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Pandemie Deutsche Industrie fordert Zusammenarbeit mit China im Gesundheitssektor

Kooperation statt Abschottung: Der BDI plädiert trotz der Corona-Probleme für einen Dialog mit der Volksrepublik. Kritisch bleibt die Frage des Marktzugangs.
20.08.2020 - 12:50 Uhr Kommentieren
Die deutsche Industrie wirbt für eine Kooperation mit China im Gesundheitssektor. Quelle: action press
Laborgeräte zur Impfstoffforschung

Die deutsche Industrie wirbt für eine Kooperation mit China im Gesundheitssektor.

(Foto: action press)

Berlin Als Lehre aus der Corona-Pandemie verfolgt die Bundesregierung das Ziel, Deutschland und Europa unabhängiger von Arzneimitteln und anderen medizinischen Gütern aus China zu machen. Die Produktion soll teilweise zurückverlagert werden. Die deutsche Industrie schlägt einen anderen Ton an: Sie fordert mehr Zusammenarbeit mit China im Gesundheitssektor.

In einem Positionspapier des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), das dem Handelsblatt vorliegt, ist viel von „Kooperationen“ und „strukturierten Dialogen“ mit der Volksrepublik im Gesundheitsbereich die Rede. Die Forderungen bleiben eher vage, doch zwischen den Zeilen schimmert ein Unbehagen über mögliche Abschottungstendenzen durch.

Handels- und Investitionshürden müssten „identifiziert und ausgeräumt“ werden, heißt es in dem Papier. Die EU und China könnten „durch eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Forschung und Gesundheitswirtschaft die Gesundheitsversorgung ihrer 1,8 Milliarden Einwohner gemeinsam stärken und gemeinsam neue, gewichtige Impulse für die globale Gesundheitspolitik geben“.

Der BDI verfasste das Papier zusammen mit der German Health Alliance, einem Zusammenschluss aus Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen. In dem Dokument heißt es: „China ist in den gesundheitspolitischen Themen ein wichtiger Markt und Partner.“

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    Die Abhängigkeit von China bei der Herstellung von Arzneimitteln und medizinischer Schutzausrüstung ist ein Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, die im Juli begann und bis Jahresende läuft. „Es sollte sich nicht in China entscheiden, ob wir ausreichend Schutzmasken oder Medikamente haben“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

    Spahns Vorhaben, die Produktion von Medizinprodukten und pharmazeutischen Wirkstoffen wieder stärker nach Europa zu verlagern, kommt in Brüssel gut an. Dort wird die Einschätzung geteilt, dass die EU-Staaten bei der Versorgung mit Gesundheitsgütern zu abhängig sind von Drittländern wie China und Indien.

    Dem Minister schwebt unter anderem vor, europäische Pharmaunternehmen mit finanziellen Anreizen zu einem Auf- und Ausbau heimischer Produktionsstätten zu bewegen. Im Juli sprachen die EU-Gesundheitsminister über das Thema, entschieden ist aber noch nichts. Zunächst soll die EU-Kommission in Abstimmung mit den Mitgliedstaaten bis Oktober 2020 eine Arzneimittelstrategie vorlegen.

    Die Bundesregierung verfolgt das Thema auch auf nationaler Ebene. Unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums kümmert sich ein Arbeitsstab darum, den Aufbau von Wertschöpfungsketten für medizinische Schutzausrüstungen, Testausstattungen und Wirkstoffe in Deutschland zu unterstützen.

    Für die deutsche Industrie geht es aber nicht nur um den Heimatmarkt, sondern auch um ihre Rolle auf dem immer wichtiger werdenden chinesischen Gesundheitsmarkt. Bis 2030 könnte dieser auf ein Volumen von 2,3 Billionen US-Dollar wachsen. Diese Entwicklung biete für europäische Unternehmen neue Geschäftschancen, so der BDI.

    „Gleichwertigkeit der Marktzugänge“

    Allerdings gebe es „noch immer viele Hürden beim Marktzugang, die eine bessere Versorgung von Patienten durch Know-how made in Europe erschweren“. Deutschland und die EU müssten eine „Gleichwertigkeit der Marktzugänge“ erreichen.

    Als mögliche Kooperationsfelder mit China identifiziert der BDI neben der Digitalisierung die „Harmonisierung von Zulassungsverfahren“ neuer Produkte. Außerdem müssten von Europa und China in multilateralen Foren wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeinsame Impulse etwa zu Pandemieprävention ausgehen – eine bemerkenswerte Position, stehen chinesische Behörden doch im Verdacht, die Gefahr durch das Coronavirus anfangs vertuscht zu haben.

    Dennoch: „Die deutsche Gesundheitswirtschaft ist der Meinung, dass die Auseinandersetzung im Systemverständnis oder um Systemherausforderungen und den stärker werdenden Wettbewerb keine Kooperationen in ausgesuchten Bereichen verhindern sollte“, heißt es in dem Papier. Dazu bedarf es aber eines geschlossenen europäischen Auftretens.

    Innerhalb der Europäischen Union müsse die Gesundheitspolitik enger verzahnt werden – gerade mit Blick auf die Veränderungen von Medizin und Versorgung durch digitale Innovationen.

    Der BDI fordert, die Schaffung eines europäischen Gesundheitsdatenraums „zügiger als bisher“ voranzutreiben. Denn Branchen wie Pharma, Medizintechnik, Biotechnologie, IT-Services und Versicherer würden durch die Digitalisierung zunehmend zusammenwachsen.

    Mehr: Das Wettrennen um den ersten Corona-Impfstoff läuft

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