Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Pandemie-Bekämpfung „Drohkulissen und Verbote reichen nicht aus“ – Forderungen nach langfristiger Strategie mehren sich

Opposition und Experten fordern eine längerfristige Strategie zur Bekämpfung der Pandemie. Vor allem Ältere bräuchten stärkeren Schutz.
15.12.2020 - 04:04 Uhr 3 Kommentare
Der renommierte Wissenschaftler hält den Lockdown grundsätzlich zwar für einen richtigen Weg. Quelle: dpa
Bonner Virologe Hendrik Streeck

Der renommierte Wissenschaftler hält den Lockdown grundsätzlich zwar für einen richtigen Weg.

(Foto: dpa)

Berlin Nach dem Verhängen eines zweiten harten Lockdowns wird scharfe Kritik an der Bundesregierung laut. Ihr fehle es an einer Corona-Strategie, kritisiert die Opposition im Einklang mit Experten. So hält der Virologe Hendrik Streeck den Lockdown grundsätzlich zwar für einen richtigen Weg. „Drohkulissen und Verbote losgelöst von einer langfristigen Strategie reichen nicht aus“, sagte er dem „Münchener Merkur“.

Streeck sieht vor allem Defizite beim Schutz von Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen. Mehr als die Hälfte aller Covid-19-Todesfälle in Deutschland seien aktuell in den Einrichtungen zu verzeichnen. „Das Bisherige an Schutz reicht nicht aus“, sagte Streeck.

So müssten Pflegekräfte und Besucher häufiger Coronatests machen und konsequent FFP2-Schutzmasken tragen. „Ebenso könnte man Schleusen vor den Altersheimen aufbauen und mithilfe von Schnelltests dafür sorgen, dass praktisch niemand mit dem Virus in das Gebäude hineingehen kann“, so Streeck.

Ein harter Lockdown bereits im Sommer bei niedrigen Fallzahlen wäre seiner Meinung nach „sehr effizient“ gewesen, um die Zahlen „auf ein Minimum“ zu drücken und wieder jede Kontaktperson nachverfolgen zu können, so Streeck weiter.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Tests in Schulen

    Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit fordert, es müsse sofort mit einer langfristigen Strategie gegen die Corona-Pandemie begonnen werden. „Ein Lockdown ist natürlich keine nachhaltige Strategie – insofern stellt sich die Frage, wie wir dann die Kinder wieder sicher in die Schulen zurückkehren lassen können.“

    Tests spielten in Schulen eine entscheidende Rolle. „Nur, wir brauchen das Personal und natürlich auch die entsprechenden Tests, die man dann dort einsetzen kann“, sagte Schmidt-Chanasit.

    Auch die Opposition fordert von Bund und Ländern eine Langfristplanung für die Zeit nach dem 10. Januar, bis zu dem der Lockdown erst einmal angesetzt ist. „Das Krisenmanagement der vergangenen Wochen hat sehr viel Verunsicherung verursacht“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter dem Handelsblatt.

    „Statt immer nur wochenweise zu agieren, braucht es planbares Handeln und eine längerfristige Perspektive. Wir erwarten, dass der Bundestag im Januar endlich ein Gesetz mit einem bundesweit verbindlichen Stufenplan verabschiedet, mit dem überall klar ist, wann und wo welche Maßnahmen gelten.“

    Die Grünen hatten schon vor einer Woche einen bundesweiten Fünfstufenplan für eine längerfristige Perspektive vorgeschlagen. Der Plan sieht frühere Eingriffsstufen vor und verlangt konsequente Maßnahmen, etwa flächendeckende Schnelltests für Menschen in einem Gebiet mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 50. Gleichzeitig macht der Stufenplan durch seine stärkere Differenzierung Kultur, Gastronomie und Handel möglich, solange das lokale Infektionsgeschehen niedrig ist.

    Konkret schlagen die Grünen fünf Risikostufen vor: Dort, wo aufgrund hoher Infektionszahlen Schließungen unumgänglich seien, müssten gleichzeitig Hilfen bereitgestellt werden. Wenn Schulen oder Kitas geschlossen werden, müsse eine Betreuungsgarantie greifen.

    „Außerdem darf kein Mensch im Pflegeheim, im Krankenhaus oder zu Hause völlig ohne Besuch und Kontakt auskommen müssen“, heißt es in dem Plan.

    Die genauen Kriterien und nötigen Maßnahmen des Stufenplans sollte die Politik indes nicht alleine festlegen. Ein interdisziplinär mit Fachleuten besetzter Pandemierat sollte Empfehlungen aussprechen, die Bundestag und Bundesrat dann beschließen, forderte Fraktionschef Hofreiter am Montag.

    „Die Menschen haben einen Anspruch darauf, zu wissen, wie das Leben mit dem Corona-Virus aussieht und unter welchen Voraussetzungen auch wieder mehr gesellschaftliches Leben sicher möglich ist.“ Voraussetzung dafür sei, dass die Infektionszahlen jetzt schnell runtergehen. „Es ist gut, dass Bund und Länder nicht länger gezögert haben.“

    Wie die Grünen drängt auch die FDP auf eine längerfristige Strategie. Die Notbremse könne man angesichts ihrer Folgen nicht bis in den März verhängen, sagte Parteichef Christian Lindner.

    Mehr: Hans-Werner Sinn warnt vor Kontrollverlust: „Die Politik verliert das Maß“

    Startseite
    Mehr zu: Pandemie-Bekämpfung - „Drohkulissen und Verbote reichen nicht aus“ – Forderungen nach langfristiger Strategie mehren sich
    3 Kommentare zu "Pandemie-Bekämpfung: „Drohkulissen und Verbote reichen nicht aus“ – Forderungen nach langfristiger Strategie mehren sich"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Bravo, liebes Handelsblatt, mal wieder einer von wenigen sachlich hinterfragende Artikeln mit diesem Hysteriethema Corona.

      Alles richtig was sie schreiben. Jetzt müsste man nur noch die, seitens der Politik veröffentlichten Horrordaten hinterfragen.
      Ist der PCR-Test überhaupt in der Lage, zuverlässig Infektionen festzustellen?
      Eigentlich sind die sog. Neuinfektionen eigentlich nur "mit PCR-Test ohne cT-Wertangabe positiv Getestete". Infizierte sind nur die, bei denen Symptome auftreten.
      Es sollte in Deutschland usus sein, die jeweilige Todesursache eines Gestorbenen festzustellen. Dieses unspezifische "mit und durch" Corona gestorben gibt einen falschen Eindruck von der wirklichen Sterblichkeit wieder. Warum will man nicht eine genaue Faktenlage, wie in jedem wissenschaftlichen und sogar wirtschaftlichen Umfeld üblich.
      Schlimm ist, diese relevanten Daten von öffentlichen Stellen gibt es im Netz, ist nur etwas aufwendig sie zu finden. Da die Menschen bequem sind sehen sie nur die veröffentlichten Daten ohne Kommentar und Spezifizierung.

      Mehr Transparenz wäre nötig, nicht nur in diesem Thema.

    • Man sollte bei den Virologen differenzieren, während ein Herr Streeck schon länger einen besonderen Schutz der Älteren forderte, sahen andere Virologen dies als nicht durchführbar.
      Schaut man sich jetzt die Maßnahmen an, so hätte man diese auch schon früher starten können.
      Es bringt zwar nichts nach hinten zu schauen, aber eine Langzeitstrategie ist nun unabdingbar.

    • Habe so den Eindruck, dass einige Virilogen mit Ihrer Forderung nach einer Langfriststrategie eher ihrem Geltungsdrang nachkommen, als einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%