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Pandemie Studie: Je höher das Einkommen, desto geringer die Corona-Einbußen

2020 ist die Ungleichheit zwischen hohen und niedrigen Einkommen gewachsen, so eine Untersuchung des Gewerkschaftsinstituts WSI. Auch die Mitte verliert.
19.11.2020 - 10:39 Uhr 1 Kommentar
Die Coronakrise hat die Schere zwischen Arm und Reich verstärkt. Quelle: dpa
Corona-Pandemie

Die Coronakrise hat die Schere zwischen Arm und Reich verstärkt.

(Foto: dpa)

Berlin Der Abstand zwischen hohen und niedrigen Einkommen wird in Deutschland wieder größer – als Folge der Corona-Wirtschaftskrise. Wer vor der Krise bereits wenig verdiente, hat 2020 öfter und höhere Anteile des Lohns verloren. Die Beschäftigten mit den höchsten Einkommen hatten dagegen eher selten Einbußen und falls doch, blieben sie gering. Zu diesen Ergebnissen kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Gewerkschaften in seinem neuen Verteilungsbericht.

Das von Bettina Kohlrausch geleitete Institut hat zunächst die Einkommensentwicklung anhand der aktuellsten, bis Ende 2017 reichenden Daten untersucht. Für die Zeit danach befragte ein Forscherteam der Hans-Böckler-Stiftung 6300 Erwerbstätige und Arbeitssuchende und wertete auch Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP), einer jährlichen Befragung von 16.000 Haushalten, aus.

Nach diesen Umfragen sind die niedrigen Einkommen noch weiter gegenüber den höheren zurückgefallen. „Wer weniger hatte, hat relativ auch noch besonders viel verloren“, so Kohlrausch. Anders als in früheren Krisenzeiten sei davon auch der untere Teil der mittleren Einkommen betroffen.

Konkret haben alle Befragten im Durchschnitt bis Juni knapp 32 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. In der Gruppe jener mit einem Haushaltseinkommen unter 1500 Euro waren es aber deutlich über 40 Prozent, und bei den Beschäftigten mit Haushaltseinkommen zwischen 1500 und 2000 Euro waren es 37 Prozent. Von den Befragten mit einem Haushaltsnetto von über 4500 Euro berichteten lediglich 26 Prozent von Einbußen.

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    Ein ähnliches Muster zeigt sich bei der Höhe der Ausfälle: Bei den Haushalten mit mehr als 2600 Euro netto verlor ein Drittel mindestens ein Viertel des Einkommens. Bei jenen, die nur maximal 2000 Euro vor der Krise hatten, büßte die Hälfte mehr als ein Viertel der Einkünfte ein.

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    Noch stärker trafen die Lockdown-Folgen die Haushalte mit weniger als 900 Euro Einkommen. Von ihnen verloren 20 Prozent sogar mehr als die Hälfte.

    Am meisten Einkommen verloren Selbstständige und jene, die im Niedriglohnsektor arbeitslos wurden. Darunter dürften etliche Beschäftigte aus den besonders von der Krise betroffenen Gastronomie- und Tourismusbereichen sein.

    Aber auch die Kurzarbeit hat sich demnach als Ungleich-Macher erwiesen: Im Niedriglohnsektor wurde das Kurzarbeitergeld von 60 Prozent (67 Prozent für Eltern) so gut wie nie aufgestockt, für höhere Einkommensgruppen dagegen fast immer.

    Kohlrausch betonte, dass sich der Unterschied auch daran festmachte, ob ein Unternehmen tarifgebunden ist oder nicht: 58 Prozent der Kurzarbeiter in tarifgebundenen Bereichen bekamen eine Aufstockung vom Arbeitgeber, in Unternehmen ohne Tarifbindung nur 34 Prozent.

    Längerfristig betrachtet ergibt sich laut Kohlrausch folgendes Bild bei der Einkommensverteilung: Demnach wuchs die Ungleichheit der Einkommen zwischen 1999 und 2005 bisher am stärksten: Der Gini-Koeffizient stieg von 0,25 auf 0,289. Das sei auch im internationalen Vergleich ein starker Anstieg gewesen. Bei einem Gini-Koeffizienten von null hätten alle Haushalte das gleiche Einkommen, bei einem von eins bekäme ein Haushalt alles.

    In den Folgejahren änderte sich die Ungleichheit nicht, stieg aber von 2010 bis 2013 wieder leicht auf 0,294.

    Der Nach-Finanzkrisen-Boom der deutschen Wirtschaft kam danach dann aber auch bei den mittleren Einkommen an, die solide anstiegen. Der Gini-Koeffizient sank so bis 2017 erstmals wieder auf 0,289 – den Wert von 2005. Die ärmsten zehn Prozent der Haushalte allerdings nahmen auch im letzten Aufschwung nicht an diesem Gehaltsaufschwung teil, sondern erlitten Einkommenseinbußen. Für die zweitärmsten zehn Prozent stagnierten die Einkommen.

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    Für die oberen 60 Prozent wuchsen dagegen die Einkommen zwischen 2013 und 2017 gleichmäßig und recht kräftig.

    Wie stark die aktuelle Corona-Rezession einen dauerhaften Trend zur Ungleichheit auslösen wird, ist allerdings unklar: Seit Juni wurde in vielen Betrieben die Kurzarbeit beendet. Gleichzeitig allerdings erleiden die Branchen mit den ohnehin prekären Beschäftigungsverhältnissen aktuell den zweiten Lockdown.

    Kohlrausch fordert als Gegenmaßnahmen von der Bundesregierung, das Kurzarbeitergeld aufzustocken, das Arbeitslosengeld I bis zum Ende der Pandemie für alle Arbeitslosen zu verlängern, den Hartz IV-Satz zu erhöhen und mehr Qualifizierungsmöglichkeiten für Kurzarbeiter zu schaffen.

    Mehr: Das deutsche Steuer- und Transfersystem führt dazu, dass viele Frauen oder Geringverdiener in der Minijob-Falle stecken bleiben, zeigt eine Ifo-Studie für die Bertelsmann Stiftung.

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    1 Kommentar zu "Pandemie: Studie: Je höher das Einkommen, desto geringer die Corona-Einbußen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist immer so, dass die Vielverdiener offensichtlich besser mit Krisen umgehen werden.
      Das zu bemängeln ist wenig hilfreich.
      Wichtig wäre - was kann der einzelne sog. Geringverdiener:in tun und will er dies auch, denn das hat mit Anstrengung zu tun.
      Anstrengung in Richtung Verantwortung, Mut, Fleiß und Bildung.
      Neid zu schüren ist kein guter Plan. Wo bleibt die Unterstützung für zumindest diejenigen, die aus dieser Negativentwicklung herauskommen wollen.
      Wirtschaft, Zukunft ist nicht wichtig genug als dass diese Themen es in die Ausbildungsstätten schaffen.

      Eine Fehlerkultur in Deutschland ist kaum verbreitet. Man zetert lieber als zu machen was man will und kann.

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