltkosten der nicht EE

    Beim Tanken nehmt ihr das Ökoschwachsinns-E10 weils ein paar lumpige cents billiger ist, auch wenn dafür jede Menge Regenwald abgeholzt wird und das Zeug mit fossilem diesel übers Meer geschippert wird.
    Nein nicht direkt dafür sondern für das jetzt umziehende Getreidefeld das Platz macht für E10. Denn E10 darf ja nicht auf Regenwald flächen angebaut werden.

    Rennt weiter RWE ENBW usw hinterher lasst Euch einlullen von teuren Regelkosten und dem Schwachsinn von Restmüll eines Windrades.
    Betreiber eines Windrades müssen eine Rückstellung machen für den Rückbau der Anlage. Rund ne drittel Million
    Weiter werden die Anlagen heute meist "Repowered" also der Mast und der Sockel wird wiederverwendet und die Technik oben wird ganz oder teilweise ausgetauscht.


  • Jährlich wächst der Wohlstand der Menschheit. Streng korreliert sind die CO2 - Emissionen. Sie wachsen um 2000 Millionen Tonnen Jährlich. Kein Volk der Erde hat sich annähernd so ambitionierte Ziele gesetzt wie das deutsche Volk. Ist es grün gestrichener deutschnationaler Überlegenheitswahn, der eine Minderheit in Medien, Bürokratie und Interessensverbänden treibt ? Oder doch ( hoffentlich ) nur schnöde Klientel- Politik für eine grün angestrichene Wohlstandsfraktion ohne Lebensrisiken ? Als Solardach- und Windfondsbesitzer stopfen sie sich große Teile jener 23,5 Mrd € EEG- Sozialtransfer in die Taschen, die von Mietern und Arbeitnehmern und Betrieben über Zwangsabgabe Stromrechnung abkassiert werden. Die Tatsache, dass die Prokom- Blender ihre unseriösen Ausschüttungen aus DIESEM EEG- Sozialtransfer bestritten haben, entlarvt die Beschwerde über das Abwürgen der Energiewende durch die günen Ministerin Evelin Lemke.

  • So lange rund um Deutschland die Atomenergie überhand hat, muss die deutsche Energiewende als absolut gescheitert angesehen werden. Der deutsche Alleingang ist zum Scheitern verurteilt. Es gibt nur europäische Lösungen, wer sich dem entzieht, lebt in einer Traumwelt, die immer mehr Geld kostet. Die deutschen Bürger merken es jeden Tag. Jagd endlich die grünen Phantasten in die Versenkung. Sie machen die deutsche Leistungsbilanz immer mehr kaputt!

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