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Pandemie „Generalüberholung“ gefordert: Streit um Teststrategie der Bundesregierung

Die Debatte um Gratis-Tests nimmt nach der Einstufung von Spanien als Risikogebiet neue Fahrt auf. Bayern hat noch immer mit der Test-Panne zu kämpfen.
16.08.2020 - 17:42 Uhr 3 Kommentare
Nach der Rückreise aus einem Risikogebiet müssen sich Touristen testen lassen. Quelle: dpa
Kostenloser Corona-Test an Rastanlage

Nach der Rückreise aus einem Risikogebiet müssen sich Touristen testen lassen.

(Foto: dpa)

Berlin Rund 30.000 deutsche Pauschaltouristen befinden sich nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) noch auf den Balearen – und damit seit Freitagabend in einem Corona-Risikogebiet. Die Bundesregierung hatte angesichts steigender Fallzahlen ihre bisher für einige spanische Gebiete geltende Reisewarnung auf das gesamte Festland sowie die Mittelmeerinseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera ausgedehnt. Ausgenommen sind nur die Kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean.

Deutsche dürfen weiter Spanien-Urlaub machen. Allerdings: Bei der Rückreise müssen sie nun in Quarantäne, solange sie keinen negativen Coronatest vorweisen können. Die Einstufung von Spanien als Risikogebiet befeuerte die Debatte, ob sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten an den Kosten für die Coronatests beteiligen sollen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte deutlich, dass die Tests in jedem Fall kostenlos bleiben sollten: „Das schützt uns und das schützt andere.“ Der Minister sagte in den ARD-„Tagesthemen“, er verstehe zwar den Impuls gut nach dem Motto: „Wer sich den Skiurlaub leisten kann, der kann sich auch das gebrochene Bein leisten.“ Das sei aber kein gutes Prinzip. Denn Tests, die etwas kosten, versuchten manche Reisende womöglich zu vermeiden.

Die Kosten für die Pflichttests werden aus den Mitteln der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beglichen. Das gilt auch für Privatversicherte, die gar keine Beiträge zum gesetzlichen System zahlen. Als Ausgleich erhält die GKV in diesem Jahr einen höheren Zuschuss aus dem Bundeshaushalt.

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    Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer sagte dem Handelsblatt: „Die Kosten für Pflichttests müssen die Rückreisenden aus Risikogebieten selbst zahlen – nicht die Allgemeinheit. Wer sich eine Fernreise mitten in der Pandemie ausgerechnet in ein Risikogebiet leisten kann und trotz kostenloser Stornierungsmöglichkeiten nicht umbucht, muss auch das Geld für einen Pflichttest aufbringen.“

    Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, warf der Bundesregierung Versäumnisse im Umgang mit Reiserückkehrern vor. „Die Bundesregierung hat es verschlafen, zusammen mit den Ländern eine einheitliche Teststrategie zu koordinieren und sich damit bestmöglich auf den Umgang mit den Reiserückkehrern vorzubereiten“, sagte Hofreiter dem Handelsblatt. „Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen ist es nun allerhöchste Zeit dafür.“

    Wiederholungstests gefordert

    Theurer forderte eine „Generalüberholung“ der deutschen Teststrategie. „Mit mehr Tests lassen sich Infektionsketten schneller unterbrechen und eine zweite Coronawelle verhindern“, sagte der FDP-Fraktionsvize. „Wird hingegen erst beim Auftreten erster Symptome getestet, wurden wahrscheinlich schon drei bis sieben Menschen angesteckt.“

    Unter anderem müsse in Schulen und Kitas präventiv durchgetestet werden. „Nur so lässt sich der gewünschte Regelbetrieb mit Präsenzunterricht in Schulen und Kitas ermöglichen“, sagte er.

    Grafik

    An Autobahnen und Bahnhöfen müsse es für Rückreisende ein „flächendeckendes Testangebot“ geben. Zusätzliche Testmöglichkeiten müssten auch für Polizei und medizinisches Personal geschaffen werden. Außerdem forderte Theurer, nicht nur ein Mal zu testen: „Es müssen Wiederholungstests gemacht werden, um die Treffsicherheit zu erhöhen.“

    Zuletzt mussten sich Menschen bei der Einreise aus Risikogebieten 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden. Nun ist auch ein Testergebnis erforderlich, das den Behörden vorgelegt werden muss. Mit der Einstufung Spaniens als Risikoland erhöht sich der Bedarf an Testkapazitäten an deutschen Flughäfen.

    Der Flughafenverband ADV erwartet: „Die Testzentren werden stärker ausgelastet sein – auch an den Flughäfen.“ ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel rief daher Reisende auf, sich nicht nur an den Airports, sondern auch bei ihrem Hausarzt oder Gesundheitsamt testen zu lassen. Das sei – mit Ausnahme Bayerns – binnen 72 Stunden nach der Rückkehr möglich. „Dadurch können Wartezeiten und Schlangen minimiert werden“, sagte Beisel dem Handelsblatt.

    Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist der Anteil der aus dem Ausland eingeschleppten Infektionen deutlich gestiegen. An rund 20 Flughäfen und mehreren größeren Bahnhöfen befinden sich Testzentren für Reiserückkehrer. Bayern richtete zudem mobile Teststationen an Autobahnen ein. Mit der Organisation war der Freistaat aber offenbar überfordert.

    Panne noch nicht aufgeklärt

    Vergangenen Mittwoch war bekannt geworden, dass mindestens 44.000 getestete Menschen ihre Ergebnisse gar nicht oder mit erheblicher Verzögerung erhielten – darunter waren auch mehr als 900 positive Fälle. Eigentlich wollten die Gesundheitsbehörden bis spätestens Donnerstagmittag alle Getesteten benachrichtigen, doch die Panne war auch bis zum gestrigen Tag noch nicht vollständig aufgearbeitet.

    Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erklärte, dass 903 positiv Getestete ermittelt worden seien. Bei 46 positiven Befunden würden weiterhin keine passenden Personendaten vorliegen. Die Landesregierung in München hatte die Probleme auf fehlende Software und eine unerwartet große Zahl von Freiwilligen zurückgeführt, die sich den Tests unterzogen hatten.

    Grünen-Fraktionschef Hofreiter warf dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) vor, „mit seinem unkoordinierten Vorpreschen und dem Angebot von massenhaften Tests ohne klare Strategie“ die Behörden überfordert zu haben. Dies könne nun „Auswirkungen auf Infektionen im ganzen Bundesgebiet“ haben, sagte der Grünen-Politiker. FDP-Fraktionsvize Theurer sagte: „Söder muss hier die volle Verantwortung übernehmen. Er hat ja die Latte sehr hoch gelegt und muss sich daran selbst messen lassen.“

    Mehr: Die Bundesregierung hat Spanien, ausgenommen der Kanaren, zum Risikogebiet erklärt.

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    3 Kommentare zu "Pandemie: „Generalüberholung“ gefordert: Streit um Teststrategie der Bundesregierung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Tests kostenpflichtig zu machen? Urlauber, die bewusst oder unbewusst in Risikogebiete fahren, würde ich gleichsetzen mit Rauchern, die bewusst weiter rauchen, obwohl sie wissen, dass Rauchen die Gesundheitskosten in die Höhe treibt, mit Übergewichtigen, die weiter essen, als gäbe es kein morgen, mit Sportlern, die Risikosportarten betreiben, bei denen die Verletzungsgefahren deutlich gesteigert sind .... Entweder wird nach Risiko der Krankenkassenbeitrag gerechnet, oder die Testungen bleiben selbstverständlich kostenlos. Was für eine kurzgedachte, unsinnige Diskussion.

    • Ganz einfach. Wenn der Staat per Zwang einen Test anordnet dann hat er ihn auch zu bezahlen. Was ein Risikogebiet ist wird vom Staat momentan par ordre de mufti willkürlich angeordnet und hat überhaupt nichts mit der Realität vor Ort zu tun, sonst müsste der Balkan als Risikogebiet mit Kroatien und da vor allem die Insel Pag mit Novalja ganz vorne stehen, tut es aber nicht, obwohl von dort die meisten Corona infizierten im Verhältnis zur Urlauberzahl herkommen. Da wir momentan noch Reisefreiheit haben, können wir als noch freie Bürger hingehen wo wir wollen, mal sehen wie lange dass unsere Links-/ Grünenfaschisten noch zulassen. Über Freiheits- und Menschenrechte und deren Gültigkeit oder Gewährung oder Einschränkung gibt es keine Mehrheitsentscheidung die gelten in Demokratien immer ohne Wenn und Aber.

      Eins sollte klar sein, niemand gefährdet andere, auch wenn er mit Covid 19 infiziert sein sollte, da sich jeder selbst super mit FFP2 Masken und einfachem Händewaschen und Abstandhalten sicher und wirksam schützen kann.
      Wäre das nicht der Fall dann wäre die Maskenpflicht, Abstandhalten unsinnig.

      Die Kostendebatte ist nur eine Hetzdebatte oder Neiddebatte. Bitte dann aber konsequent debattieren. Dann sind alle Verletzungen die Urlaubs-/Sportbedingt entstehen, Impfungen für exotische Länder, ansteckenden Krankheiten oder alle Krankheiten die man sich im Ausland geholt hat und die in Deutschland nicht heimisch sind, nicht mehr über die Krankenkassen zu zahlen. Jeder muss sich dafür selbst privat versichern.

    • Von der Corona-Bremse auf‘s Corona-Gaspedal gerutscht! Der überhebliche Corona-Zampano Söder hat sich überhoben! Er ist nur ein wenig begabter, charakterloser und zu Schmutzeleien neigender Zauderer im öffentlichen Bereich. Ein großer, großmäuliger Ankündigungs-Politiker, ein an seinen eigenen Ansprüchen gescheiterter Umsetzungs-Zwerg.
      Statt sich um seine ureigensten Aufgaben in Bayern zu kümmern und die Corona-Pandemie in Bayern endlich besser in den Griff zu bekommen (Tests von Urlaubsrückkehrern! Senkung der Infektionen!), watscht Söder Laschet ab und gibt die Meinung der Bevölkerung zur Kanzlerkandidatur von Scholz falsch wider („kein Mensch hat Verständnis“).
      Das können auch keine breit veröffentlichten Posts aus dem privaten Bereich gutmachen, deren Veröffentlichung man durchaus hinterfragen darf.
      Aber immerhin hat die sich eintrübende Corona-Lichtgestalt Söder schon Schuldige für das folgenreiche Test-Disaster in Bayern parat:
      die Test-Zentren, die mangelnde Digitalisierung, den „gefeuerten“ Chef des Landesamtes für Gesundheit, demnächst sicherlich auch Ministerin Huml, die Dynamik der Pandemie etc.
      Und: auf keinen Fall liegt es an Söder‘s Strategie einer Testoffensive mit 24 Stunden-Garantie! Charaktertest nicht bestanden!
      Söder glänzt nicht mehr: weder bei der Pflicht noch bei der Kür!

      Was könnte Söder daraus lernen?
      1. Man kann das Virus nicht wegtesten. Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Test!
      2. Kompetenz kann man nicht herbei reden („Der bayerische Weg war richtig“, „Wir haben Bayern gut beschützt“, „Bayern war und ist vorsichtiger als andere Bundesländer“).

      Und noch etwas: Knapp 1000 uninformierte Infizierte stecken in diesem Fall möglicherweise rd. 4000 weitere Personen an. Diese wiederum 16.000, falls sie nicht informiert werden, was ja in Bayern nicht unüblich zu sein scheint. Und dann weitere 64.000 ... Jetzt verstehe ich, weshalb Söder schon von der zweiten Welle sprach!

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