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Pandemie-Beschränkungen Mehr Corona-Tests oder Weihnachts-Lockdown? Ökonomen sind uneins – und zunehmend frustriert

Die Infektionszahlen müssen runter – auch zum Schutz der Wirtschaft, sagen Ökonomen. Doch auf die Frage nach den richtigen Maßnahmen geben sie unterschiedliche Antworten.
07.12.2020 - 15:08 Uhr Kommentieren
Einige Ökonomen fordern angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen härte Beschränkungen. Quelle: dpa
Passanten auf der Einkaufsmeile Zeil in Frankfurt

Einige Ökonomen fordern angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen härte Beschränkungen.

(Foto: dpa)

Berlin Nicht nur Virologen beobachten das Infektionsgeschehen in Deutschland mit großer Sorge. Auch Ökonomen zeigen sich zunehmend frustriert: „Wir haben aktuell eine ganz schlechte Situation: Vieles wurde geschlossen, aber es verbessert sich nichts mehr“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Dem dürfe die Politik nicht tatenlos zusehen.

Fuest plädiert daher für härtere Kontaktbeschränkungen. „Ich halte es für naheliegend, den Lockdown über die Weihnachtsferien zu verschärfen, weil da viele Betriebe ohnehin zumachen, und die Weihnachtsferien zu verlängern, denn natürlich spielen die Schulen eine Rolle im Infektionsgeschehen“, sagt Fuest. Konkret schlägt er vor, die Geschäfte, außer denen des täglichen Bedarfs, während der Weihnachtsferien zu schließen und damit am besten bereits ein paar Tage vor Weihnachten anzufangen.

 „Ich halte es auch für richtig, den Alkoholausschank in der Öffentlichkeit zu verbieten. Glühweinstände sind ja ganz offensichtlich keine Orte des Abstandhaltens“, sagt Fuest. Die Politik müsse sich auch fragen, „was wirklich in der Zeit bis Ende März geöffnet werden kann“, ohne die Infektionszahlen gleich wieder in die Höhe zu treiben.

Andere Ökonomen wollen dagegen bei den seit Anfang November bestehenden Schließungen bleiben. Restaurants, Hotels und Kultureinrichtungen sind seitdem geschlossen, Versammlungen weitgehend verboten.

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    Wirtschaftsweisen-Chef Lars Feld hält Verschärfungen für verfrüht: „Die Maßnahmen haben ja wenigstens die Dynamik gebrochen“, sagt Feld. „Ich würde jetzt weiter abwarten, aber Silvester zusätzlich restringieren“, also die von den Ministerpräsidenten für die Zeit von Weihnachten bis Neujahr vorgesehenen Lockerungen nicht mehr für Silvester vorsehen.



    Zusätzlich sollten Risikogruppen durch umfangreiche Tests stärker geschützt werden, um die Zahl der Todesfälle zu reduzieren, so Feld.

    IfW-Chef Felbermayr: Deutschland ist noch immer schlecht vorbereitet

    Auf mehr Tests setzt auch Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). „Eine wichtige Rolle könnten zuverlässige und ohne medizinisches Fachpersonal nutzbare Schnelltests spielen„, sagt er.

    Allerdings ärgert er sich darüber, dass diese, „obwohl schon lange angekündigt, offenbar weiterhin nicht in ausreichender Zahl oder Qualität verfügbar sind“. Felbermayr berichtet von „einer gewissen Ratlosigkeit, aber auch Frustration, dass wir immer noch so wenig wissen und so schlecht vorbereitet sind“.

    Inzwischen sei klar, dass die Ansteckung sehr häufig in Gruppensituationen stattfinde. Felbermayr verlangt daher, dass sich die Politik darauf konzentriert, durch Auflagen diese Gruppensituationen zu vermeiden. „Dann dürften sich Pandemieschutz und überschaubare Einschränkungen für die Wirtschaft miteinander verbinden lassen“, sagt er.

    Allerdings: Die Auflagen müssten auch überwacht werden. Das gelte auch für Schulen und vor allem für Schulwege: Es müssten dringend mehr Schulbusse eingesetzt werden, damit die Schüler darin mehr Platz haben.

    DIW-Chef Fratzscher kritisiert Merkels Weihnachtsversprechen

    Das reicht nicht, sagt demgegenüber auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Das zu späte und zu zögerliche Handeln der Politik erst Anfang November und unrealistische Versprechen, wie die eines kurzen Lockdown light mit Ausnahmen für die Weihnachtszeit, machen nun eine Verschärfung und länger anhaltende Restriktionen bis weit ins neue Jahr hinein unausweichlich.“

    Das Prinzip „Wirtschaft offen, Privatleben geschlossen“ hält Fratzscher für unrealistisch. „Weil niemand versteht, dass täglicher Kontakt zu Kollegen harmlos, zu Freunden und Verwandten aber gefährlich ist“ erläutert der Ökonom. „Der Erfolg der Maßnahmen hängt entscheidend von einer hohen Akzeptanz der Bevölkerung ab“, ist er überzeugt. Wenn diese fehle, werde auch die zweite Infektionswelle nicht schnell beendet werden können.

    Er betont wie Fuest, dass es keinen Widerspruch zwischen dem Schutz der Gesundheit und dem Schutz der Wirtschaft gebe. „Viele Unternehmen haben alle ihre Rücklagen aufgebraucht und haben keine Resilienz mehr, um eine anhaltende zweite Infektionswelle überstehen zu können“, warnt er.

    Ifo-Chef Fuest: Die denkbar schlechteste Infektionslage

    Auch Ifo-Chef Fuest hält das Infektionsgeschehen für weiterhin so bedrohlich, dass ein Weihnachts-Lockdown notwendig sei.  Die aktuelle Lage sei „so ziemlich das schlechteste Szenario“, sagt er.

    Das Ifo-Institut und die Helmholtz-Gesellschaft hatten Mitte Mai die Auswirkungen verschiedener Lockerungsszenarien untersucht. In dem Szenario eines Lockdown light bei gleichbleibend hohen Ansteckungszahlen wird demnach die Wirtschaft zwar erst einmal geschont, weil nur wie jetzt wenige Sektoren geschlossen sind. Wenn aber der Ansteckungswert R über 1 bleibt, also eine Person weiterhin einen oder mehrere Personen ansteckt, komme es zwangsläufig zu immer mehr Intensivpatienten und Toten. Der Lockdown light müsse dann viele Wochen fortgesetzt werden. Das schädige die Wirtschaft auf lange Sicht noch mehr als ein kurzer, harter Lockdown, so die Studie.

    „Ein R-Wert von 0,6 bis 0,7 muss erreicht werden, gerade auch aus wirtschaftlicher Sicht. Deshalb brauchen wir härtere Maßnahmen“, verlangt Fuest deshalb. Der Inzidenzwert müsse wieder deutlich unter 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen sinken, auch aus wirtschaftlichen Gründen.

    Mehr: Massive Kritik an den Weihnachts-Lockerungen.

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