Orban bei Kohl Dünne Worte nach Audienz in Oggersheim

Ungarns Ministerpräsident Orban wollte Altkanzler Kohl mit seinem Besuch eine „Ehre erweisen“. Über den Inhalt des Gesprächs wird wenig bekannt, in einer gemeinsamen Erklärung geben sich beide offen und herzlich.
Update: 19.04.2016 - 15:02 Uhr
Ungarns Ministerpräsident Orban (3. von r.) mit Journalisten nach seinem Kohl-Besuch. Quelle: Reuters
Orban in Oggersheim

Ungarns Ministerpräsident Orban (3. von r.) mit Journalisten nach seinem Kohl-Besuch.

(Foto: Reuters)

LudwigshafenUngarns umstrittener Ministerpräsident Viktor Orban hat nach seinem Besuch bei Altkanzler Helmut Kohl (CDU) die deutsch-ungarische Freundschaft gewürdigt. Kohl sei Symbol dieser Freundschaft, sagte er, nachdem er am Dienstag nach knapp 80 Minuten das Haus des Altkanzlers in Ludwigshafen verlassen hatte.

Zum Grund seines Besuchs sagte er: „Ich bin gekommen, ihm unsere Ehre zu erweisen, auch im Namen aller Ungarn.“ Er wolle sich dafür bedanken, was Kohl für Ungarn getan habe. Zugleich bat Orban, Kohl „nicht in irgendwelche ganz konkreten politischen Auseinandersetzungen hineinzuziehen, hineinzureißen. Er steht über uns aktiven Politikern.“

Orban war am Dienstag zu einem Treffen mit Kohl in dessen Wohnhaus im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim gereist. Kohls Büro erklärte das Treffen zu einer rein privaten Zusammenkunft. Medien waren nicht zugelassen. Beide Politiker zeigten sich anschließend für kurze Zeit auf der Straße vor dem Haus.

Zwei gute alte Freunde unter sich
Rosen für Kohl
1 von 9

Trotz Protesten und Kritik: Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ist am Dienstag zu einem Privatbesuch bei Altkanzler Helmut Kohl (CDU) in Ludwigshafen eingetroffen. Orban betrat das Wohnhaus Kohls im Stadtteil Oggersheim gegen Mittag mit einem großen Blumenstrauß.

Warten auf den Gast
2 von 9

Die beiden verbindet eine lange politische Freundschaft: Bei seinem Amtsantritt 1998 suchte Orban Kohl auf, um Rat für seine erste Amtszeit einzuholen.

Proteste vor Kohls Privathaus
3 von 9

Vor dem Haus des Altkanzlers kam es zu Protesten. Die Demonstranten, die teils Transparente mit der Aufschrift „Kein Mensch ist illegal“ und „Nationalismus raus aus den Köpfen“ in den Händen hielten, wurden mit Barrikaden davon abgehalten, sich Kohls Privathaus ungebührlich zu nähern. Vor dem Besuch hatte die „Antifa Rheinpfalz“ per Facebook zu der Demonstration aufgerufen.

Interviews mit TV-Sendern
4 von 9

Bei seiner Ankunft gab Orban verschiedenen TV-Sendern ein Interview auf offener Straße. Ein gemeinsamer Auftritt vor der Presse oder der Öffentlichkeit war nicht vorgesehen. Kohls Büro hatte für später allerdings eine schriftliche Erklärung zum Treffen der beiden Männer angekündigt.

Großes Interesse
5 von 9

Womöglich einer der Gründe für Orbans Besuch: Kohl hatte in einem Vorwort zur ungarischen Ausgabe seines Buchs „Aus Sorge um Europa“ die Grenzöffnung für Flüchtlinge kritisiert und unter anderem geschrieben, Europa könne „nicht zur Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden“. Die Lösung liege in den Herkunftsregionen der Menschen, nicht in Europa.

Begrüßungskomitee
6 von 9

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Maike Kohl-Richter empfing der Altkanzler den ungarischen Premier vor seinem Haus.

Zu Besuch beim Altkanzler
7 von 9

Auch wenn Kohl Merkel im neuen Vorwort der ungarischen Ausgabe seines Buchs nicht namentlich nannte, wurde die Passage von Beobachtern als Kritik an Merkels Entscheidung vom September 2015 gewertet, in Ungarn festsitzende Flüchtlinge zur Weiterreise nach Deutschland einzuladen. Die Kanzlerin hatte ihren Entschluss damals nicht mit den anderen EU-Mitgliedstaaten abgestimmt. Orban gilt seither als einer der schärfsten Kritiker Merkels in der EU.

In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten Kohl und Orban, der Flüchtlingsandrang nach Europa sei „zweifelsohne eine historische Herausforderung von existentieller Bedeutung“. Sie sähen in „ihrer Haltung in dieser Frage im übrigen keinen Gegensatz zu den Bemühungen auch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel“ (CDU).

Es gehe darum, „unter humanitären Aspekten in einer existentiellen Frage für Millionen von Menschen den besten Weg zu finden“, erklärten Orban und Kohl und sprachen von einer „Schicksalsentscheidung für die Menschen in Europa wie in der Welt“. Es gehe um „eine gute Zukunft für Europa und den Frieden in der Welt“. „Die Bemühungen der Kanzlerin“ zeigten „in dieselbe Richtung“.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Was Merkel nach dem Treffen sagte
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Orban bei Kohl - Dünne Worte nach Audienz in Oggersheim

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%