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Pandemie „Gefährlicher Trend“: Deutsche Pharmabranche beklagt Wettbewerbsnachteile bei Medikamentenforschung

Die deutsche Pharmaindustrie fordert bessere Bedingungen für die Forschung an neuen Arzneimitteln – und warnt, nicht hinter die USA und Asien zurückzufallen.
16.07.2020 - 13:05 Uhr Kommentieren
Die Pharmabranche ist besorgt, von den USA oder asiatischen Ländern abgehängt zu werden. Quelle: dpa
Pharma

Die Pharmabranche ist besorgt, von den USA oder asiatischen Ländern abgehängt zu werden.

(Foto: dpa)

Berlin Die Hoffnungen in der Corona-Pandemie liegen auf Impfstoffen und Therapien gegen das Virus und die Lungenkrankheit Covid-19. Auch in Deutschland wird daran geforscht – doch die Pharmaindustrie beklagt Nachteile im internationalen Wettbewerb. Die Branche hat nun einen Katalog mit Forderungen vorgelegt, um die Entwicklung innovativer Arzneimittel in der Bundesrepublik zu stärken.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) sieht einen „gefährlichen Trend“: Deutschland sei einst die „Apotheke der Welt“ gewesen, verliere nun aber immer mehr an Boden, insbesondere gegenüber den USA und asiatischen Ländern. Die klinische Forschung sowie die besonders zukunftsträchtige Biotech-Produktion fänden zunehmend dort statt, ebenso wie Investitionen in neuartige Gen- und Zelltherapien.

In dem Verband sind 45 Unternehmen vertreten, die nach eigenen Angaben mehr als zwei Drittel des deutschen Arzneimittelmarktes ausmachen. „Die Pandemie hat die Bedeutung der forschenden Pharmaindustrie gezeigt“, sagte VFA-Präsident Han Steutel dem Handelsblatt. Für die Entwicklung neuer Arzneimittel brauche die Branche „optimale Rahmenbedingungen“.

Steutel kritisiert: „Die Verfahren für die Entwicklung neuer Medikamente sind in Deutschland oft zu langwierig.“ Die Genehmigung von klinischen Studien dauere zu lange, die Zulassungsbehörden hätten nicht genug qualifiziertes Personal.

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    Außerdem müssten die Verfahren in der EU stärker zusammengeführt werden. „Bislang kocht jedes Land bei der Bewertung des Zusatznutzens eines neuen Medikaments sein eigenes Süppchen“, sagte Steutel. „Viel sinnvoller wäre eine europäische Nutzenbewertung.“

    Die forschenden Pharmaunternehmen formulieren ihre Erwartungen an die Bundesregierung in einem Sieben-Punkte-Papier. Darin fordern sie unter anderem, die Gewerbe- und die Körperschaftsteuer zu senken. Auch die Ansiedelung innovativer Start-ups im Pharmabereich müsse stärker gefördert werden.

    Nutzung von Gesundheitsdaten

    „Ein neues Pharmaunternehmen etwa im Biotech-Bereich kommt in den Vereinigten Staaten viel leichter an Wagniskapital“, sagte Steutel. „Da würde es sicherlich helfen, wenn wir hier in Deutschland die Abschreibungsregeln für Investoren großzügiger gestalten.“

    Einen Nachteil sieht die Branche zudem bei der Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung. Es gehe nicht darum, das Konzept des gläsernen Patienten aus China zu kopieren. „Aber wir sollten dennoch sehen, dass wir es den deutschen Pharmaunternehmen nicht schwieriger als nötig machen“, so Steutel. Es sei „völlig unverständlich, dass die Industrie für die Entwicklung neuer Therapien nicht auf die anonymisierten Versorgungsdaten zugreifen darf, die mit der geplanten elektronischen Patientenakte zur Verfügung stehen“.

    Die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wegen der Abhängigkeit von China und Indien die Produktion von pharmazeutischen Wirkstoffen nach Europa zurückzuholen, sieht der VFA kritisch. Zwar müssten die globalen Lieferketten „robuster“ gemacht werden, grundsätzlich könne die Rückverlagerung der Produktion nach Europa aber nicht die Lösung sein. „Das würde viel zu lange dauern und wäre auch viel zu teuer“, sagt Steutel.

    Ablehnend steht die Pharmaindustrie auch einem wachsenden Staatseinfluss gegenüber. Zwar sei die Beteiligung des Bundes an der Tübinger Biotech-Firma Curevac, die an einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 forscht und als Kandidat für eine ausländische Übernahme galt, „verständlich“ gewesen, sagte Steutel. Der Fall müsse aber die Ausnahme bleiben.

    „Ich wüsste auch nicht, wie das in unserer Branche gut gehen könnte“, so der VFA-Präsident. „Die Risiken, die wir bei Forschung und Entwicklung eingehen, sind enorm.“ Die Politik müsste dann ständig Verantwortung übernehmen, wenn viel Steuergeld in ein Projekt gesteckt wird, das am Ende nicht zu einem Medikament führt.

    Mehr: Die Pharmabranche forscht massiv nach Mitteln gegen Covid-19, viele andere Studien verzögern sich. Digitale Technologien werden jetzt immer wichtiger.

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