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Pandemiebekämpfung„Wirft Impfkampagne zurück“: Spahn erntet Kritik für Pläne zur Biontech-Reservierung für Schüler

Der Gesundheitsminister will Dosen zurückhalten, um Schüler schneller zu impfen. Experten sind skeptisch. Der Vorstoß sei „zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar“.Jürgen Klöckner 25.05.2021 - 17:03 Uhr Artikel anhören

Der CDU-Politiker macht Tempo beim Impfen von Schülern.

Foto: dpa

Berlin. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) steht für seine Pläne in der Kritik, Biontech-Impfdosen für Schüler zu reservieren. „Der Vorstoß ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehbar“, sagte der Chef des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung, Dominik Stillfried, dem Handelsblatt.

„Ein Zurückhalten des Biontech-Vakzins für Jüngere würde die Impfkampagne rechnerisch um rund zwei Wochen zurückwerfen“, sagte Stillfried. Kritisch sei das deswegen, weil Schüler ein niedrigeres Risiko hätten, an Corona schwer zu erkranken, als die Impfgruppen, die noch ausstehen, sagte Stillfried.

Diese Gruppen würden erst bis Mitte September eine Erstimpfung erhalten, sofern nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) geimpft werde. Die hatte entschieden, nur die Mittel von Biontech und Moderna für unter 60-Jährige zu empfehlen.

Der Grund dafür sind seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen der Impfstoffe von Johnson & Johnson und Astra-Zeneca. Der Fortschritt beim Impfen baut also derzeit im Wesentlichen auf das Mittel von Biontech.

Spahn hatte erklärt, allen Schülern bis Ende August ein Impfangebot zu machen und dafür Impfdosen des Herstellers zurückzuhalten. Einige Bundesländer wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kündigten gar an, ihre Schüler bereits vor den Sommerferien impfen lassen zu wollen.

Über das genaue Vorgehen wollen Bund und Länder am Donnerstag beraten. Die EU-Arzneimittelbehörde Ema will möglichst noch in diesem Monat über die Zulassung von Biontech für ältere Kinder entscheiden.

Stiko äußert sich zurückhaltend

Es steht allerdings noch die Empfehlung der Stiko aus, die sich eine Prüfung vorbehält und sich bislang zurückhaltend äußerte. „Es kann sein, dass die Stiko den Vorstellungen der Politik nicht in allen Punkten nachkommen kann, da die Ergebnisse das unter Umständen nicht hergeben“, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens.

Auch deswegen sieht ZI-Chef Stillfried die Spahn-Pläne kritisch. „Sollte die Stiko den Impfstoff für Jüngere nur eingeschränkt oder gar nicht empfehlen, könnte dies zu erneuter Verunsicherung führen – so, wie wir es in der Debatte um den Impfstoff von Astra-Zeneca erlebt haben“, sagte er.

Die Impfung der Kinder wird politisch auch mit der Frage verbunden, wann Schulen wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren können. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte am Wochenende von allen Ländern einen Fahrplan für Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren gefordert, möglichst bis zum Beginn des kommenden Schuljahres, damit „nach den Sommerferien überall der Betrieb wieder relativ normal beginnen kann“, wie die Ministerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte.

In den Ländern wird die Frage teils kontrovers diskutiert. So sollen in Nordrhein-Westfalen alle Schüler ab dem 31. Mai wieder Präsenzunterricht erhalten. Die Landeselternkonferenz kritisierte, die Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI), erst bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 50 zu öffnen, werde ignoriert.

In Niedersachsen wechseln Schulen und Kindergärten vom 31. Mai an in den Präsenz- und Regelbetrieb, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in den jeweiligen Kreisen und Großstädten stabil unter 50 liegt. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper hatte gesagt, sie hoffe auf „ein bisschen Normalität“ an den Schulen nach den Pfingstferien. Brandenburg hatte am Dienstag entschieden, dass ab dem 31. Mai Grundschulen zum Präsenzunterricht zurückkehren.

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Der Druck zur Rückkehr in den Präsenzunterricht ist hoch. Laut einer Civey-Umfrage im Auftrag der FDP-Bundestagsfraktion wünschen mehr als 65 Prozent der Bundesbürger eine sofortige Rückkehr zum Präsenzunterricht an den Schulen. „Es gibt keinen Grund mehr, unseren Kindern ihren Präsenzunterricht vorzuenthalten, denn funktionierende Hygienekonzepte mit Luftfiltern und Testkonzepte sowie geimpfte Lehrkräfte machen Unterricht vor Ort längst möglich“, sagte die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding dem Handelsblatt.

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