Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Pandemie-Folgen Reiseverband registriert wegen Corona Umsatzausfälle von 28 Milliarden Euro

Die Coronakrise stellt für die Reisewirtschaft eine erhebliche Belastung dar. Verbraucherschützer machen die Branche mitverantwortlich für die kritische Lage der Unternehmen.
16.11.2020 Update: 16.11.2020 - 13:10 Uhr Kommentieren
Tausende Reisebüros, Reiseveranstalter und touristische Dienstleister sind laut Reiseverband „de facto geschlossen“. Quelle: dpa
Reisekataloge

Tausende Reisebüros, Reiseveranstalter und touristische Dienstleister sind laut Reiseverband „de facto geschlossen“.

(Foto: dpa)

Berlin Die Coronakrise belastet die deutsche Reisebranche mit milliardenschweren Umsatzausfällen. „Die Unternehmen der Reisewirtschaft verzeichnen mehr als 80 Prozent Umsatzausfälle, dies entspricht einer Größenordnung von 28 Milliarden Euro für 2020“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Norbert Fiebig, dem Handelsblatt. Die finanzielle Lage der Branche sei „höchst angespannt, Insolvenzen sind die Folge“.

Laut Fiebig sind 11.000 Reisebüros, 2.300 Reiseveranstalter und viele Tausend touristische Dienstleister durch die politischen Entscheidungen der vergangenen Monate „de facto geschlossen“. Reisewarnungen und -beschränkungen hätten den touristischen Reisemarkt mit wenigen Ausnahmen „zum vollständigen Erliegen gebracht“, sagte der DRV-Präsident. Reisebüros und Reiseveranstalter, ebenso wie viele touristische Dienstleister seien „Händler ohne Ware“, da derzeit von 193 Staaten weltweit kaum einer mehr ohne behördliche Einschränkungen zu bereisen sei.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), zeigte sich angesichts der geschätzten Umsatzausfälle alarmiert. „Für die Unternehmen und Beschäftigten der gesamten Reisebranche ist die aktuelle Situation eine Katastrophe, da hilft kein Herumreden“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium dem Handelsblatt. „Das Reisen ist bis auf ein kurzes Luftholen im Juli und August beinahe komplett zum Erliegen gekommen.“ Im Fall von Geschäftsreisen seien die „oft margenstarken Gäste“ für Hotels, Messen, Kongresse, Tagungen bis hin zum Taxiunternehmen dieses Jahr „so gut wie komplett ausgefallen“.

Die Bundesregierung versucht nach Angaben von Bareiß die wirtschaftlichen Auswirkungen abzufedern und eine Perspektive zu schaffen. „Das ist eine Herkulesaufgabe“, sagte er. Mit den neuen und den bereits laufenden Hilfsmaßnahmen sollen „gesunde Strukturen“ in der Reisebranche bewahrt werden. In der Krise sei „ganz bewusst“ auch das Budget der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) um 10 Millionen Euro erhöht worden, erläuterte der CDU-Politiker. Die DZT ist für das Marketing der Destination Deutschland im Ausland verantwortlich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die finanziellen Spielräume seien groß, aber nicht unbegrenzt, betonte Bareiß. Trotz der „katastrophalen Situation“ komme man aber insgesamt bisher vergleichsweise gut durch die Krise. „Ich bin sicher, die Lust aufs Reisen wird nach der Pandemie größer sein denn je, das sollte uns Mut machen.“ Deutschland sei nicht nur kulturell und landschaftlich vielfältig und attraktiv, sondern gelte weltweit auch als sicher und gut organisiert. „Dieser gute Ruf wird zukünftig gerade beim Reisen noch wichtiger sein.“

    Verbraucherschützer kritisiert Reisewirtschaft

    Nach Einschätzung des Reiseverbands werden die Reiseunternehmen weit bis ins nächste Jahr hinein von den weitreichenden Einschränkungen des Reiseverkehrs betroffen sein. „Hier muss die Bundesregierung ihren Beitrag leisten, um die Strukturen der Reisewirtschaft mit ihren 2,9 Millionen Arbeitsplätzen zu sichern“, sagte Verbandspräsident Fiebig.

    Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller sieht die kritische Lage der Reisewirtschaft teilweise selbstverschuldet. „Die Lage für die Reisebranche ist definitiv düster“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dem Handelsblatt. Deswegen wäre schon im Frühjahr die Einrichtung eines Reisesicherungsfonds „mehr als geboten“ gewesen, um den Unternehmen Liquidität zu verschaffen.

    Grafik

    Die Branche habe aber wie die Bundesregierung auf Zwangsgutscheine für stornierte Reisen gesetzt. „Die Firmen wollten die Kosten der Krise damit eins zu eins an die Verbraucher durchdrücken“, sagte Müller. „Das war dreist – und ein strategischer Fehler. Damit wurde der Zeitpunkt verpasst, der Branche wirkungsvoll vonseiten des Staates unter die Arme zu greifen.“

    Besonders die Flugbranche hat nach Aussage von Müller in der Krise für Ärger bei Reisenden gesorgt. „Die Beschwerden zu Reisen und Flügen haben bei den Verbraucherzentralen in der Hochphase der Pandemie, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, um das Zwanzigfache zugenommen“, sagte der VZBV-Chef. „Eine solche Entwicklung hat es in der langen Geschichte unseres Verbands noch nicht gegeben.“

    Lufthansa in der Kritik

    Die Verbrauchzentralen registrierten immer noch Beschwerden über bezahlte Flüge, die ausgefallen seien, aber nicht erstattet wurden. „Das ist ein Skandal“, sagte Müller. „Ein Lichtblick ist jetzt immerhin, dass die Reisebranche allmählich ihre verbraucherunfreundliche Stornierungspraxis überdenkt.“

    In der Kritik steht vor allem die Lufthansa, weil der Konzern trotz staatlicher Milliardenhilfe seinen Kunden nur schleppend und mit großer Verzögerung Geld für Tickets ersetzt hatte. Seit Ausbruch der Coronakrise hatte die Lufthansa Millionen Flüge und damit Tickets stornieren müssen. Nach EU-Recht müssen Airlines ihren Kunden eigentlich innerhalb von sieben Tagen das Geld für stornierte Tickets zurückzahlen.

    Aktuell sind noch rund 500.000 Fälle von Ticketerstattungen offen, sagte ein Konzernsprecher dem „Tagesspiegel“. Dabei geht es den Angaben zufolge um etwa 200 Millionen Euro. Insgesamt haben die Airlines der Lufthansa-Gruppe (Eurowings, Germanwings, Austrian, Swiss, Brussels, Edelweiss) im laufenden Jahr über 3,5 Milliarden Euro an mehr als 8,4 Millionen Kunden erstattet, teilte die Lufthansa auf Anfrage weiter mit.

    Nach den neuerlichen Reisewarnungen sei die Lufthansa auch aktuell gezwungen, ihre Flugpläne zu ändern, hieß es. Das führe zu neuen, unvermeidlichen Flugstreichungen. „Die damit verbundenen Erstattungsanträge werden so schnell wie möglich bearbeitet“, versicherte der Sprecher jedoch. Die Zahl der offenen Erstattungsanträge werde sich weiter „dynamisch“ entwickeln und in den kommenden Wochen weiter abnehmen, aber nicht gänzlich null erreichen.

    Der Reiseverband gab indes zu bedenken, dass Pauschalreisen und touristische Übernachtungen im In- und Ausland in den vergangenen Monaten nicht zu einer erhöhten Verbreitung des Virus geführt hätten. „Daher sind Beherbergungsverbote, Zwangsquarantänevorschriften und Reisebeschränkungen nicht die entscheidenden Maßnahmen, das Pandemiegeschehen wesentlich zu beeinflussen“, sagte Verbandspräsident Fiebig. Maßgeblich sei vielmehr nach wie vor die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln – besonders im familiären Umfeld.

    Fiebig erinnerte zudem daran, dass die Reisebranche frühzeitig umfangreiche Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen ergriffen habe, um mit Pauschalreisen und auch Flugreisen eine möglichst sichere Mobilität zu ermöglichen. „Die Reisewirtschaft stellt sich dabei ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und hilft, Infizierte zu identifizieren, um so eine Verbreitung des Virus zu reduzieren“, sagte er.

    Daher sei eine Konzentration auf das Thema Testen unumgänglich. „Hier bedarf es einer umfangreichen, risikobasierten Teststrategie der Bundesregierung“, mahnte Fiebig. „Ziel muss es sein, Reisen mit einer Teststrategie zu ermöglichen und Quarantäne zu vermeiden.“

    Mehr: Deutschlands oberster Verbraucherschützer zieht eine kritische Bilanz der bisherigen Corona-Hilfsmaßnahmen. Ein Interview mit Klaus Müller.

    Startseite
    Mehr zu: Pandemie-Folgen - Reiseverband registriert wegen Corona Umsatzausfälle von 28 Milliarden Euro
    0 Kommentare zu "Pandemie-Folgen: Reiseverband registriert wegen Corona Umsatzausfälle von 28 Milliarden Euro"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%