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Pakt für Berufliche Bildung Bundestags-Kommission will Laptops für jeden Lehrling

Die Enquete-Kommission des Parlaments fordert einen eigenen Digitalpakt für Berufsschulen. Doch nicht nur die Azubis sollen digital fit gemacht werden, sondern auch die Lehrer. 
21.06.2021 - 16:24 Uhr Kommentieren
In dem Digitalpakt wird ein Laptop für jeden Lehrling gefordert. Quelle: AP
Arbeit am Laptop

In dem Digitalpakt wird ein Laptop für jeden Lehrling gefordert.

(Foto: AP)

Berlin Angesichts des Einbruchs am Lehrstellenmarkt und aufgrund der Herausforderungen am Arbeitsmarkt müssen Bund und Länder mit einem „Pakt für berufliche Bildung“ die Lehre zukunftsfest machen.

Dazu muss auch ein eigener Digitalpakt für die Berufsschulen gehören – inklusive eines Laptops für jeden Lehrling. Das fordert die Enquete-Kommission des Bundestages in ihrem Abschlussbericht, der an diesem Dienstag vorgestellt wird und dem Handelsblatt vorab vorliegt. 

Hintergrund ist, dass die Zahl der neuen Lehrverträge 2020 und bisher auch 2021 stark eingebrochen ist. Experten fürchten, dass dieser Rückgang auch nach der Pandemie nicht wieder aufgeholt werden kann, sondern dass sich die duale Ausbildung –ähnlich wie nach der Finanzkrise 2008/09 auf erneut niedrigerem Niveau einpendelt.

Das jedoch würde die Versorgung der Wirtschaft mit Fachkräften zusätzlich gefährden. Daher haben Politik, Wirtschaft Gewerkschaften kürzlich auch den „Sommer der Ausbildung“ ausgerufen, um bis zum Herbst noch so viele Lehrstellen wie möglich zu vermitteln.

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    Dazu kommt, dass die Berufsausbildung sowohl in den Berufsschulen als auch in den Betrieben teilweise noch lange nicht auf die Herausforderungen von Industrie 4.0 ausgerichtet ist. So bildet jeder vierte Betrieb noch weitgehend analog aus, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt. 

    Parlamentarier wollen die Mobilität der Lehrlinge erhöhen

    Die Enquetekommission zur Beruflichen Bildung hatte in drei Jahren rund 200 mal getagt, der Abschlussbericht ist 600 Seiten stark. Darin empfehlen die Parlamentarier unter anderem einen eigenen Digitalpakt für die Berufsschulen, weil der allgemeine Digitalpakt Schule für ihren Bedarf bei weitem nicht ausreiche. Mobile Endgeräte für jeden Auszubildenden müssten entweder über eine allgemeine Lernmittelfreiheit oder über Regelzuschüsse finanziert werden. 

    Grafik

    Um die Lehrer an den Berufsschulen digital fit zu machen, fordert die Bundestagskommission, die  bestehende „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern  zu einem Programm für die Weiterbildung der Lehrer auszubauen. 

    Um die Mobilität der Lehrlinge zu erhöhen, plädiert der Bundestag für die einheitliche Einführung von Azubi-Tickets in allen Bundesländern durch die Kultusministerkonferenz. In einem zweiten Schritt sollten diese Tickts auch bundesweit gelten. 

    Hintergrund ist, dass viele Ausbildungen daran scheitern, dass Betrieb und Azubi rein räumlich nicht zusammenkommen, weil die Fahrtkosten für Lehrlinge zu teuer sind. Für all diejenigen, die eine Lehrstelle fern der Heimat antreten würden, sollen Bund und Länder zudem „Azubi-Wohnheime zur Verfügung stellen“ – inklusive  „zeitgemäßer digitaler Ausstattung“, fordert die Enquete. Daneben regt sie an, dass die Bundesagentur für Arbeit für dieses Heime auch pädagogische und soziale Maßnahmen fördert. 

    Das Schulgeld, das Auszubildende in einigen Bereichen wie Gesundheit, Erziehung und Soziales teilweise noch immer zahlen müssen, soll schnell flächendeckend abgeschafft werden. Das wurde für diverse Berufe bereits vereinbart, aber noch nicht umgesetzt. Zudem gibt es viele Berufe, in denen die Azubis nur während der Praxisphasen eine Ausbildungsvergütung erhalten. 

    Die SPD will Azubis nicht nur Heimplätze anbieten, sondern fordert eine breitere Unterstützung. Dazu sollten die  Berufsausbildungsbeihilfen so ausgebaut werden, dass sie das Niveau des Bafögs für Studierende erreichen. Denn nur so „haben Auszubildende auch die Möglichkeit, sich eigenen Wohnraum zu suchen“, sagte die SPD-Berichterstatterin Yasmin Fahimi.  

    FDP: Kommission unterschätzt fundamentalen Auswirkungen der Digitalisierung

    Die FDP kritisiert eine generelle Rückwärtsgewandtheit der Enquete-Kommission: Trotz der Forderung nach einem eigenen Digitalpakt, habe sie „sowohl den Umfang als auch die fundamentalen Auswirkungen der Digitalisierung auf die berufliche Aus- und Weiterbildung unterschätzt“, schreiben die liberalen Berichterstatter Jens Brandenburg und Thomas Sattelberger in einem Sondervotum. Die Digitalisierung werde von den anderen Parteien noch immer eher als Bedrohung denn als Chance gesehen, sagten sie dem Handelsblatt. 

    Diesen Eindruck stützt die Sprecherin der Berufsschulleiter in Hessen,  Annette Greilich, die als Sachverständige in der Enquete-Kommission mitarbeitete: „Ich war sehr erstaunt, wie selten die Mitglieder der Enquete-Kommission in den vielen Sitzungen das Wort Digitalisierung überhaupt in den Mund genommen haben“.  

    Um die Digitalisierung der Lehre auch in den Betrieben selbst zu beschleunigen, drängt die FDP darauf, auch die Fortbildungsordnungen von Meistern, Technikern und anderen sowie die Studienordnungen der angehenden Berufsschullehrkräfte zu aktualisieren. Dazu müsse das Niveau auch über die  Ausbildereignungsverordnung gesteigert werden. 

    Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Elke Hannack, nannte den Pakt für die Berufsschulen „zwingend nötig: Wir brauchen dringend mehr Geld für die beruflichen Schulen – und dies zusätzlich zum Digitalpakt Schule.

    Dabei geht es auch, aber nicht nur um die technische Ausstattung. Schulgebäude sind oft marode, viele Lehrkräfte fehlen. In vielen Regionen gibt es keine beruflichen Schulen mehr“, sagte Hannack, die auch Mitglied im CDU-Vorstand ist, dem Handelsblatt. 

    Hannack wies darauf hin, dass 2019 knapp 15 Prozent der jungen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss hatten – also fast 2,2, Millionen. Das stehe in krassem Widerspruch zum schon jetzt beklagten Fachkräftemangel, der sich spätestens dann noch massiv verschärfen werde, „wenn in den 20er Jahren die ersten der Babyboomer-Generation in Rente gehen“. 

    Mehr: Es ist Zeit für einen Mint-Notfallplan in deutschen Schulen. Ein Kommentar.

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