Ostdeutschland fällt zurück Verblühende Landschaften

Die Aufholjagd des Ostens kommt zum Erliegen. Außer einigen „Leuchtturmprojekten“ hat Ostdeutschland kaum Erfolge vorzuweisen. Die ersten Politiker treten mit mehr Investitionsforderungen auf den Plan.
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Ein tiefes Schlagloch in einer Landstraße. Der Osten hat bei der Infrastruktur noch deutlichen Nachholbedarf. Quelle: dpa

Ein tiefes Schlagloch in einer Landstraße. Der Osten hat bei der Infrastruktur noch deutlichen Nachholbedarf.

(Foto: dpa)

BerlinEs gibt die nach der Wiedervereinigung versprochenen "blühenden Landschaften". In Dresden, wo eine erfolgreiche Mikroelektronikbranche entstanden ist. In Jena, einem Zentrum der Optikindustrie. Oder rund um Chemnitz und Zwickau, wo Automobilzulieferer und Maschinenbauer Werke eröffnet haben.

Doch solche "Leuchtturmprojekte" können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Aufholjagd im Osten faktisch zum Stillstand gekommen ist.

Die Wirtschaftsleistung je Einwohner der neuen Länder liegt auch 22 Jahre nach dem Ende der Teilung nur bei gut 67 Prozent des Westniveaus – und seit Jahren geht es kaum aufwärts. Ähnlich verhält es sich bei der Produktivität: Sie ist zwar von rund 35 Prozent des Westniveaus im Jahr 1990 auf 78 Prozent im Jahr 2005 gestiegen, seither aber leicht gesunken. Während ein Erwerbstätiger im Westen pro Arbeitsstunde heute 46,4 Euro erwirtschaftet, sind es im Osten nur 32,6 Euro.

Die "Leuchttürme" im Osten haben sich durch massive Investitionen – nicht zuletzt der öffentlichen Hand – entwickelt. Doch gemessen am Bruttoinlandsprodukt sind die Investitionen im Osten von fast 45 auf gut 20 Prozent gefallen. Die Folge: Viele ostdeutsche Firmen haben keinen ausreichenden Kapitalstock.

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Zahl der Erwerbstätigen im Osten seit 2005 um 3,6 Prozent gesunken, während sie in den alten Ländern um sechs Prozent gestiegen ist. Und die verfügbaren Einkommen erreichen in Ostdeutschland nur 80 Prozent des Westniveaus.

Alarmiert von diesem "Stillstand Ost" hat Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) die Unternehmensberatung Roland Berger beauftragt, eine Zukunftsstrategie für die neuen Länder zu entwickeln.

Die Studie "Zukunft Ost", die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt auf, wie die "Vollendung der wirtschaftlichen Einheit" doch noch machbar ist. "Wir brauchen eine konkreter definierte Industriepolitik für den Osten und müssen alle Kräfte bündeln, gleich, ob es um Forschung oder Fachkräftesicherung geht", fasst Roland-Berger-Chef Martin Wittig das Ergebnis zusammen.

Was er nicht sagt: Auch wenn gewaltige Anstrengungen der ostdeutschen Länder selbst gefragt sind, soll das Geld für eine wirkungsvolle Wirtschaftspolitik vor allem aus den alten Ländern und vom Bund kommen. "Um das Ziel zu erreichen, die Kapitallücke zum Westen zu schließen, sind bis 2030 Investitionen von mehr als eine Billion Euro in den neuen Ländern nötig", heißt es in der Studie. Angesichts der mindestens 1,4 Billionen Euro, die netto schon in den Aufbau Ost geflossen sind, und der Diskussion über den Länderfinanzausgleich eine gewagte Forderung.

Denn über den Zeitraum, den Ostdeutschland mindestens noch am Tropf des Westens hängen wird, machen sich die Autoren der Studie keine Illusionen. Sollte die gemeinsame Kraftanstrengung gelingen, dann könne der Aufholprozess im Jahr 2030 abgeschlossen sein.

Kein einziger Dax-Konzern in den neuen Ländern
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34 Kommentare zu "Ostdeutschland fällt zurück: Verblühende Landschaften"

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  • Wieso kommt die Aufholjagd im Osten zum erliegen? Lesen Sie die Kolumne von Finanzminister Bullerjahn Sachsen-Anhalt "Wir brauchen Einwanderer" vom 23.03.2012 - http://www.finanzdialog-lsa.de/kolumne-von-finanzminister-bullerjahn-wir-brauchen-einwanderer/ der Zweckoptimismus dieses Mannes ist nicht mehr zu topen. Im Juni 2011 hat er vom Handelsblatt den Pinocchio der Woche erhalten, da die Landesregierung 45 persönliche Mitarbeiter zusätzlich für die Minister eingestellt hat - ca. 4 Mill. pro Jahr. Die Landtagsabgeordneten haben sich die Diäten zum 01.01.13 um 850,00 € im Monat erhöht. Die Beispiele lassen sich fortführen.

  • Ich versuche es mal ganz einfach, damit es jeder versteht:
    Deutschland besteht aus 16 Laendern mit einer einheitlichen Waehrung, obwohl die wirtschaftliche Lage in jedem Land sehr unterschiedlich ist.
    Die USA bestehen aus 50 Laendern mit einer Waehrung, obwohl die wirtschaftliche Lage in jedem Land sehr unterschiedlich ist.
    Ungleichheiten werden teilweise, aber wirklich nur teilweise, ueber Preise und Foerderungen ausgeglichen, teilweise ueber Umzuege der Bevoelkerung.
    Und siehe da, es funktioniert!
    Es gibt keinen Grund, warum dies nicht auch fuer 17 EURO-Staaten funktionieren sollte.
    Wenn man die gleichen Voraussetzungen schafft!
    Die Staaten geben teilweise mehr Geld aus, als sie einnehmen.
    Die Deutsche Verfassung regelt das: Geld leihen fuer Investitionen, die kurz- und langfristig das Steueraufkommen erhoehen und so zurueckgezahlt werden koennen - JA! Geld leihen fuer Besoldung und Wahlgeschenke - NEIN!
    Wenn Dinge zu kompliziert werden, versuche ich es immer mit dem INSEL-Model zu erklaeren:
    Stellen Sie sich vor, 10 Menschen stranden auf einer einsamen Insel.
    5 Leute sitzen und jammern, 5 Leuten sagen : Wir muessen etwas tun. Nahrung anbauen, Huetten bauen, Kleidung machen. Die Jammerer muessen wohl oder uebel mit anpacken, sonst verhungern sie.
    Um alle zu koordinieren, waehlt man einen Koordinator (Anfuehrer). Logischerweise den mit der besten Ueberlebenserfahrung.
    Nachdem die Grundbeduerfnisse gedeckt sind, sagen 5 Leute: Jetzt koennen wir uns in die Sonne legen und nichts tun! 5 Leute sagen: Wir muessen an die Zukunft denken!
    Wir brauchen einen Lehrer fuer die Kinder, einen Koch und einen Arzt. Wenn aber 3 Leute nicht mehr fuer die Nahrungserzeugung arbeiten, muessen wir die Produktion effizienter machen.
    Wir muessen IN DIE PRODUKTION INVESTIEREN, damit wir 3 Leute fuer andere Aufgaben freistellen koennen.
    Wir muessen eine Strasse bauen, um nicht mehr durch den Matsch zu laufen.

  • Wir muessen Maschinen bauen, um mehr Arbeit zu bewaeltigen.
    Gesagt, getan. Die Gemeinde floriert. Und irgendwann kommt der Punkt, wo man sagt: Wir brauchen einen beruflichen Koordinator (Beamten), der das Ganze organisiert.
    Die Moral von der Geschichte: Erst wenn die Gemeinde genug Ueberschuss erwirtschaftet, kann sie sich einen Beamten leisten. Die Investition geht in Produktion und Infrastruktur, vom Ueberschuss werden Lehrer, Arzt, Koch und zuletzt der Beamte bezahlt.

    Und hier noch ein praktischer Vorschlag: Aerzte werden mit einem Punktesystem bezahlt. X Puntke fuer X Leistung. Am Jahresende wird Kassensturz gemacht und entschieden, was 1 Punkt wert ist. Funktioniert, auch wenn die Aerzte schimpfen.
    Warum sollte das nicht bei Beamten funktionieren? Und hier waere es gerechtfertigt, weil es zur Arbeit anspornen wuerde.

  • Da bleibt nur eins! Die Ex-DDR "deregulieren"
    und "privatisieren"!

    Aber viel wird man für die vom "Ethno"-Kohl,
    Mitglied von B´nai B´rith, heruntergewirtschaftete
    "DDR" nicht bekommen.
    Vielleicht langt´s ja, die gierigen "Ethno"-Banken
    für 1 Woche zufriedenzustellen.

    Historiker wissen, dass mit der "Wiedervereinigung"
    1500 Milliarden DM in den Sand gesetzt wurden!
    "Aufgebaut" wurde gar nichts, - nur abgebaut!

    Damals schlug die Stunde der Kriminellen und
    Verbrecher unter der "Ethno"-Regierung Kohl.

    Die DDR-Wirtschaft wurde gezielt zerschlagen,
    um die Konkurrenz für den Westen auszuschalten.
    Funktionierende Firmen mit einem Absatzmarkt,
    den die Abnehmer schriftlich(!) für die Zukunft
    garantierten(!) wurden für "1 DM" an Gangster
    im Westen verscherbelt.

    Und dann gab es noch die Bürgschaften für
    Ausfallgeschäfte mit dem Osten. Es genügte
    1 Schreibmaschine und 1 Blatt Papier, auf
    das man angebliche ausgefallene Geschäfte
    mit dem Osten in zig oder hunderte Millionen
    Höhe tippte. Diese Forderungen wurden von
    der "Ethno"-Regierung Kohl ungeprüft(!!!)
    ausbezahlt und die Nutzniesser setzten sich
    daraufhin sofort nach Südamerika ab, bevor
    der Schwindel aufflog.

    Und so wie unter "Ethno"-Kohl die DDR
    verhackstückt wurde, wird heute unter
    Merkel die ganze BRD ruiniert mit
    "Geld raus aus Deutschland!"
    (Rettungsschirme).

    Hier gilt: Den letzten beissen die Hunde.
    Die Westgebiete kommt auch noch dran.
    Und dann ist die Zeit für die Schwarzen
    endgültig abgelaufen.

  • Kann mir eigentlich jemand ein einziges Projekt des Dicken nennen, das nicht gescheitert wäre? Seine beiden Großprojekte "Blühende Landschaften" und "Die Einigung Europas in Frieden, Freiheit und Wohlstand" kann man ja wohl getrost abhaken. Den Euro noch nicht ganz, aber wären die ständigen Rettungsaktionen nicht, wäre er schon längst erledigt. Mit Recht. Der Herr Kohl war, gleich wie seine Nachfolger, eine Heimsuchung für Deutschland. Er selbst sieht das natürlich ganz anders - nach seiner Meinung konnte Deutschland nichts Besseres als er passieren.

  • Erinnern wir uns an den Vorschlag der Bundesbank vor der Einführung der DM in den neuen Bundesländern zur Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen. Kohl hat das verhindert.

    Zum Beispiel der int. Frankfurt/Main und der Hamburger Hafen (mitten in Hamburg!) verfügen über Sonderwirtschaftszonen, in denen deutsches Recht und deutsches Hoheitsrecht nur eingeschränkt gilt. In diese Zonen können Waren zollfrei eingeführt, gelagert, verarbeitet, ausgeführt werden ohne das deutsches Zoll- und Steuerrecht gilt. Erst die Einfuhr nach DE löst Einfuhrabgaben aus.

    Jede Gemeinde kann Sonderwirtschaftszonen einrichten. Der Staat oder ein Zusammenschluss von Investoren in den Sonderwirtschaftszonen können privatrechtlich organisierte Banken gründen mit dem Zweck, Investitionen in den Sonderwirtschaftszonen zu kapitalisieren. Diese Banken können sich bei der Bundesbank (nicht der EZB) zinsgünstige Kredite besorgen.

    Sonderwirtschaftszonen sind im In- und Ausland weit verbreitet.

    Die deutsche Politik und die deutsche Wirtschaft hat dieses Gebiet weitgehend verschlafen.

  • Wenn ich Kommentare mit Wörtern wie „Dunkeldeutschland“ und „Zone“ lese, bin ich froh nicht mehr in Deutschland zu wohnen. Wer hat denn für den zweiten Weltkrieg bezahlt? Doch wohl die Vertriebenen und die DDR. In der BRD gab es den Marshallplan, in der SBZ Ost wurden dagegen die verbliebenen Industrieanlagen demontiert und in die Sowjetunion verschifft. Die Leipziger Messe ging nach Hannover, Siemens von Berlin nach München. Millionen gut ausgebildeter junger Menschen sind noch vor dem Mauerbau in den Westen geflüchtet. Das Bürgertum in der DDR löste sich auf.
    Die Einheit wurde dann maßgeblich von westdeutschen Politikern „gemanagt“. Ein wahnwitziger Umtauschkurs, eine zu schnelle Anhebung der Gehälter und Renten im Osten, das Plattmachen rentabler Betriebe, der Export zweit- und drittklassiger Beamter in den Osten, und Milliardenbeihilfen welche ohne Zweckbindung und Kontrolle natürlich verkonsumiert anstatt investiert wurden. Jeder volkswirtschaftliche Fehler den man begehen kann wurde begangen. Alle BRD-Institutionen wurden dem Osten von heute auf morgen übergestülpt, Ostdeutsche zu Hilfsempfängern degradiert anstatt gefordert und gefördert zu werden.
    Und dann gibt es heute tatsächlich noch Leute, die von Karl-Marx-Stadt faseln und sich über „Ödnis“ im Osten aufregen. Da fehlen einem die Worte.

  • In Mitteldeutschland kann man die Folgen einer zu harten Währung zusammen mit einer nicht wettbewerbsfähigen Wirtschaft begutachten. Die Regionen haben gar keine Chance wirtschaftlich auf die Beine zu kommen.

    Dasselbe verursacht übrigens der Euro in den Südländern.

    Im übrigen wurden die Menschen der DDR nach der Wende nochmal final enteignet, da das DDR-Volkseigentum in das Eigentum des Bundes überführt wurde. Und ohne Kapital funktioniert der Kapitalismus nicht wirklich.

  • Ohh,wenn ich so was lese wird mir richtig schlecht! Waren Sie auch schon ein einziges mal im "Osten"?
    Ich hoffe Sie wissen, dass Karl-Marx-Stadt = Chemnitz ist?
    Der Osten ist öde? Waren Sie schon mal in Leipzig, Dresden, Magdeburg, Berlin...? Diese Städte haben einiges mehr zu bieten als die festgefahrenen "Westmetropolen"!

    Sie haben wohl noch nie über Ihren eigenen Tellerrand geschaut. Vielleicht gab es mal den einen oder anderen Ausflug nach Malle?

  • @Eddie
    Bitte nicht solche Vorschläge, wie Umziehen der Ossis etc. Das hat doch bereits stattgefunden. Deshalb kann man unter 8 EUR/qm in Köln keine Wohnung mehr finden, während im Osten alles massenhaft leer steht, 4 EUR/qm ist dort eine Standardmiete für gut sanierten Altbau. Im Westen werden Wohnungen neu gebaut, im Osten werden sie nun abgerissen. Das ergibt volkswirtschaftlich absolut keinen Sinn ! Auch die Klischees von der Mentalität sind fragwürdig bis wenig hilfreich: Tatsache ist, dass viele Menschen aus dem Osten mit erhöhtem Elan und besserer Qualifikation ihre Familien und Freunde verlassen haben, dabei aus dem Osten in den Westen gewandert sind, aber nur wenige in umgekehrte Richtung. Auf die Dauer führt eine derartige Wanderung zu einer negativen sozialen Auslese und einem sich selbst verstärkenden Klischee. Wir produzieren damit in Deutschland nur unserer eigenes Sizilien.

    Deutschland wäre gut beraten, sich mit dem Aufbau Ost nachhaltig selbst zu helfen, insbesondere für die Reindustrialisierung des Osten zu sorgen, anstatt Milliardenzahlungen auf nimmer wiedersehen in die unproduktive Südzone der EU zu leiten.
    Ich fühle mich als im Westen aufgewachsener Deutscher den neuen Bundesländern im übrigen auch hundert mal mehr verbunden, als etwa den Spaniern oder Griechen: Der Osten ist Deutschland. Dort sind meine Landsleute, mit denen ich die Sprache, die Kultur und unsere gewählte, wenngleich absolut miserable, Regierung teile.

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