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Pandemie Die Gesundheitsämter sollen verstärkt werden – Doch schon jetzt ist ein Fachkräfteengpass absehbar

Kanzlerin Merkel würdigt die Rolle der Gesundheitsämter in der Pandemie. Allerdings gibt es Zweifel, ob die Pläne von Bund und Ländern zur Stärkung ausreichen.
08.09.2020 - 16:50 Uhr 1 Kommentar
Informationen zur Infektionslage werden überwiegend per Fax von Kliniken in Gesundheitsämter verschickt. Quelle: dpa
Mitarbeiter des Gesundheitsamts Berlin-Mitte

Informationen zur Infektionslage werden überwiegend per Fax von Kliniken in Gesundheitsämter verschickt.

(Foto: dpa)

Berlin Die Bundeskanzlerin war voll des Lobes für den öffentlichen Gesundheitsdienst: Die Gesundheitsämter spielten bei der Krisenbewältigung eine „zentrale Rolle“, sagte Angela Merkel (CDU) am Dienstag bei einer Videokonferenz, bei der sie mit Vertretern von Kommunen und Ländern über den milliardenschweren Plan der Koalition zur Stärkung der fast 400 Gesundheitsämter beriet.

Diese hätten in den vergangenen Monaten einen „unfassbaren Mehraufwand“ geleistet und großen Anteil daran, dass Deutschland bislang so gut durch die Corona-Pandemie gekommen sei.

In den kommenden Jahren sollen vier Milliarden Euro fließen, in mehr Personal und in die Digitalisierung. Doch es gibt Zweifel, ob der Plan aufgeht. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther sagte dem Handelsblatt: „Der öffentliche Gesundheitsdienst ist chronisch unterfinanziert und unterbesetzt.“ Die Mittel kämen zu spät, außerdem fehle „eine klare Perspektive für eine nachhaltige Stärkung der Gesundheitsämter weit über das Jahr 2026 hinaus“.

Auch die SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis fordert, dass sich der Bund langfristig an der Finanzierung des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) beteiligt. „Dass diese Frage im ÖGD-Pakt bislang weitestgehend ungeklärt ist, ist ein großes Problem für die Gesundheitsämter“, sagte sie dem Handelsblatt. „Ohne eine klare Zusage des Bundes wird der Pakt und werden die neuen Stellen deswegen nicht umzusetzen sein.“

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    Der Präsident des Deutschen Städtetags, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), warnte ebenfalls: „Die Hilfen dürfen kein Strohfeuer sein.“ Nötig seien Finanzmittel über 2026 hinaus, um in den Ämtern langfristig planen zu können.

    Die Frage ist zudem, ob es überhaupt genügend Fachkräfte für die geplanten Stellen gibt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) beklagt seit einigen Jahren, dass Allgemeinmediziner gerade auf dem Land keine Nachfolger für ihre Praxis finden würden. Und laut einer im Dezember 2019 veröffentlichten Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts hatten auch 76 Prozent der Kliniken Probleme, offene Arztstellen zu besetzen.

    Mindestens 5000 Vollzeitstellen geplant

    Die Große Koalition hatte im Juni als Teil des Corona-Krisenpakets vereinbart, die Gesundheitsämter massiv aufzurüsten. Die Details stellte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dann vergangenes Wochenende vor: Unter anderem sollen bis Ende 2022 mindestens 5000 neue und unbefristete Vollzeitstellen im öffentlichen Gesundheitsdienst geschaffen werden, mindestens 1500 davon schon bis Ende kommenden Jahres.

    Ärztepräsident Klaus Reinhardt mahnte: „Niemand sollte glauben, dass sich die Besetzung von 5000 neuen Stellen einfach beschließen lässt.“ Vor allem die Vergütung müsse verbessert werden. „Nur so können Gesundheitsämter mit anderen medizinischen Einrichtungen um hochmotivierte Ärztinnen und Ärzte konkurrieren“, sagte Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur.

    SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zog einen Vergleich zur Altenpflege, wo die Politik zwar neue Stellen versprochen habe, von denen viele wegen des Fachkräftemangels aber noch unbesetzt sind. „Man wird einfach nicht genug Ärzte finden, die für diese Bezahlung in den Gesundheitsämtern arbeiten“, sagte Lauterbach der „Rheinischen Post“. Ein in einer Praxis angestellter Arzt mit einer Halbtagsstelle verdiene so viel wie ein Mediziner in einem Gesundheitsamt, der in Vollzeit arbeite.

    Spahn erwartet „Kraftanstrengung“

    Kappert-Gonther forderte, die Vergütung der Amtsärzte auf das Niveau der Klinikärzte anzuheben. Außerdem könnte dem Problem begegnet werden, indem nicht-ärztliche Tätigkeiten im Gesundheitsdienst aufgewertet würden.

    Die Gesundheitsämter haben rund 17.000 Beschäftigte. Laut Spahn sollen 90 Prozent der zusätzlichen Stellen in den Landkreisen und Städten entstehen: Das könnten je nach Größe des Gesundheitsamts zehn, 20 oder 30 Stellen mehr sein. Doch auch der Minister räumte ein, dass es eine „Kraftanstrengung“ sein werde, die Stellen zu besetzen.

    Der öffentliche Gesundheitsdienst verfolgt in der Pandemie Infektionsketten, sammelt Zahlen zum Infektionsgeschehen vor Ort und spielt bei der Anordnung von Tests und Quarantäne eine wesentliche Rolle. Auch in Normalzeiten haben die Ämter viel zu tun: Sie kümmern sich um amtsärztliche Untersuchungen, überwachen Hygienestandards in Gaststätten, Sportanlagen oder Schulen und machen Beratungsangebote etwa für Schwangere.

    Neben dem Versprechen von mehr Personal sollen die Ämter mit den Milliarden vom Bund auch endlich digital vernetzt werden. Der Aufbau eines elektronischen Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz ist im Verzug und soll nun bis Ende 2022 abgeschlossen sein.

    MehrDie Coronakrise hat Digitalisierungsdefizite im Gesundheitswesen offengelegt.

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    1 Kommentar zu "Pandemie: Die Gesundheitsämter sollen verstärkt werden – Doch schon jetzt ist ein Fachkräfteengpass absehbar"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich halte mich mit persönlichen Statements an dieser Stelle üblicherweise sehr zurück. Aber dies Nachricht zeigt mir, dass die Politik von innovativem Denken weiter entfernt ist, als Pluto von der Sonne.
      Wir lesen, hören und erfahren gerade, dass die Hotelbranche in Pandemiezeiten große Probleme hat, weil die Menschen in ihrem Reisen sehr eingeschränkt sind. Das ist eine traurige Tatsache und nicht wirklich zu ändern.
      Auf der anderen Seite hören wir, dass Gesundheitsämter gerade extrem überlastet sind, weil sie in diesen Zeiten außergewöhnlich gefordert sind mit Meldungen, Nachverfolgungen etc. Auch das ist eine logische Tatsache und nicht zu ändern. Es ist sozusagen der Ernstfall für den die Gesundheitsämter eigentlich da sind.
      Nun hören wir von der Politik, dass sie dieses erkannt haben und man will den Gesundheitsämtern 4 Milliarden zukommen lassen und 5000 Arbeitplätze schaffen. Bloß denkt man anscheinend nicht daran, dass die Pandemie irgendwann vorbei ist und diese 5000 Arbeitplätze dann nicht mehr benötigt werden, aber weiterhin finanziert werden müssen.
      Nun zurück zum Hotelgewerbe. Die Menschen, die dort im Bereich der Rezeption und Verwaltung arbeiten kennen sich mit Registierungen und der Nutzung von Datenbanken aus. Sie haben ein Händchen dafür mit Menschen / Gästen umzugehen, und sind Schichtarbeit gewöhnt. Sie sind also, bis auf die spezifische Fachkenntnisse, die idealen Helfer für die Gesundheitsämter in der aktuellen Lage und werden in ihrem eigentlichen Job gerade nicht voll beansprucht.
      Für mich wäre nun die logische Konzequenz, dass die Gesundheitsämter außehalb von Pandemiezeiten mit dem Hotelfach eine Kooperation zur Weiterbildung eingehen und in Pandemiezeiten die Hotelfachkräfte leihweise übernehmen und einsetzen.
      Damit ist den Gesundheitsämtern geholfen, die Hotels senken im Pandemiefall ihre Kosten und überleben, die Mitarbeiter haben durchgehend Arbeit und die Allgemeinheit profitiert von einem Guten Job der Ämter.

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