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Onlinehandel „Eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“ – Die Retour-Kultur ruft die Politik auf den Plan

Die Grünen fordern, dass der Onlinehandel zurückgesendete Ware nicht mehr entsorgen darf. Union und FDP wollen das Problem hingegen ohne Verbote lösen.
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Der Umgang mit zurückgesendeten Waren ist vielen ein Ärgernis. Quelle: imago/Pressedienst Nord
Amazon-Pakete

Der Umgang mit zurückgesendeten Waren ist vielen ein Ärgernis.

(Foto: imago/Pressedienst Nord)

Düsseldorf, BerlinBeim Einkauf im Netz nehmen die Deutschen das großzügige Rückgaberecht gerne in Anspruch. Vergangenes Jahr schickten sie einer Studie der Universität Bamberg zufolge etwa 487 Millionen Artikel wieder zurück. Die Retour-Kultur ruft nun die Politik auf den Plan.

Die Rücksendungen belasten durch zusätzliche Transporte nicht nur das Klima. Einige zurückgegebene Waren landen einfach im Müll, obwohl sie neu und funktionsfähig sind. „Wir erleben eine Perversion der Wegwerfgesellschaft“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Grünen wollen Amazon, Otto und Co. verbieten, von Kunden zurückgeschickte neuwertige Waren zu vernichten. Retouren, die nicht mehr in den Verkauf können, sollten etwa über Sozialkaufhäuser verschenkt werden.

Für solche Spenden könnte dann die Mehrwertsteuer erlassen werden, sagte Göring-Eckardt. Schließlich müssten die Händler dafür sorgen, dass die Rohstoffe von beschädigten Produkten zurück in den Wertstoffkreislauf kommen.

Auch Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein sieht Handlungsbedarf. „Wir müssen mit dem Handel reden, wie sie mit Retouren umgehen, die nicht einmal das Umpacken Wert sind“, sagte der CSU-Politiker dem Handelsblatt. Von Göring-Eckardts Vorschlag hält er aber wenig. „Die Grünen kennen nur ein Reaktionsmuster: Problem – Verbot“, sagte er.

Nüßlein regte stattdessen einen „Garantiewettbewerb“ an, bei dem die Verbraucher neben dem Preis einen weiteren Qualitätsindikator bekämen. „Der Gesetzgeber verpflichtet alle, die gewerblich neue Produkte in den Markt bringen, einen Zeitrahmen zu nennen, in dem sie für die Produktqualität garantieren“, sagte er.

„Die Verbraucher können dann anhand der Garantiedauer sehen, ob das Produkt schnell auf dem Müll landen würde. Anstatt einer Verbotspolitik müssen wir dazu kommen, dass sich jeder über sein Konsumverhalten Gedanken macht.“

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer warnte ebenfalls davor, „gleich die Verbotskeule zu schwingen“. Das diene weniger dem Umweltschutz, sondern führe vor allem zu mehr Bürokratie, sagte er dem Handelsblatt. Onlinehändler müssten aber mehr Verantwortung übernehmen, etwa mit einer Selbstverpflichtung. „Retournierte Waren einfach zu vernichten, widerspricht dem gesunden Menschenverstand.“ Außerdem seien die Kunden gefordert, ihr Kaufverhalten zu prüfen, sagte Theurer.

Laut der Studie der Uni Bamberg geht im Onlinehandel etwa jedes sechste ausgelieferte Paket zurück. Eine massenhafte Vernichtung von Retouren stellten die Forscher aber nicht fest. Nur rund vier Prozent der zurückgeschickten Artikel landeten demnach im Müll.

Amazon wehrt sich gegen den Vorwurf, leichtfertig Retouren vernichten. „Bei Amazon wird der überwiegende Teil der retournierten Waren – je nach Zustand – an andere Kunden oder Restpostenhändler weiterverkauft, an die Hersteller zurückgegeben oder an gemeinnützige Organisationen gespendet“, sagte ein Unternehmenssprecher.

In bestimmten Fällen jedoch könnten Produkte nicht weiterverkauft oder gespendet werden, beispielsweise aus Sicherheits- oder Hygienegründen. „Wir arbeiten jedoch intensiv daran, die Anzahl dieser Produkte immer weiter zu senken“, sagte der Sprecher.

Ein großes Problem beim Spenden von retournierten Produkten ist das deutsche Umsatzsteuerrecht. So müssen Händler die volle Umsatzsteuer entrichten, selbst wenn sie die Waren kostenlos abgeben.

Amazon spendet nach eigenen Angaben trotzdem Produkte und führt dafür die Mehrwertsteuer an die deutschen Behörden ab. Rund 450.000 Bedürftige hätten auf diese Weise in den vergangenen Jahren von Amazon-Spenden profitiert.

Das Unternehmen nutzt dabei die Plattform Innatura, die die Sachspenden an soziale Organisationen weiterreicht. „Amazon ist in Deutschland einer unserer wichtigsten Produktspender und unterstützt Innatura von Anfang an“, sagt Innatura-Gründerin Juliane Kronen. „Ohne die Sortimentsbreite von über 1500 Artikeln, die wir gemeinnützigen Organisationen nur dank Amazon anbieten können, würde es Innatura nicht geben.“

Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer Bundesverband E-Commerce- und Versandhandel, machte deutlich, dass kein Unternehmen gerne Waren recycelt oder entsorgt. „Jeder Händler auf der Welt – ob Familienunternehmen in der Einkaufsstraße, Shopping Center oder Online-Händler – stand schon immer vor der Herausforderung, jeden verfügbaren Artikel tatsächlich zu verkaufen.“

Mehr: An der Vernichtung von Retouren sind nicht nur die Händler schuld, meint Handelsblatt-Reporter Florian Kolf.

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