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Offshore-Windkraft Energiebranche will „Eintrittsgeld für Windparkbetreiber“ verhindern

Minister Altmaier will den Ausbau der Windkraft auf See voranbringen. Doch die Branche sieht in den geplanten Ausschreibungsbedingungen ein Hemmnis.
09.09.2020 - 07:39 Uhr 1 Kommentar
Der Entwurf regelt, unter welchen Bedingungen Bieter den Zuschlag für den Bau von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee bekommen. Quelle: dpa
Offshore-Windpark Nordsee-Ost

Der Entwurf regelt, unter welchen Bedingungen Bieter den Zuschlag für den Bau von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee bekommen.

(Foto: dpa)

Berlin Wenn an diesem Mittwoch um 11.30 Uhr der Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie zusammentritt, um in einer öffentlichen Anhörung Experten zu Wort kommen zu lassen, die die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) bewerten sollen, wird ein Punkt im Zentrum des Interesses stehen: die „zweite Gebotskomponente“ bei künftigen Ausschreibungen von Offshore-Windparks.

Die zweite Gebotskomponente ist Bestandteil des Gesetzentwurfs aus dem Hause von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Das Bundeskabinett hatte die Gesetzesnovelle Anfang Juni verabschiedet, Anfang Juli wurde sie in den Bundestag eingebracht, Ende September soll der Bundestag sie beschließen.

Der Entwurf regelt, unter welchen Bedingungen Bieter den Zuschlag für den Bau von Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee bekommen. Grundsätzlich gilt, dass derjenige Bieter den Zuschlag erhält, der sich mit den geringsten Vergütungen je Kilowattstunde Strom begnügt.

Bei vergangenen Ausschreibungsrunden lag die Untergrenze für Gebote bei null Cent. Es gab bereits mehrere Betreiber, die den Zuschlag zu null Cent bekamen und somit auf eine staatlich garantierte Vergütung für die Einspeisung des Stroms ins Netz verzichteten. Die Betreiber suchen sich dann Abnehmer, etwa in der Industrie, mit denen sie Direktabnahmeverträge schließen.

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    Nun fällt die Untergrenze von null Cent weg: Sollten mehrere Bieter bereit sein, sich mit null Cent je Kilowattstunde zu begnügen, also auf eine staatlich garantierte Vergütung verzichten, will der Gesetzgeber eine „zweite Gebotskomponente“ einführen.

    Zahlungsfreudigster Bieter erhält Zuschlag

    Das bedeutet: In Zukunft sollen sämtliche Bieter, die ein Null-Cent-Gebot abgegeben haben, in einer zweiten Runde einen Betrag bieten, den sie zu zahlen bereit sind, um den Zuschlag zu bekommen. In der Branche ist wahlweise von „Eintrittsgeld“ oder auch von „Strafzahlung“ die Rede.

    Der zahlungsfreudigste Bieter erhält dann den Zuschlag. Zur Begründung heißt es im Bundeswirtschaftsministerium, das „dynamische Gebotsverfahren“ führe dazu, dass sich „das wirtschaftlich stärkste Gebot in der Ausschreibung durchsetzen kann“. Die so ermittelte „zusätzliche Zahlungsbereitschaft“ der Betreiber werde genutzt, um die Offshore-Netzumlage zu senken und somit alle Stromkunden zu entlasten.

    Die Energiebranche sieht das kritisch. „Mit der zweiten Gebotsrunde werden die Finanzierungsrisiken und damit die Kosten für den Ausbau der Offshore-Windenergie erhöht“, sagte Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), dem Handelsblatt. Die zweite Gebotskomponente treibe die Projektkosten unnötig in die Höhe, andere Länder böten wesentlich attraktivere Investitionsbedingungen.

    „Die Gefahr ist deshalb groß, dass Windkraft-Investoren auf diese Märkte ausweichen. Die Folge: Weniger Wettbewerb und damit unnötig erhöhte Kosten für den zwingend notwendigen Offshore-Ausbau“, sagt Andreae. Die Bundesregierung müsse daher „dringend auf Alternativen“ zurückgreifen, rät die BDEW-Hauptgeschäftsführerin.

    Grafik

    Die Bundesregierung hat sich mit der Novelle des WindSeeG ehrgeizige Ziele für den Ausbau der Offshore-Windkraft gesetzt. Das Gesetz sieht vor, dass die installierte Leistung der Offshore-Windparks bis 2030 auf 20 Gigawatt (GW) erhöht wird. Die Offshore-Windkraft wird damit zu einer tragenden Säule der Energiewende. Bislang lag der Zielwert für 2030 bei 15 GW.

    Branche propagiert Differenzverträge

    Aus Sicht der Energiebranche lässt sich das 20-GW-Ziel nur mit attraktiven Ausschreibungsmodalitäten erreichen. Die Branche propagiert sogenannte Differenzverträge. Das Konzept dahinter: Der Bieter legt mit seinem Gebot einen Preis fest, zu dem er den Strom aus seinem Offshore-Windpark bei einem Zuschlag verkaufen würde.

    Liegt der Marktpreis des Stroms unterhalb des bezuschlagten Preises, bekommt der Anlagenbetreiber die Differenz ausgezahlt. Liegt der Marktpreis über dem bezuschlagten Preis, müssen die Gewinne abgegeben werden.

    „In Großbritannien werden Differenzverträge bereits erfolgreich eingesetzt“, sagt Andreae. Die Offshore-Windpark-Betreiber hätten dort ganz erhebliche Summen an den Staat zurückgezahlt, da die Erlöse an der Strombörse höher gewesen seien als die ausgezahlte Mindestvergütung, argumentiert die BDEW-Hauptgeschäftsführerin.

    Die britische Regierung rechne bei den Gewinnern der letzten Auktion im September 2019 mit einer Rückzahlung von 2,4 Milliarden Pfund, sagt Andreae. Seit Einführung der Ausschreibungen durch Differenzverträge 2015 seien die in den Auktionen von den Unternehmen aufgerufenen Mindestvergütungen bis 2019 um 65 Prozent gesunken. Andreae verweist darauf, dass auch Dänemark, Italien, Frankreich und Polen die Finanzierung künftiger Offshore-Projekte über Differenzverträge organisieren wollen.

    Gemeinsamer Appell von Grünen und Industrie

    Unterstützung erhält die Branche von den Grünen und seitens großer Stromverbraucher aus der Industrie. In einem gemeinsamen Appell von Ingrid Nestle, energiewirtschaftliche Sprecherin der Grünen-Fraktion, und Heribert Hauck, Leiter Energiewirtschaft beim Aluminiumhersteller Trimet, heißt es, die vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten Änderungen in den Ausschreibungen beunruhigten die Grünen und die Industrie gleichermaßen.

    „Statt den dringend benötigten Ausbau zu unterstützen, sollen insbesondere die regulatorischen Risiken zu 100 Prozent auf die Betreiber und somit den Strompreis der Verbraucherinnen und Verbraucher abgewälzt werden“, heißt es in dem Appell, der dem Handelsblatt vorliegt. „Ein Anschub für die Offshore-Windenergie sieht anders aus“, schreiben Hauck und Nestle. Gemeinsam setze man sich daher für die Einführung von Differenzverträgen auch in Deutschland ein.

    Für die energieintensive Industrie sei nachhaltiger Strom zu international wettbewerbsfähigen Preisen ein wichtiger Standortfaktor, heißt es in dem Appell. Planungssicherheit sei auch für die Transformation zur emissionsarmen Produktion entscheidend.

    EEX-Chef Reitz sieht Differenzverträge kritisch

    Allerdings haben die Differenzverträge nicht nur Befürworter. „Staatlich abgesicherte Differenzkontrakte wären ein Bruch mit der bisherigen Entwicklung bei Marktintegration und Eigenverantwortung“, sagt Peter Reitz, CEO der Leipziger Strombörse EEX, dem Handelsblatt. Reitz ist als Experte für die Anhörung im Wirtschaftsausschuss geladen.

    Bei Differenzverträgen entfalle die Notwendigkeit der langfristigen Marktteilnahme, sagt Reitz. Es bestehe die Gefahr, dass auch bei anderen Erzeugungstechnologien Begehrlichkeiten geweckt würden. „Der Stromterminmarkt droht so stückweise auszutrocknen“, sagt Reitz.

    „Wenn langfristige Preissignale und deren Referenzwirkung infrage gestellt werden, hätte das massive Auswirkungen auf die Funktionsweise des deutschen Energiemarktes und damit auf den europäischen Energiebinnenmarkt als Ganzes“, warnt Reitz.

    Nach Reitz’ Überzeugung ist der Verweis auf Länder wie Großbritannien, Frankreich oder Polen nicht stichhaltig. Vergleiche mit diesen Ländern seien mit Vorsicht zu genießen, da die Bedingungen dort völlig anders sein.

    Überdies sei die vom Bundeswirtschaftsministerium geplante zweite Gebotskomponente konsequent. Man müsse bedenken, „dass die vom Staat garantierten Flächen und Netzanschlüsse einen Wert haben“, sagt Reitz.

    Der CEO der EEX zieht den Vergleich zur Auktion von Mobilfunklizenzen. Reitz sieht in der zweiten Gebotskomponente die Chance, „den schrittweisen Ausstieg aus der staatlichen Vollversorgung“ zu schaffen.

    Mehr: 160 neue Windkrafträder sind 2019 in Nord- und Ostsee ans Netz gegangen.

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    1 Kommentar zu "Offshore-Windkraft: Energiebranche will „Eintrittsgeld für Windparkbetreiber“ verhindern"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Mit diesem Schwachsinn sollte überhaupt Schluß sein, sowohl auf See wie auch an Land. Dieses Lobbyistenpack gibt nicht eher Ruhe bis auch im letzten Vorgarten noch so eine untaugliche Windmühle steht. Sofort jegliche Förderung einstellen.

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