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Organspende in Deutschland „Das ganze System muss auf dem Prüfstand“

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Ein Ranking nach US-Vorbild?

Opelz muss es wissen. Er und sein Team haben seit mehr als 30 Jahren in der „Collaborative Transplant Study“ Daten zu rund 500.000 Transplantationen weltweit ausgewertet, die Meldung erfolgt allerdings auf freiwilliger Basis.

Zwar müssen Transplantationszentren jährlich Daten zur medizinischen und pflegerischen Qualität einem dafür zuständigen Institut melden und Qualitätsberichte veröffentlichen. Aber für den Laien sind diese Daten unverständlich, für viele Wissenschaftler gehen sie nicht weit genug. Und freiwillig erheben viele Kliniken nicht mehr Daten als vorgeschrieben: Der Aufwand dafür ist schlicht zu hoch.

In den USA dagegen gibt es im Internet ein offizielles Ranking der Kliniken mit den höchsten Überlebensraten bei Transplantationen. Zentren, die nicht auf eine ausreichende Anzahl an Organverpflanzungen kommen und Mängel bei der medizinischen Qualität aufweisen, erhalten weniger Geld von den Krankenkassen.

Günter Kirste, medizinischer Vorstand bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation, warnt allerdings, dass eine solche Hitliste auch Probleme schaffen kann: So könnte es sein, dass ein Zentrum einen Risikopatienten nicht operieren will, um seine Erfolgsquote nicht zu gefährden. Ein weiteres Problem in Deutschland ist, dass es zu viele Transplantationszentren für eine stagnierende Anzahl von Organverpflanzungen gibt.

Nach Ansicht von Charité-Arzt Pascher könnte auch mit der Hälfte der derzeit 48 Zentren die Versorgung gut gewährleistet werden: Mit einer Mindestzahl an Transplantationen in den Zentren könne man auch Ergebnisqualität fordern.

Derzeit ist die Spanne bei der Anzahl der durchgeführten Transplantationen breit. Die Medizinische Hochschule Hannover etwa hat vergangenes Jahr 138 Nierentransplantationen (ohne Lebendspende) durchgeführt, das Universitätsklinikum Ulm gerade acht. Und während in Essen vergangenes Jahr 131 Lebern postmortal transplantiert wurden, waren es in Köln zwölf.

Auch Frank Schmitz, Klinikexperte bei der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner, hält eine Reduzierung der Zentren in Deutschland für sinnvoll. „Weniger, aber dafür größere Transplantationszentren würden den wirtschaftlichen Druck reduzieren“, so Schmitz. Transplantationsmedizin ist personalintensiv. Allein 50 Prozent der Kosten entfallen auf Personal. Das muss auch bezahlt werden, wenn Transplantationen ausbleiben.

„Kliniken haben also auch ein wirtschaftliches Interesse, dass die Zahl ihrer Transplantationen nicht sinkt“, sagt der Klinikberater. Dabei werde der wirtschaftliche Druck umso höher, je weniger Transplantationen eine Klinik durchführt. „Denn dann ist der wirtschaftliche Erfolg stärker von der einzelnen Organverpflanzung abhängig“, so Schmitz.

Mit Material von Reuters

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4 Kommentare zu "Organspende in Deutschland: „Das ganze System muss auf dem Prüfstand“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solange die Privatwirtschaft hier das Sagen hat, wird man sich Leben kaufen können. Solange es keine Staatliche Kontrolle über das korrupte System gibt, werde ich kein Organspender.
    Nicht nur die Verteilung der Organe sehe ich krtisch, auch die Einschätzung meines gesundheitlichen Zustandes ist kritisch.
    Woher weiss ich bei dem derzeitigen privatwirtschaftlichen System, daß ich aus wirtschaftlichen nicht vorschnell für tot erklärt werde???

  • ..ach sorry, bin falsch hier, ich dachte die Titelzeile würde sich auf die deutsche Politik beziehen ...

  • Mein Problem ist nicht der Göttinger Arzt - es wird immer Menschen mit genug krimineller Energie geben, die ein System aushelben.
    Viel mehr stören mich die zig Ärzte in den Kliniken, die nach Gutdünken die Spenderorgane so klassifizieren, dass Eurotransplant gar nicht erst informiert wird.
    Da ist doch wohl der Fehler im System.

  • Die überschrift triffts gut, das mißtrauen ist nicht nur der Organspende gegenüber...

    Seit 1990 läuft einiges schief

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